Investmentidee
Rally am Bosporus

Anleger, die in türkische Aktien investieren, brauchen vor allem eins – gute Nerven. Doch die ersten drei Quartale des Jahres brachten für Anleger kräftige Gewinne: Der Istanbuler Leitindex ISE National 100 legte seit Jahresbeginn um knapp 32 Prozent zu. Ausländische Investoren erzielten wegen des Kursanstiegs der Lira sogar noch höhere Renditen. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

ISTANBUL. Ein „Schicksalsjahr“ werde 2007 für die Türkei werden, prophezeiten viele politische Beobachter und malten allerlei Schreckensszenarien an die Wand – bis hin zu einem Militärputsch. Anleger, die sich davon nicht irritieren ließen und dennoch in türkische Aktien investierten, reut es nicht: Auf Eurobasis gerechnet ergibt sich im Jahresverlauf ein Plus von 41 Prozent, und wer US-Dollar in türkische Aktien investierte, konnte sich sogar über einen Indexanstieg von 54 Prozent freuen.

Damit haben die ersten drei Quartale dieses Jahr wieder einmal unterstrichen, was Analysten schon lange predigen: Vor allem die wirtschaftlichen Fundamentaldaten, wie die anhaltend starke Konjunktur, das auf viele Jahre hinaus große Wachstumspotenzial, sinkende Zinsen und die Erfolge bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen bestimmen die Kurse an der Bosporus-Börse.

„Die Aussichten für türkische Dividendenpapiere sind gut“, konstatieren deshalb die Experten der Investmentbank JP Morgan in einer Analyse. Nicht nur die unerwartet starken Stimmengewinne für die Regierungspartei von Ministerpräsident Tayyip Erdogan bei den Parlamentswahlen Ende Juli lassen für die kommenden Jahre politische Stabilität erwarten. Auch der Europakurs des Landes, an dem Erdogan und sein Außenminister Ali Babacan festhalten wollen, dürfte für gesicherte Rahmenbedingungen sorgen.

Auf dem noch langen Weg des Landes zum EU-Beitritt, über den frühestens in einem Jahrzehnt entschieden wird, kann es allerdings immer wieder Rückschläge geben. Auch innenpolitisch drohen unruhige Zeiten – siehe den aktuellen Streit um das Kopftuchverbot oder das Tauziehen zwischen Regierung und Militärs um die Verfassungsreform. Solche Kontroversen können die Istanbuler Finanzmärkte durchaus in große Nervosität versetzen, wie der Kurssturz im Frühjahr anlässlich der Wahl des Ex-Fundamentalisten Abdullah Gül zum neuen Staatspräsidenten zeigte. Dennoch bleiben Analysten zuversichtlich. Die Auswirkungen solcher politischer Turbulenzen seien „eher gering“, meint Gregor Holek, Fondsmanager für Osteuropa bei Raiffeisen Capital Management in Wien. „Die Investmentstory fußt vielmehr auf der boomenden Wirtschaft und dem attraktiven Wachstumspotenzial türkischer Unternehmen“, erklärt Holek. Wichtig sei, dass die Türkei weiterhin auf dem Reformpfad bleibe.

Die Konsequenzen der Subprime-Krise auf den türkischen Markt sieht der Wiener Fondsmanager relativ gelassen. Sie erhöht zwar die Refinanzierungskosten türkischer Kreditinstitute am Interbankmarkt. Die Auswirkungen seien allerdings überschaubar, da sie nur langfristige Hypothekendarlehen betreffen - „und die spielen wegen des hohen Zinsniveaus in der Türkei nur eine untergeordnete Rolle“, weiß Holek.

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