Investment Live „Anleger müssen Geldanlage völlig neu denken“

Die anstehenden Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten, die Verhandlungen über den Brexit und die anhaltende Nullzinspolitik – was Experten Anlegern angesichts dieser brisanten Themen jetzt raten.
8 Kommentare

Digital, immobil oder klassisch - Anleger suchen Rendite

Digital, immobil oder klassisch - Anleger suchen Rendite

BerlinGlitzernde Nobelkarossen, wohin das Auge blickt. Ob schmucker Sportflitzer, luxuriöser Kombi oder riesiger Geländewagen - Autofans kommen hier auf ihre Kosten. Doch an diesem Abend in der Mercedes-Welt in Berlin geht es nicht um Autos, sondern um die Kapitalmärkte, um das überraschende Brexit-Votum in Großbritannien und die schwächeren globalen Wachstumsaussichten. „Investment Live“, die Anlegerinitiative von Deutscher Bank und Handelsblatt, ist zu Gast in der Hauptstadt.

Themen gibt es viele. „Wir erleben eine aufregende Zeit mit Nullzinsen, einem britischen Pfund, das tief fällt, und britischen Aktien auf Rekordhoch“, sagt Asoka Wöhrmann, Leiter Privatkunden Deutschland bei der Deutschen Bank. „Das sind fantastische Themen für die Diskussion am heutigen Abend.“ Doch bevor die startet, nimmt Wöhrmann erst einmal Stellung zu den jüngsten Schlagzeilen über das Institut.

Über die drohende Strafe von 14 Milliarden Dollar in den USA, die Kapitalausstattung des Instituts und über mögliche Hilfen wurde zuletzt heftig diskutiert. Solche Schlagzeilen bewegen nicht nur die Aktionäre der Bank, sondern auch ihre Kunden. „Die Situation in unserem Haus ist besser als von außen dargestellt“, so Wöhrmann.

Deshalb wächst die Sorge um Deutschlands größte Bank
Josef Ackermann, Angela Merkel
1 von 12

In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Rückblick
2 von 12

Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Die Finanzkrise
3 von 12

Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Die Folgen der Immobilienkrise
4 von 12

Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Schwaches Kerngeschäft
5 von 12

Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Riskante Finanzierung
6 von 12

Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Wenig Reserven
7 von 12

Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

Die Deutsche mache Fortschritte auf ihrem Weg, eine „bessere und einfachere Bank“ zu werden. „Seien Sie versichert, wir erfüllen aktuell alle Kapitalanforderungen“, ergänzt Wöhrmann. Nun warten Aktionäre wie Kunden darauf, welche Lösung die Bank im Streit mit dem US-Justizministerium findet.

Geldanlage völlig neu denken

Nach Lösungen - nämlich für ihre Geldanlage - suchen auch die Kunden der Deutschen Bank und ihrer Tochter, der Berliner Bank, die an diesem Abend ans Salzufer gekommen sind. Die Geldpolitik im Euro-Raum bleibt extrem locker, die US-Notenbank hat weitere Zinsschritte erst einmal aufgeschoben, die Aktienmärkte schwanken seit Monaten mehr oder weniger stark hin und her, zehnjährige Bundesanleihen bringen mittlerweile negative Renditen. Kein Wunder, dass sich viele Anleger in diesem Umfeld fragen, wie sie ihr Vermögen sichern oder vielleicht sogar eine angemessene Rendite erzielen können.

Risiko immer im Auge behalten
Seite 123456Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Investment Live - „Anleger müssen Geldanlage völlig neu denken“

8 Kommentare zu "Investment Live: „Anleger müssen Geldanlage völlig neu denken“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sofern das passiert und davon gehe ich aus, kann man das Geld auch abschaffen.

    Lebens -u. Private Rentenversicherungen, Spareinlagen sowie Geldmarktfonds und Rentenfonds u.a. sind nicht mehr das Geld wert, auf dem sie gedruckt werden.

    Hier haben die Anleger für die Zukunft mit der Nullzinspolitik mit der EU/Draghi & Co.verspielt.

    Aktien & Co, werden folgen. Dafür sorgen dann die Banker/Börsianer.

    Und die Politiker sorgen dann für Steuer -u. Abgabenerhöhungen und Rentenkürzungen.

    Weder brauchen sie selbst in die Sozialkassen groß einzuzahlen noch brauchen sie eine Geldanlage als Pensionsberechtigte deren Salär so manchen Arbeitnehmer, Selbstständigen und Freiberufler die Sprache verschlagen würde.

    Dafür winkt dann dem Volk irgendwann eine hohe Inflation um die Schulden der Städte, Kommunen und Länder sowie dem Bund zu tilgen, weil sie es nicht schaffen anders als auf "Pump" zu regieren.

    Über die Folgen sollte man erst gar nicht nachdenken.

  • Der nächste Crash kommt bestimmt!

    Und das vermutlich nicht nur bei Aktien!

  • Ich denke nicht über so etwas nach, denn die Wahrheit steht im Handelsblatt.

  • Es wäre besser, wenn die Deutsche Bank mal ihre eigenen Herausforderungen lösen würde, anstatt "Empfehlungen" zu geben. Was diese "Empfehlungen" wert sind, sieht am am Kurs der DB Aktie.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Wenn man etwa Geld auf der hohen Kante hat, dann sollte man sich ein Stück Land oder eine Immobilie zu legen. Man kann auch Gold oder in Diamanten ausweichen.

    Wer nicht das nötige Kleingeld hat, dem wird nichts anderes übrig bleiben um sich im Überlebenstraining zu üben...die Zeiten werden auf jeden Fall nicht besser sondern härter und der Mangel und die Armut werden weiter und schneller zunehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%