Investmentidee des Tages
Schaurig schöner Kaffee

Ob der Aktienchart der Kaffeehauskette Starbucks schaurig oder schön ist, hängt derzeit schlicht vom betrachteten Zeitfenster ab: Kurzfristig ist der Chart desaströs, denn seit Herbst vergangenen Jahres brach der Kurs trotz sehr freundlicher Märkte von 40 US-Dollar im Hoch auf zuletzt 26,50 US-Dollar ein.

DÜSSELDORF. Langfristig ist der Chart hingegen ein Traum, denn in den letzten 15 Jahren hat sich der Aktienkurs dank der schnellen Expansion des Konzerns mit dem grünen Meerjungfrauen-Logo glatt vervierzigfacht.

Für deutsche Investoren, die langfristig an die Wachstumsgeschichte von Starbucks glauben und mit einer Portion Mut ausgestattet sind, ist die Aktie aktuell nach ihren drastischen Verlusten einen Blick wert. Schließlich hat der Kursverlust hat Starbucks auf eine wieder akzeptable Bewertung zurecht gestutzt, die Aktie wird derzeit mit dem 25fachen des für 2008 erwarteten Gewinns gehandelt. Das ist luftig für einen Handelskonzern, doch deutlich unter dem historischen Schnitt und auch nicht überzogen, sofern Investoren auch einen Blick für die Wachstumsraten des Unternehmens haben: Seit Jahren klettert der Gewinn je Aktie mit mindestens 20 Prozent pro Jahr, für die kommenden fünf Jahre halten Analysten derzeit ein jährliches Gewinnwachstum von 22 Prozent für plausibel. Derzeit betreibt der schuldenfreie Konzern rund 15 000 Kaffeehausfilialen, eröffnet weltweit jeden Tag sechs weitere und sieht langfristig Raum für 40 000 Niederlassungen.

Langfristig ist der Kursverlauf von Starbucks ohnehin geprägt von regelmäßigen Rückschlägen, die den Kurs gleich mehrfach in den letzten Jahren halbierten, sobald auch nur geringste Zweifel am Wachstumstempo aufkeimten. Auch jüngst waren Aussagen des Managements, es sei eine „Herausforderung“, die Ziele des Jahres zu erreichen, Auslöser der Verluste. Höhere Rohstoffkosten belasteten die Erträge zusätzlich, deutsche Anleger litten zudem unter dem schwachen Dollar, der die Kursentwicklung der Aktie zusätzlich belastete.

Wo liegen die Risiken? Mit einem Börsenwert von 20 Mrd. US-Dollar ist Starbucks längst kein Nebenwert mehr, die Aktie macht dies eher träge. Selbst die Fastfoodkette McDonalds, die in einem gemeinhin als gesättigt geltenden Markt operiert, bringt es inzwischen auf einen Börsenwert von 60 Mrd. US-Dollar, erzielt aber auch einen dreimal höheren Umsatz und einen viermal höheren Vorsteuergewinn. McDonalds billigt der Markt dafür derzeit ein laufendes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 zu. Auch Anleger, die pessimistisch für die US-Konjunktur sind, sollten die Starbucks-Aktie besser meiden, denn obwohl der Konzern seine internationale Expansion forciert, stehen vier von fünf Starbucks-Filialen in Nordamerika. Einem Einbruch des Konsums in den USA würde daher auch die Aktie mit hoher Wahrscheinlichkeit in Mitleidenschaft ziehen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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