Investoren fordern Reformen an den Kapitalmärkten – Anziehende Emissionstätigkeit macht ein wenig Mut
Skepsis an der russischen Börse wächst

Am russischen Aktienmarkt nimmt die Zahl der Optimisten deutlich ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Londoner Instituts Ansdell Consulting unter internationalen Investoren.

MOSKAU. Demnach sehen nur nur noch 55 Prozent der ausländischen Anleger ein Russland-Engagement positiv, im Mai waren es noch 72 Prozent. Gründe dafür sind der Reformstau im Riesenreich, der Skandal um den wegen Milliarden- Steuernachforderungen angeschlagenen Ölkonzern Yukos und der mangelnde Anlegerschutz. Zugleich erwarten die Befragten aber einen weiteren Anstieg des russischen Leitindex RTS um 27 Prozent binnen Jahresfrist.

Belastet werden könnte diese Prognose einmal mehr durch die Politik. Die Duma – das russische Parlament – will ein Gesetz durchwinken, nach dem Minderheitsaktionäre ihre Anteilsscheine künftig an den Mehrheitsaktionär verkaufen müssen, wenn dieser 90 Prozent des Kapitals hält. Der Preis soll von einem vom Käufer einzusetzenden Schätzer ermittelt werden. „Das ist der schlimmste Angriff auf Aktionärsrechte seit dem Amtsantritt von Präsident Putin“, schimpft Bill Browder, Chef von Hermitage Capital in Moskau.

Dabei hatte Putin Verbesserungen für Börsen, Finanzmarktaufsicht und Kapitalmärkte versprochen. Passiert ist seither aber nur Nachteiliges, wie das juristisch fragwürdige Vorgehen gegen den Yukos-Konzern. Durch den darauf folgenden Kurssturz haben westliche Minderheitsaktionäre soviel Geld verloren, dass schwedische Fonds gar mit Klagen gegen die russische Regierung drohen.

„Russlands Behörden, Börsen, Händler und gelistete Unternehmen sollten Rücksicht auf die Sorgen von Investoren nehmen, wenn der russische Markt wachsen und aufblühen soll“, fordert Bill Stokoe, Partner bei Ansdell. Nur dann könne verlorenes Vertrauen nach Russland zurückkehren. Die Commerzbank pflichtet dem bei: „Die Notwendigkeit klarer Reformen wird unterstrichen durch die Rekord-Kapitalflucht aus Russland.“ Die von Putin verfolgte weitere Zentralisierung der politischen Macht bedeute Verunsicherung und schwäche das Investitionsklima.

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