Investmentidee des Tages
Santander zeigt Stärke

Derzeit haben Analysten wenig Positives über Banken zu berichten – mit wenigen Ausnahmen. Die größte spanische Bank, Santander, ist eine davon. Sie hat die jüngste Finanzkrise bislang ohne Blessuren überstanden. Für den Aktienkurs sehen Experten noch großes Potential. Die tägliche Investmentidee auf Handelsbatt.com.

MADRID. Vor allem die gute regionale Diversifizierung und die hohe Rentabilität sind Merkmale, die Analysten an Santander schätzen. Die Iberer haben das Ziel, mit einer Aufwand-Ertragsquote von 40 Prozent die effizienteste globale Bank zu werden. Das heißt, die Bank müsste für jeden Euro Einnahmen 40 Cent aufwenden. Die WestLB geht allerdings davon aus, dass das noch ein bisschen länger dauert und erwarten eine Quote von 46 Prozent Ende diesen Jahres und 44 Prozent Ende 2009. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank musste 2006 für jeden verdienten Euro 70 Cent aufwenden.

Santanders Aktienkurs ist bereits wieder auf dem Stand von vor drei Monaten, vor dem Ausbruch der Krise um die zweitklassigen US-Hypothekenkredite, und Analysten sehen noch großes Potential. „Angesichts des erwarteten Wachstums des Gewinns pro Aktie, seiner attraktiven und ausgewogenen regionalen Diversifizierung sowie seiner mangelnden Exposition gegenüber Risikoanlagen sehen wir Santanders gegenwärtige Bewertung als nicht gerechtfertigt“, sagt Deutsche-Bank-Analyst Carlos Berastain Gonzalez. Die Deutsche Bank empfiehlt Santander zum Kauf mit einem Kursziel von 18 Euro, was einem Potenzial von knapp 30 Prozent entspricht.

Für das dritte Quartal wird eine solide Einnahmensteigerung vor allem aus dem Geschäft mit mittelständischen Unternehmen und Konsumkrediten erwartet. Analysten erwarten laut Bloomberg geht von einen Gewinn in Höhe von rund zwei Mrd. Euro, was einer Steigerung von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Die Bank hat zudem glaubhaft versichert, dass sie keinerlei risikoreiche Anlagen außerhalb seiner Bilanzen hat.

Santander hat mit der kürzlich abgeschlossenen Übernahme von ABN Amro souverän gezeigt, dass dem Institut die Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten nichts oder zumindest nur wenig anhaben. Die Bank hatte auch in Zeiten der Liquiditätskrise keinerlei Probleme, knapp 20 Mrd. Euro zum großen Teil über Anleihenemissionen aufzutreiben. Santander sorgte für die größte Emission von Wandelanleihen in der spanischen Geschichte – insgesamt sieben Mrd. Euro. Ursprünglich hatten es fünf Mrd. Euro sein sollen, doch wegen der großen Nachfrage erhöhte die Bank das Angebot. Kurze Zeit später legte Santander noch einmal vier Mrd. Euro Anleihen für institutionelle Investoren auf, die wiederum hohen Absatz fanden. „Wahrscheinlich hätte Santander sich vor einem halben Jahr ein bisschen billiger finanzieren können, aber insgesamt hat die Bank bewiesen, dass auch in diesen Zeiten großes Interesse an qualitativ hochwertigen Papieren besteht“, sagt Sandra Neumann, Analystin der WestLB. Die Düsseldorfer haben ihr Kursziel für Santander nach der erfolgreichen ABN-Übernahme auf 17 Euro hochgesetzt.

Santander ist vielleicht von den drei Banken des Übernahmekonsortiums diejenige, die am meisten von der Zerlegung von ABN Amro profitiert. Mit der Integration der italienischen Bank Antonveneta und der brasilianischen Banco Real erfüllte Santander zwei seiner Hauptziele der vergangenen Jahre: eine Bank in Italien zu haben und seine Stellung in Brasilien zu stärken. Antonveneta hat das siebtgrößte Filialnetz in Italien und ist vor allem im reichen Norden des Landes konzentriert.

Wohl die größten Vorteile wird der ABN-Deal den Spaniern in Brasilien bringen, wo es Banco Real mit seiner Filiale Banespa integrieren wird. Die beiden Töchter zusammen hieven Santander nun auf den dritten Platz in Brasiliens Bankenwelt. Zudem sind „Banespa und Banco Real sehr komplementär, sowohl regional als auch von den Geschäftsfeldern her“, sagt West-LB-Analystin Neumann.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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