Investmentidee des Tages
Wachsender Hunger

Rohstoffe sind in der Gunst der Anleger zuletzt kräftig gestiegen, allen voran Öl und Gold. Etwas weniger gefragt dagegen waren die Agrarprodukte, im Fachjargon „Soft Commodities“ genannt. Das dürfte sich in den kommenden Jahren aber ändern. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Eine Preissteigerung von 100 Prozent trauen die Rohstoffexperten der Deutschen Bank Mais zu – und das bis Ende 2009. Weizen soll immerhin 80 Prozent teurer werden. Während sich die Verbraucher über die steigenden Preise für Lebensmittel – zuletzt bei Milch – aufregen, könnten sich Anlegern lukrative Investmentchancen bieten. Aus Expertensicht spricht vieles dafür, dass Agrarrohstoffe künftig eine ähnlich positive Entwicklung nehmen wie etwa die Klassiker Gold und Öl. Evy Hambro, einer der erfolgreichsten Rohstofffonds-Manager sagt, dass der Superzyklus auch bei den „Soft Commodities“ noch lange nicht vorbei sei. Das hat verschiedene Gründe.

Die Weltbevölkerung steigt rasant. Bis 2050 soll die Zahl der Menschen nach Berechnungen der Vereinten Nationen von sechs Milliarden auf über neun Milliarden wachsen. Derzeit kommen pro Jahr rund 78 Millionen dazu – so viel, wie in etwa in Deutschland leben. Die Rechnung ist einfach: Je größer die Weltbevölkerung desto größer die Nachfrage nach Mais, Weizen, Soja und Kakao. Hinzu kommt der wachsende Wohlstand in aufstrebenden Ländern wie etwa China und Indien. Allein dort leben derzeit mehr als zwei Milliarden Menschen. Auch diese Rechnung ist einfach: Wer mehr verdient, gibt mehr für qualitativ hochwertige Nahrungsmittel aus. Prognosen zufolge wird die Wirtschaft in beiden Ländern bis 2025 um durchschnittlich fünf bis sieben Prozent wachsen. Heute verbraucht ein Chinese rund 20 kg Milchprodukte pro Jahr – doppelt so viel wie im Jahr 2000.

Der Klimawandel sorgte zuletzt immer häufiger für Hochwasser und Dürreperioden. Besonders betroffen waren die Mittelmeeranrainerstaaten, die zu den wichtigen Getreidelieferanten gehören. Ernteausfälle sind die Folge der Wetterkapriolen – das wiederum verknappt das Nahrungsangebot und verteuert die Preise. Extreme Klimabedingungen werden in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme sein. Zudem sind die Anbaugebiete für Agrarprodukte nicht beliebig erweiterbar. Wegen des höheren Fleischverbrauchs in den Industriestaaten wird ein relativ großer Teil der Anbauflächen schon jetzt für den Anbau von Futterpflanzen für Schlachtvieh genutzt. Die Anbaufläche für Getreide etwa wird tendenziell kleiner.

Bioethanol, aus Getreide gewonnen, kommt als Umwelt schonende Kraftstoffalternative eine immer größere Bedeutung zu. Allein in Deutschland soll der Anteil von Biosprit in den nächsten drei Jahren auf rund acht Prozent gesteigert werden. Das treibt den Preis für Weizen zusätzlich.

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