Investment Live: Die drängenden Fragen der Anleger

Investment Live
Die drängenden Fragen der Anleger

Auf der Handelsblatt-Veranstaltung „Investment Live“ in Bochum antworteten die Experten auf wichtige Fragen und verrieten ihre persönlichen Prioritäten bei der Geldanlage.
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BochumAuf Fragen der Anleger antworteten bei der Veranstaltung in Bochum die Anlagestrategen Ulrich Stephan (Deutsche Bank) und Oliver Plein (Deutsche Asset und Wealth Management) sowie Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts.

Was ist für Sie beim Geldanlegen wichtig?

Gabor Steingart: Man sollte in Firmen und Produkte investieren, die man kennt. Dieser Regel folgt auch der bekannte Investor Warren Buffett. Aus deutscher Sicht fallen mir da beispielsweise gut gemanagte Unternehmen wie Bayer, Volkswagen, Mercedes und BASF ein.

Oliver Plein: Auf das Risiko schauen. Eine globale Streuung der Gelder ist die beste Risikoversicherung. Der Anlagehorizont ist ebenfalls wichtig. Auf lange Sicht darf man mutiger sein. Dann kann man sogar Sparpläne für Schwellenbörsenanlagen wagen.
Ulrich Stephan: Ohne Risiko bekommt man nur den risikolosen Zins. Der ist heute aber bei null oder sogar negativ. Deshalb muss man etwas risikoreicher anlegen, um überhaupt Rendite zu erzielen. Anders gesagt: Das größte Risiko ist heute, wenn man keines eingeht.

Wo kaufen die Großinvestoren am Aktienmarkt?

Ulrich Stephan: Die internationalen Großinvestoren wie etwa Pensionsfonds ziehen sich derzeit bei den Aktien von der Wall Street zurück, schichten Richtung Europa um. Sie kaufen an den Börsen in Branchen wie Nahrungsmittel, Automobile, Bau, Zement, also auch die konjunktursensiblen Sektoren. Das hat nicht zuletzt mit den verbesserten wirtschaftlichen Wachstumsaussichten in Europa zu tun.

Stichwort Abwertungswettlauf: Droht ein Währungskrieg?

Gabor Steingart: Nein, die starken Währungsbewegungen sind eher Ausdruck einer schwindenden Ordnung in der Welt allgemein. Wir brauchen eine neue Weltwährungskonferenz, um auf dem Feld mehr Verlässlichkeit zu schaffen. Es macht keinen Sinn, wenn jeder Währungsblock versucht, sich Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen.

Ulrich Stephan: Das glaube ich kaum. Aber es ist ein Paradox, dass praktisch alle Länder über Abwertungen ihrer Währungen Exportüberschüsse zur Ankurbelung ihrer Wirtschaft erzielen wollen. Rein mathematisch geht das natürlich nicht. Und bei den Staatsschuldenproblemen in der Euro-Zone sehe ich einige Schwierigkeiten. Die EZB vergibt beispielsweise Notfallkredite an Banken, das halte ich für gefährlich.

Wie sorgen Sie für Ihre Kinder vor?

Ulrich Stephan: Wir werden älter, als wir vielleicht glauben. Für unsere Kinder wird das noch mehr gelten. Darauf müssen wir uns so früh wie möglich vorbereiten. Als Eltern sind wir da natürlich gefordert. Deshalb habe ich für meine Kinder schon früh Sparpläne mit regelmäßigen Einzahlungen eingerichtet.

Gabor Steingart: Ich setze hier vor allem auf Aktien und Anleihen. Aber auch Immobilien sollten unbedingt eine Rolle spielen. Sie gehören für mich als Baustein und drittes Standbein in der langfristigen Vorsorgeplanung auf jeden Fall dazu, weil man in einer Immobilie immerhin wohnen kann – im Gegensatz zur Aktie.

Sind Immobilien jetzt noch interessant?

Oliver Plein: Sie gehören zu einer gesunden Vermögensstruktur. Ein Vergleich mit der Zinsanlage bietet sich an. Die Renditen von Büroimmobilien der Top-Standorte in Deutschland haben sich seit der Jahrtausendwende von rund fünf Prozent lediglich auf 4,5 Prozent verringert. Dagegen ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von damals auch etwa fünf Prozent auf knapp über null Prozent gefallen. Das illustriert, wie sich die relativen Attraktivitäten verschoben haben.

Ist Gold nach dem Preisrutsch attraktiv?

Gabor Steingart: Als Beimischung ja, trotz der gefallenen Preise in den vergangenen Jahren. In Krisenzeiten dient Gold immer noch als Fluchtwährung.

Ulrich Stephan: Es ist für mich eine Absicherung gegen alle Eventualitäten, auch Unfälle im Finanzsystem. Auf sehr lange Sicht konnte man mit Gold die Kaufkraft erhalten.

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