Investmentidee
Experten stufen Acciona als solide ein

Der spanische Bau- und Immobilienkonzern Acconia hat sich innerhalb weniger Jahre zum Stromerzeuger gewandelt. Der Enthusiasmus der Investmentbanker wird insbesondere durch den hohen Anteil an erneuerbaren Energien im künftigen Portfolio von Acciona geweckt. Analysten erwarten eine weitere Aufwertung der Aktie. Die täglich Investmentidee auf Handelsblatt.com.

MADRID. Der 44-jährige José Manuel Entrecanales, Präsident des spanischen Konzerns Acciona, ist ein vorausschauender Mensch. Innerhalb weniger Jahre wandelte er das Unternehmen von einem Bau- und Immobilienkonzern in ein Energieunternehmen um. Der vorläufige Höhepunkt dieses Prozesses ist die Übernahme der spanischen Endesa zusammen mit dem italienischen Versorger Enel, die noch im Oktober endgültig abgeschlossen sein wird. Acciona hält mittlerweile 25 Prozent der Endesa-Anteile.

Machte der Energiesektor Ende 2006 noch knapp 40 Prozent des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) aus, so wird dieser Wert nach Berechnung von Citi im Gesamtjahr 2008 bei mehr als 80 Prozent liegen. Analysten gehen davon aus, dass das Portfolio von Acciona seine Wandlung in diese Richtung fortsetzen und sich nach und nach von Aktivitäten außerhalb des neuen Kerngeschäfts trennen wird.

Entrecanales hat es zudem geschafft, dass Acciona wegen der allgemeinen Marktskepsis gegenüber dem Immobiliensektor seit der US-Subprime-Krise und von den verschlechterten Aussichten für den spanischen Bau- und Immobilienmarkt an der Börse nicht in die Tiefe gezogen wurde. Im Gegenteil: Der Acciona-Kurs legte in den letzten zwölf Monaten um 74 Prozent zu. Experten wie etwa die Analysten von Citi erwarten eine weitere Aufwertung der Aktie um 30 Prozent auf einen Kurs von 265 Euro.

Obwohl sich Acciona im Zuge der Endesa-Übernahme stark verschuldet hat, sehen die Analysten seine Finanzlage sehr solide. Für die Übernahme der insgesamt 25 Prozent von Endesa nahm Acciona 9,3 Mrd. Euro Schulden auf, die es eigentlich im Stück refinanzieren wollte. Dies verzögert sich aufgrund der aktuellen Unsicherheit auf den Finanzmärkten. Acciona versichert jedoch, es habe keine Eile, da der Löwenanteil dieser Summe durch einen langfristigen Kredit finanziert worden sei.

Der Enthusiasmus der Investmentbanker wird insbesondere durch den hohen Anteil an erneuerbaren Energien im künftigen Portfolio von Acciona geweckt. Die Aktivitäten der beiden Unternehmen in erneuerbaren Energien werden nach erfolgter Übernahme zusammengefasst. In diesem neuen Vehikel, das Acciona zu etwa 70 Prozent kontrollieren wird, können sich die Synergieeffekte zwischen den beiden Unternehmen entfalten. „Wir denken, dass die beiden Unternehmen sich strategisch sehr gut ergänzen, da Endesa über Know-how in den Bereichen Regulierung, Umgang mit lokalen Behörden und Zugängen zum Energienetz verfügt und Acciona über ein starkes Management-Team, Erfahrung bei Installationen und Zugang zu Windturbinen hat“, heißt es bei Citi. Bis 2009 soll die kombinierte Windkraftkapazität um rund 160 Prozent gesteigert werden, was Acciona-Endesa zum größten Windenergieerzeuger weltweit machen würde.

Mittelfristig halten Beobachter es für möglich, dass Acciona-Endesa das neu kreierte Unternehmen für erneuerbare Energien an die Börse bringen wird, um künftiges Wachstum zu finanzieren. Als Modell dafür dürfte sich Acciona-Chef Entrecanales sehr genau den bevorstehenden Börsengang des Konkurrenzunternehmens Iberdrola Renewables anschauen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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