Investment Live
Zins war gestern, heute ist Aktie

Mit der richtigen Strategie kommen Anleger auch mit dem Umbruch in der Finanzwelt zurecht. Besonders bei europäischen Börsentiteln gibt es Chancen, sagen die Experten auf der Handelsblatt-Veranstaltung „Investment Live“.
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BochumDie Welt ist in Unordnung: Krisen um Russland und Griechenland, das Anschwellen des islamistischen Terrors, die wachsende Staatsverschuldung, geopolitische Beben — mit solchen Stichworten rechtfertigen Pessimisten ihre düsteren Aussichten für die Weltwirtschaft. Aber dieser Pessimismus ist mit Blick auf die großen Konzerne und ihre Leistungsfähigkeit nicht gerechtfertigt, meint Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart.

„Die internationalen Konzerne sind nicht in erster Linie Fabriken zur Herstellung von Autos, Flugzeugen und Chemikalien, sondern hochkomplexe Mechanismen, die gelernt haben, mit der Unordnung der Welt und mit der Fragilität der ökonomischen Verhältnisse umzugehen. Gut gemanagten Firmen wie Volkswagen, Mercedes und Roche gelingt es immer wieder, Rückschläge in einzelnen Ländern, Regionen und Märkten durch Anstrengungen in anderen Ländern, Regionen und Märkten auszugleichen. Das Gewinnwachstum der vergangenen Jahrzehnte ist Ausdruck dieser Fähigkeit.“ Steingart ist deshalb sicher: „Die deutschen Aktienkurse sind nicht nur wegen der Geldfluten der Europäischen Zentralbank auf Rekordstand.“

Mit seiner hoffnungsfrohen Perspektive stimmt Steingart 800 Gäste in der Bochumer Jahrhunderthalle auf das Finanzmarktforum „Investment Live“ ein, das Orientierungshilfe bei der Geldanlage geben soll. Er warnt ausdrücklich, sich beim Thema Finanzen zu sehr von Krisennachrichten irritieren zu lassen und bemerkt zur heiklen Griechenland-Debatte: „Sogar einen Grexit, einen Austritt Griechenlands aus dem Euro, würden die meisten deutschen Unternehmen wegstecken.“

Griechenland ist eines der Top-Themen an den Börsen. Doch im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen in Bochum steht die völlig veränderte Finanzwelt, in der alle Anleger Neuland betreten. Der Börsen-Profi Markus Koch, als Moderator des Abends aus New York angereist, benennt das Problem mit wenigen Worten: „Zins und Zinseszins gibt es nicht mehr.“ Die Lage sei über die Jahre stetig brisanter geworden. Das illustrierte auch ein Ereignis vom Tag der Veranstaltung: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, eine Messlatte für den langfristigen risikolosen Zins, fällt zum ersten Mal unter die Marke von 0,2 Prozent – so tief wie noch nie.

Der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, Ulrich Stephan, kommentierte das vor den geladenen Gästen so: „Ohne Risiko bekommt man nur noch den risikolosen Zins. Oder anders gesagt: Das größte Risiko geht man heute ein, wenn man keins eingeht.“

Ob sich die Situation durch die Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve ändert, ist nach den jüngsten Äußerungen der Fed-Chefin Janet Yellen fraglich. Ulrich Stephan sagte dazu in Bochum: „Möglicherweise wird die Notenbank die Zinsen in diesem Jahr gar nicht mehr erhöhen.“

Kommentare zu " Investment Live: Zins war gestern, heute ist Aktie"

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  • @Spiegel
    Auf den Punkt gebracht!

    Vielleicht glauben aber die mesiten Leutchen gar nicht mehr an das was sie tun.
    Oder wissen gar nicht wie eine Wertschöpfung entsteht und wo die zuerst wirken wird.

  • Es ist schon merkwürdig, die Leute gehen zur Arbeit und nur 8% wollen Miteigentümer der Firmen sein.

  • @Tom Bauer
    Mir ist der tatsächliche Umsatz/Gewinn lieber, als der kalkulierte/erwartete. Mir sind reale Produktions-Autragszahlen lieber als vorhergesagte. Mir ist das HGB lieber als die IFRS.
    Im allgemeinen erwartet man von der Zukunft (IFRS) mehr, als diese dann zum Zeitpunkt der Gegenwart (HGB) halten kann. Und gute Unternehmensergebnisse brauchen nicht herbei geredet werden, diese entstehen in einen Gesunden Umfeld von ganz alleine. Alles andere ist Spekulation. Das Zocken auf den Rücken gesunder Unternehmen. Gesunde Unternehmen werde gerade dazu gezwungen sich über die Börse/Investemtbeteiligungen zu übernehmen. Mit gesunden Wachstum aus dem eigenen Geschäft heraus, hat das "Börsen-Aktien" Spiel nichts mehr zu tun.

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