Investmentidee
Bonds mit überschaubarem Risiko

Die weltweit steigenden Zinsen machen Anleihen lukrativer – zumindest die Neuemissionen. Allerdings wird derzeit die Stimmung durch die Subprime-Krise in den USA vermiest; die Anleihekurse standen zuletzt unter Druck. Wer aber genau hinschaut, kann durchaus interessante Bonds finden. Und das bei einem vergleichsweise überschaubaren Risiko. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Es herrscht Unsicherheit an den Kapitalmärkten. Der Dax hat sein Allzeithoch nach einigen Anlaufschwierigkeiten geknackt, ist dann aber zwischenzeitlich wieder deutlich unter die 8 000er Marke gefallen. Die Anleger sind skeptisch, ob die mittlerweile rund vier Jahre andauernde Hausse ungebremst weitergeht. Unsicherheit herrscht aber auch auf dem Anleihemarkt. Die Investoren sind vorsichtig geworden; Unternehmen haben es zunehmend schwieriger, ihre Bonds an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Das drückt die Kurse der bereits emittierten Papiere.

Schuld daran ist die so genannte Subprime-Krise in den USA. Zuletzt kursierten Meldungen, dass die beiden in Schwierigkeiten geratenen Hedge-Fonds der Investmentbank Bear Stearns nahezu wertlos seien. Obendrein kündigte die Ratingagentur Standard& Poor's an, das Rating von 612 mit Hypotheken unterlegten US-Wertpapieren zurückzustufen. Es geht dabei um verbriefte Bonds in verschiedenen Tranchen, die mit Subprime-Hypotheken besichert sind. Die Ausfälle dieser Immobilienkredite in den USA sind – bedingt durch steigende Zinsen und einen schwachem Immobilienmarkt – drastisch gestiegen. Wie groß das Ausmaß der Krise letztlich ist, lässt sich nur schwerlich abschätzen.

Für risikofreudige Anleger bieten sich jedoch durchaus lukrative Einstiegsmöglichkeiten. Zwar ist das Zinsniveau zuletzt weltweit gestiegen, sichere Staatspapieren sind damit deutlich lukrativer geworden. Ganz abschreiben sollte man risikoreichere Unternehmensanleihen jedoch nicht. Experten schätzen, dass sich der Renditeabstand zwischen sicheren Anleihen und Hochzinsanleihen zukünftig vergrößern wird. Zum Vergleich: Sichere Papiere bringen derzeit in etwa 4,5 Prozent Rendite, riskante dagegen nicht selten mehr als sieben Prozent.

Schwächere Bonitätsratings bedeuten für Unternehmen deutlich schlechtere Konditionen am Kapitalmarkt - die finden Ausdruck in einem höheren Zinssatz, den die Firmen an die Anleihegläubiger zahlen müssen. Anleger können mit der richtigen Auswahl dieser so genannten Schrottanleihen ihr Depot aufpeppen. Allerdings sollten sie gewillt sein, zwischenzeitliche Turbulenzen auszusitzen. Denn bei diesen Bonds sind während der Laufzeit gute Nerven gefragt - das zeigt die derzeitige Kursentwicklung am Anleihemarkt.

Allerdings sollten sich die Anleger nicht übermäßig von dem Begriff Schrottaneihe ängstigen lassen; darunter fallen nämlich auch Bonds von Degussa oder der Modemarke Escada - beides Unternehmen, die nicht unbedingt im Verdacht stehen, ihre Anleiheverbindlichkeiten nicht ordnungsgemäß bedienen zu können und kurz vor der Pleite zu stehen.

So zahlt Degussa für eine Anleihe mit Laufzeit bis Dezember 2013 (WKN 818050) einen jährlichen Zinscoupon von 5,125 Prozent; der Kurs liegt derzeit bei 96,70. Anleger kommen so auf eine jährliche Rendite von 5,56 Prozent. Die Stückelung beträgt 1000 Euro. SGL Carbon etwa, einer der weltweit führenden Hersteller von Produkten aus Kohlenstoff, zahlt gar einen Zinscoupon von 8,5 Prozent; die Anleihe (WKN A0AU88) läuft bis Februar 2012, die Stückelung beträgt ebenfalls 1000 Euro. Allerdings liegt der Kurs der Anleihe bei derzeit 106; macht für den Anleger eine Rendite 7,06 Prozent.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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