Investments in Edelmetalle versprechen gute Renditen
Gold bietet glänzende Aussichten

Rohstoffinvestments sind endgültig in den Fokus der Anleger zurückgekehrt. So kletterte Gold in den vergangenen Jahren von einem Hoch zum anderen, und Anleger von Goldfonds hatten allen Grund zum Jubeln.

Der erfolgreichste Fonds legte allein im Jahr 2001 um 38,3 Prozent zu. Im Jahr 2002 waren es 97 Prozent und im vergangenen Jahr satte 53,5 Prozent. Für den FTSE Gold-Mines-Index liegen die Vergleichszahlen bei 21,2 Prozent (2001), 54,2 Prozent (2002) und 42,8 Prozent (2003).

Der temporäre Rücksetzer beim Goldpreis - vom 1. Januar bis 8. September dieses Jahres verlor der FTSE Gold-Mines-Index 16,5 Prozent - sorgte für eine Verschnaufpause und brachte einen Favoritenwechsel. Seit Monaten bestimmt der Ölpreis die Debatten in der Wirtschaftspresse: Ein stark steigender Ölverbrauch durch die gute Wirtschaftsentwicklung in Asien, Unsicherheiten durch drohende Terroranschläge und nicht zuletzt der Skandal um die umstrittenen Steuerschulden des russischen Yukos-Konzerns ließen den Preis für das "schwarze Gold" in den vergangenen Wochen beinahe täglich auf neue Höhen steigen - Anleger können davon profitieren.

Gute Performance zu erwarten

Wird sich der Preisanstieg in diesem Maße fortsetzen? Bieten die Rohstoffmärkte in den kommenden Monaten lukrative Anlagemöglichkeiten für Anleger? In der Tat könnte der Ölpreis in den kommenden Monaten auf Grund der genannten äußeren Faktoren stabil bleiben. Mit einem signifikanten weiteren Anstieg sollten die Anleger allerdings nicht rechnen. Denn der Preis für ein Barrel Rohöl notiert bereits jetzt mit einem Risikozuschlag von rund zehn Dollar. Interessanter erscheinen Investments in Edelmetalle, allen voran Gold und Platin - trotz der bereits guten Wertentwicklung. Für eine anhaltend gute Performance dieser Rohstoffklasse spricht vor allem die weiterhin freundliche Situation in Asien, speziell in China. Die jährlichen Wachstumsraten im Reich der Mitte belaufen sich trotz der leichten wirtschaftlichen Abkühlung der vergangenen Monate immer noch auf etwa sieben Prozent. Diese erfreuliche Entwicklung führt dort bei vielen Menschen zu steigendem Einkommen und einem höheren Lebensstandard. Dies beeinflusst auch die Preise von Edelmetallen - vor allem der Edelmetalle, die für tägliche Gebrauchsgüter und für die Schmuckindustrie zum Einsatz kommen.

Zwar verfügt China selbst über einen gewissen Rohstoffreichtum, das Land kann aber die Nachfrage auf vielen Gebieten längst nicht mehr mit eigenen Vorkommen decken. Ein immer größerer Teil der benötigten Rohstoffe muss deshalb aus dem Ausland zu Weltmarktpreisen importiert werden. Dies dürfte die Preise weiter in die Höhe treiben. Schließlich ist allein die chinesische Nachfrage in einigen Bereichen bereits jetzt so hoch, dass die weltweite Industrie mit der Produktion kaum nachkommt.

Die Industrie leidet nämlich noch immer unter den Nachwehen der 90er Jahre, als sinkende Produktionskosten zu einem Verfall der Rohstoffpreise führten, dem nur eine geringe Nachfrage gegenüberstand. In der Folge wurde die Suche nach neuen Abbaugebieten immer mehr eingeschränkt, und das Angebot verknappte sich. Dieses knappe Angebot trifft nun auf eine starke Nachfrage - mit dem Problem, dass sich das Angebot nicht innerhalb kurzer Zeit ausweiten lässt. Denn es ist nicht möglich, Fördermengen kurzfristig zu erhöhen. In den meisten Fällen dauert es Jahre, geeignete Vorkommen überhaupt erst ausfindig zu machen. Bevor die Förderung beginnen kann, dauert es oft noch einmal genauso lange.

Rohstofffonds bereichern das Depot

Besonders attraktiv erscheint derzeit Platin: Das nur schwer zu gewinnende Edelmetall spielt eine Rolle in der Schmuckindustrie, findet aber noch eine weitaus größere Verwendung in Katalysatoren. Zwar befindet sich der Preis für das Edelmetall auf einem 25-Jahres-Hoch, die stetig steigende Nachfrage im Automobilbau sollte aber zu weiter anziehenden Kursen führen. Auch Gold sollte für weitere Höhenflüge gut sein. Vor allem der seit einiger Zeit beobachtete Anstieg bei Firmenzusammenschlüssen und -übernahmen in der Branche sorgt für Phantasie, weil die Unternehmen ihre auf diese Weise eingesparte Liquidität in laufende Projekte investieren und damit deren Rentabilität verbessern können. Lukrativ erscheinen amerikanische und australische Minen. Die Profitabilität südafrikanischer Minen leidet hingegen unter der starken Aufwertung des Rand in den vergangenen Jahren. Diese überdurchschnittliche Wertentwicklung der südafrikanischen Währung gegenüber dem US-Dollar hat dazu geführt, dass trotz des hohen Goldpreises nur etwa die Hälfte der südafrikanischen Minen profitabel arbeitet.

Da China noch viel aufzuholen hat, bis es sich auch nur annähernd dem westlichen Lebensstandard annähert, dürften die Rohstoffpreise zumindest auf lange Sicht weiter zulegen. Aus diesem Grund sollten Rohstoff- und Edelmetallfonds mit einem Anteil von zehn bis 15 Prozent in jedem gut diversifizierten Anlegerdepot vertreten sein. Ein Einzelinvestment sollten Anleger jedoch aus Risikogründen meiden. Dass die Rohstoffmärkte nach ihren eigenen Regeln funktionieren, musste kürzlich nämlich sogar der wohl berühmteste Anleger der Welt, Warren Buffett, erfahren. Der Multi-Milliardär kaufte vor einigen Jahren eine hohe Silber-Position und erlitt mit dieser einen der größten Verluste seiner langen Investment-Geschichte - nach dem starken Preisrutsch hat sich der Silberpreis inzwischen allerdings wieder deutlich erholt.

Graham Birch ist Fondsmanager bei Merrill Lynch Investment Managers.

Quelle: Handelsblatt Nr. 236 vom 03.12.04 Seite b04

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