Investment über Fonds
Angezählt, aber nicht am Ende

Veränderungen bringen Gewinner und Verlierer hervor. Das ist auch bei der neuen Abgeltungsteuer so: Wenn zum 1. Januar 2009 diese neue Regelung in Kraft tritt, dürfen sich vor allem vermögende Anleger freuen, die hohe individuelle Grenzeinkommensteuersätze haben und denen es bei der Geldanlage hauptsächlich um Kapitalerhalt geht.

HB FRANKFURT. Denn die Abgeltungsteuer betrifft künftig alle Kapitalerträge – also Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne – direkt an der Quelle pauschal mit 25 Prozent. „Anleger mit hohen persönlichen Einkommensteuersätzen von bis zu 47,5 Prozent profitieren damit gegenüber dem jetztigen System, denn ihre Steuerlast wird gemindert“, sagt Professor Wolfgang Gerke, langjähriger Beobachter und Experte für Kapitalmärkte. Verlierer seien hingegen alle Anleger, die Kursgewinne realisieren möchten. Egal ob sie kurz- oder langfristig investieren: Ihre Kursgewinne unterliegen künftig der neuen Steuer.

Lediglich Personen, deren individueller Steuersatz unter 25 Prozent liegt, können sich zuviel einbehaltene Abgeltungsteuer über ihre Einkommensteuererklärung wieder zurückholen. Auch Anleger, die ein Vermögen erst noch aufbauen müssen und dabei auf die Renditen des Aktienmarktes angewiesen sind, geraten laut Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer der Branchenvereinigung Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), ins Hintertreffen.

Gewinner und Verlierer kristallisieren sich auch bei den verschiedenen Anlageprodukten heraus. So dürften Experten zufolge Anleihen und sogenannte Garantiezertifikate, die Investoren vollen Kapitalschutz zum Laufzeitende bieten, profitieren. Müssen Anleger bisher bei diesen Assets laufende Erträge und Veräußerungsgewinne mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern, fallen künftig nur noch pauschal 25 Prozent an Steuern an – für die meisten Investoren also deutlich weniger als ihr individueller Grenzsteuersatz. Da Kapitallebensversicherungen und selbst genutzte Immobilien von der neuen Abgeltungsteuer ausgenommen sind, dürften sie laut Experten künftig auch als steuerlich attraktiver angesehen werden.

Auf der Verliererseite stehen sämtliche Aktieninvestments, wenn künftig Kursgewinne egal nach welcher Haltedauer und zusätzlich auch Dividenden in voller Höhe – und nicht wie bisher nur die Hälfte der Auszahlung zum persönlichen Steuersatz des Privatinvestors – versteuert werden müssen. Kaufen Anleger regelmäßig Anteile an Aktienfonds im Rahmen eines Sparplans, wird ab 2009 jede Einzahlung als einzelne Einmalanlage betrachtet und nach den neuen Regeln behandelt.

„Die neue Steuer ist für die Aktienkultur schädlich, insbesondere mit Blick auf die private Altersvorsorge ist sie ein Rückschlag“, kritisiert denn auch BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip. Im internationalen Vergleich sei der Steuersatz zudem zu hoch. „Die Steuer wird zu einer Verlagerung in wenig rentierlich verzinste Sparformen führen. Die private Altersvororge wird dadurch teurer“, bemängelt auch Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW. In der Übergangszeit bis 2009 rechnen Experten nun damit, dass Anleger ihre Aktienquote erhöhen, sollten sie die Mittel dazu haben.

Investoren mit einer Vorliebe für Fonds dürften künftig verstärkt zu Dachfonds greifen. Denn Wertzuwächse, die durch Verkäufe und Umschichtungen innerhalb eines Dachfonds erzielt werden, fallen nicht unter die Abgeltungsteuer. Sie wird erst fällig, wenn der Anleger seine Fondsanteile verkauft – auch das gilt nur für Dachfondsanteile, die nach dem 31. Dezember 2008 gekauft werden. „Zuwachs werden wahrscheinlich auch so genannte Lebenszyklusfonds verzeichnen. Sie berücksichtigen durch unterschiedliche Endfälligkeiten das Lebensalter der Anleger, und mit ihrem hohen Anteil festverzinslicher Papiere steigt sogar der Vorteil der Abgeltungsteuer“, sagt AWD-Finanzexperte Thorsten Sagmüllner.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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