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Investmentclubs haben Spaß am Zocken

Sie sitzen in Kneipen oder am Wohnzimmertisch, beratschlagen bei Bier oder Kaffee und Kuchen, wie sie das gemeinsame Geld am besten anlegen: Private Investoren haben sich in Deutschland in über 6 000 Investmentclubs organisiert, so die Schätzungen von Anlegerschützern.

FRANKFURT/M. Die Idee dieser Clubs ist immer noch dieselbe wie vor gut hundert Jahren. Sie geht auf den texanischen Farmer Jack Brooks zurück, der 1898 den ersten Investmentclub gründete: Viele kleine Beträge werden zu einer großen Summe zusammengelegt, um Risiken besser zu streuen. Zum Beispiel können die Club-Mitglieder statt vier dann 40 Aktien unterschiedlicher Branchen kaufen. Außerdem sind Transaktionskosten wie Bankgebühren bei Großaufträgen geringer als bei einzelnen Orders. Dazu kommt die soziale Komponente: der Spaß am Treffen mit Gleichgesinnten.

Oft gründen Anleger auch Clubs, weil sie unzufrieden sind mit Bankberatern, die ihnen nur hauseigene Produkte anbieten oder schöngefärbte Analysen. Und die dann nachher auch nicht zugeben wollen, dass sie falsch lagen. Letzteres hat auch Reinke Haar, Mitgründer des Oldenburger Aktienclubs, geärgert: „Klar, keiner weiß genau, was an der Börse passieren wird, aber man muss dazu stehen.“

Aktuell fahren zahlreiche Clubs spekulative Strategien, sie haben vom Zocken an der Börse noch nicht genug. Das geht zumindest aus den Angaben der Clubs hervor, die sich im Internet präsentieren (siehe www.investmentclub-online.de). Zwar sind die Strategien sehr unterschiedlich, doch eines ist vielen Clubs – auch den konservativen – gemeinsam: Sie sind vorsichtig, erwarten in nächster Zeit Kursrückschläge, halten daher teils hohe Cashquoten. Auch Anita Neumann vom Aktienclub „Verwandte Optimisten“ aus Lieg in Rheinland-Pfalz ist momentan nicht gerade optimistisch, was die Börse anbetrifft: „Wir sind noch vorsichtig mit Kaufen, wir meinen noch nicht, dass das Ende der Baisse bereits da ist“.

Ähnlich sieht das Christoph Stübbe, Clubgründer der Call-Boys („Wir haben früher mit Calls, also Kaufoptionsscheinen, spekuliert.“). „Unsere Taktik momentan ist daher: abwarten.“ Das Depot der Call-Boys besteht denn auch zu einem Drittel aus Cash. Dieselbe Quote halten die Oldenburger, die mit über 111 Mitgliedern eine außergewöhnlich große Anlegergruppe bilden. Haar: „Die Märkte sind heiß gelaufen, da können jetzt weitere Einbrüche bevorstehen.“ Allerdings rechnet er wie viele andere Clubs mittelfristig nicht mit einer beschleunigten Talfahrt, sondern mit einer Seitwärtstendenz, in der es immer wieder Rückschläge gibt. Haar zufolge hat der Club wegen dieser Erwartung mittlerweile zahlreiche Discountzertifikate im Depot. Das sind Zertifikate, mit denen man zum Beispiel Aktien zu einem Abschlag gegenüber dem aktuellen Aktienkurs kaufen kann, dafür von einem steigenden Aktienkurs aber nur bis zu einer gewissen Grenze profitiert. Die Oldenburger haben Papiere auf Indizes wie auf Aktien im Depot, insgesamt macht die Position ein weiteres Drittel im Portfolio aus. Der Rest steckt in Aktien.

Wie bei vielen anderen Clubs gilt auch hier: Anleger kaufen am liebsten nur das, was sie kennen, sprich Aktien aus Deutschland. „Bei anderen Titeln ist es viel schwerer, Informationen zu erhalten“, meint Haar. Dass zahlreiche Clubs den heimischen Werten treu bleiben, heißt aber noch lange nicht, dass sie ihre Strategie während der Baisse nicht überprüft und aus Fehlern gelernt hätten: „Wir setzen jetzt konsequent Stop-Loss-Limits“, erzählt Stübbe, also Marken, die bei Erreichen oder Unterschreiten eines bestimmten Kursniveaus automatisch Verkäufe auslösen. Von Optionsscheinen habe man sich nach negativen Erfahrungen distanziert - „und außerdem sind ja viele Werte im TexDax bereits fast so risikoreich wie Warrants“, sagt Stübbe augenzwinkernd. Zudem achte der Club auf eine breite Streuung innerhalb der Branchen.

Dazugelernt haben auch die „Outperformer“ aus Schwäbisch Hall, wie Clubmitglied Jens Rischke erklärt, „allerdings nicht wegen der Aktienkrise.“ Derzeit setzen die Hobbyaktionäre ausschließlich auf Fonds und Zertifikate, Index-, aber auch Basketzertifikate auf Aktienkörbe. Früher haben die Outperformer auch auf Einzelaktien gesetzt, „aber wir haben einfach zu wenig Zeit, um jede Aktie ständig zu überwachen“, sagt Rischke. Zudem achtet er auf eine Streuung auch zwischen den Ländern, hält auch US- und japanische Titel. Fazit: Für Interessenten, die Investmentclubs suchen, lohnt es sich, Kontakt zu den einzelnen Clubs aufzunehmen. Denn die Strategien sind unterschiedlich und ändern sich mit der Zeit.

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