Investmentidee des Tages
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Der Ruf der Kapital bildenden Lebensversicherung deutscher Prägung hat in den vergangenen Jahren kräftig gelitten. Zu wenig Rendite. Zu wenig Transparenz bei der Verrechnung der Überschüsse. Und nun kommt auch noch Konkurrenz aus dem Ausland. Schlecht für die deutschen Versicherer, gut für die Versicherten. Was Anleger bei britischen Produkten beachten sollten. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. „Die Renten sind sicher“, hat der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm einst behauptet. Vermutlich hat er Recht. Irgendwie zumindest. Ein bisschen was wird es geben aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Aber ob das, was letztlich bei Ruhestandsbeginn herauskommt, tatsächlich ausreicht, um einigermaßen gut über die Runden zu kommen, ist zumindest fraglich. Zusätzlich privat Vorsorgen lautet die Losung, will man den Lebensstandard im Alter einigermaßen halten. Lange Zeit galt die Kapitallebensversicherung dabei als der Deutschen liebstes Kind. Das hat sich geändert – nicht zuletzt wegen der mageren Renditen.

Konkurrenz bekommen die deutschen Versicherer beim Kampf um die Kunden aus dem Vereinigten Königreich. Britische Versicherer drängen mit Macht nach Kontinentaleuropa. Die Schwäche der deutschen Konkurrenten kommt ihnen gelegen. Keiner der großen Anbieter hierzulande hat zuletzt die Überschussbeteiligung bei seinen Lebensversicherungen erhöht. Im Gegenteil. Die durchschnittliche Überschussbeteiligung stagniert bei 4,25 Prozent. Das britische Pendant bietet derzeit einen Renditevorsprung von wenigstens zwei bis drei Prozent. Allerdings sollten einige Dinge beachtet werden.

Der Garantiezins: Während die deutschen Versicherer einen Garantezins von 2,25 Prozent bezahlen, bieten die Briten lediglich 1,5 Prozent – und das auch nur bei den sogenannten "With-Profit-Policen". Im Gegensatz zu deutschen Policen muss die Rendite aber nicht jährlich erbracht werden, sondern erst am Ende der Laufzeit. Anleger sollten deshalb unbedingt bis zum Schluss durchhalten.

Die Aktienquote: Den Deutschen ist per Gesetz eine Aktienquote von maximal 35 Prozent erlaubt, die aber nur in den seltensten Fällen komplett ausgenutzt wird. Die Hausse an den Börsen scheinen die deutschen Versicherer jedenfalls zu verschlafen. Die Aktienbestände sind noch immer deutlich niedriger als Ende der 90er Jahre. Das Platzen der Internetblase hat die Versicherer über die Maße vorsichtig gemacht. Die Briten dürfen dagegen die kompletten Beiträge der Versicherten in Aktien investieren. Im Branchendurchschnitt liegt die Aktienquote bei „With-Profit-Policen“ bei gut 50 Prozent, bei denen ohne Garantie bei rund 80 Prozent. Das bringt Rendite.

Die Sicherheit: Trotz des hohen Aktienanteils haben die britischen Versicherer ein Sicherheitsnetz gespannt, das das angesparte Kapital der Versicherten vor allzu starken Schwankungen an der Börse schützt. Genannt wird das Ganze „Smoothing“. Das heißt nichts anderes, als dass in guten Börsenzeiten etwas von den Wertzuwächsen zurückgehalten und mit den Erträgen schwächerer Zeiten verrechnet wird.

Die Anbieter: Die größte Produktpalette bieten Standard Life oder Clerical Medical. Weil britische Versicherer sehr hohe Aktienquoten halten, sollte der Anbieter über eine gute Bonität verfügen; andernfalls greift die britische Finanzaufsicht in die Anlagepolitik ein. Bei der Auswahl des Versicherers sollten sich Anleger deshalb auf die großen Anbieter beschränken.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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