Investment Live
„Die Welt ist in Unordnung geraten“

Geopolitische Krisen, Brexit-Verhandlungen und Wahlen, aber die Börsen klettern auf Rekordhochs – für Investoren kann das verwirrend sein. Beim Anlegerforum „Investment Live“ rieten Experten zu Realismus – und Mut.
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DüsseldorfDie anstehenden Brexit-Verhandlungen, Wahlen in mehreren Ländern des Kontinents, die Krise in Italien und nicht zuletzt die Politik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump – politische Entscheidungen werden die globalen Wirtschaftsentwicklungen auch in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen. Und natürlich dürften sie auch für einige Verunsicherung an den Märkten sorgen.

Was bedeutet das für die Privatanleger? Sind aktuell die Chancen oder die Risiken größer? Wie stellen sie sich am besten auf? Antworten auf diese und andere Fragen gab es beim Finanzmarktforum „Investment Live“, der gemeinsamen Anlegerinitiative von Deutscher Bank und Handelsblatt. Mehr als 500 Interessierte kamen ins The Westin Hotel Leipzig, und sie hatten viele Fragen.

Wer angesichts der weltpolitischen Gemengelage glaubte, dass die Anleger eher ängstlich und pessimistisch sind, irrte. Auf die Frage von Moderator und Börsenexperte Markus Koch, ob sie glaubten, dass 2017 für sie ein gutes Anlagejahr wird, antworteten immerhin knapp 77 Prozent der Gäste mit Ja. „Wir haben anscheinend viele Optimisten im Publikum“, freute sich Koch. Doch die Risiken im Markt blendeten sie keinesfalls aus.

„Die Welt ist in Unordnung geraten“, sagte Gabor Steingart. Der Handelsblatt-Herausgeber hatte die Zuschauer vor die Wahl gestellt: Er könne in seiner Rede ein „Wir-schaffen-das-Szenario“ liefern oder die Variante „Schonungslos“. Das Publikum wählte Letzteres. „Digitalisierung, Europäisierung, Globalisierung, Islamisierung und Militarisierung – wir teilen das Schicksal, in einer Zeit zu leben, die uns überfordern kann“, sagte Steingart. Dieses Szenario solle aber nicht mutlos machen, man müsse sich realistisch dem Zeitgeschehen stellen – auch als Anleger.

Allen geopolitischen Krisen und Verwerfungen zum Trotz klettert der Deutsche Aktienindex von Rekord zu Rekord. Der Grund: Die deutsche Wirtschaft habe sich weitgehend von den Krisenherden in Nahost und anderswo entkoppelt, und das sei ein positives Signal für Anleger. „Wir haben es mit einer Wirtschaft zu tun, die gelernt hat, regionale Ungleichgewichte auszubalancieren“, so Steingart. Es lohne nicht, zu verzagen. Das wäre für Siemens-Chef Joe Kaeser oder Daimler-Chef Dieter Zetsche keine Strategie. Sie würden die Risiken und Chancen austarieren, Krisenregionen notfalls verlassen und an anderer Stelle investieren.

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