Investment Live
„Anleger müssen mehr wagen“

Das „Ja“ der Briten sorgte an den Börsen für einige Turbulenzen. Doch das ist nicht das einzige Thema, das Anleger umtreibt. Welche Risiken gibt es an den Märkten? Wo gibt es noch Rendite in Zeiten von Nullzinsen?

DüsseldorfPolitische Börsen haben kurze Beine, lautet eine alte Börsenweisheit. Sie besagt, dass Wahlen oder wirtschaftlich relevante politische Entscheidungen an den Märkten zwar für heftige Ausschläge sorgen können, die Lage sich aber in der Regel schnell wieder beruhigt. Im Fall des Votums der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union scheint es wieder so zu sein. Auf den empfindlichen Absturz in den unmittelbaren Tagen nach dem „Ja“ zum Brexit folgte rasch eine Erholung.

Im Falle des Brexit könnten die Nachwehen der sogenannten politischen Börse aber doch noch andauern. Schließlich sind die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Austrittsprozesses noch längst nicht klar. Beim Anlegerforum „Investment Live“, der Anlegerinitiative von Deutsche Bank und Handelsblatt, war der Informationsbedarf entsprechend groß. Neben dem allgemeinen Anlagenotstand in Zeiten von Nullzinsen waren es vor allem die Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen und die Aussichten für die kommenden Monate, die mehr als 650 Kunden der Deutschen Bank und Mitglieder des Handelsblatt-Wirtschaftsclubs in der Meistersingerhalle in Nürnberg interessierten.

Antworten auf die brennenden Fragen gaben Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, Oliver Plein, Leiter Produktspezialisten Aktien bei der Deutsche Asset Management, und Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Durch den Abend führte der New Yorker Börsenexperte Markus Koch.

Negativzinsen, Brexit, Börsenturbulenzen - Steingart wollte angesichts dieser Gemengelage einen Kontrapunkt setzen und Zuversicht verbreiten. „Die Welt geht nicht unter, nicht heute und auch nicht morgen“, sagte er. „Vielleicht sehen wir das Ja der Briten zum Brexit irgendwann als den Tag, an dem Europa aufgewacht ist.“ Und das könnte positiv sein, auch für Anleger.

Auch Stephan fand beruhigende Worte. „Wir haben schon vor dem Referendum gesagt: Wenn der Brexit kommt, wird die Welt nicht untergehen“, so Stephan. „Auch ohne Brexit wären die Probleme in der Euro-Zone nicht gelöst.“ Für ihn war die Botschaft klar: „Wir müssen uns mehr mit dem Wachstum in Europa beschäftigen - die Schaffung von Arbeitsplätzen ist die beste Sozialpolitik.“ Und Wirtschaftswachstum wird von der Börse mit Kursaufschlägen gedankt.

Vor dem historischen EU-Referendum hatte es an den Aktienmärkten gar nicht so schlecht ausgesehen. Nach dem turbulenten Start ins Anlagejahr 2016 hatten sich die Kapitalmärkte etwas beruhigt. Die Rezessionsangst ging zurück, der Ölpreis hatte Boden gutgemacht und die Notenbanken halfen mit niedrigen Zinsen. In den Tagen vor dem EU-Referendum hatten die Börsen sogar eine kleine Rally hingelegt - allerdings in der falschen Annahme, die Briten würden für den Verbleib in der EU stimmen.

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