Investoren-Umfrage
Großanleger scheuen das Risiko

Die Wahlmöglichkeiten für Anleger sind klein: Entweder sie setzen auf Bonitätsrisiko oder auf Mini-Zins. Nach einer neuen Umfrage kaufen Großinvestoren vor allem deutsche Staatspapiere, denn sie suchen nach Sicherheit.

FrankfurtDie deutschen Großanleger holen Teile ihres Anleihekapitals zurück ins Heimatland. Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Feri Institutional Advisors kaufen sie vor allem deutsche Staatspapiere, weil sie als sichere Anlage gelten. „Es gibt eine klare Flucht in die Qualität“, sagt Feri-Analyst Andre Härtel. Die Ergebnisse der Umfrage liegen dem Handelsblatt vor. Die Analysten befragten im Zeitraum von Juni bis August 152 institutionelle deutsche Investoren mit einem Anlagevermögen von rund 760 Milliarden Euro. Einbezogen waren beispielsweise Versicherungen, Banken, Unternehmen, Altersvorsorgeeinrichtungen. Den Gesamtmarkt für institutionelle deutsche Investoren beziffert der deutsche Fondsverband BVI auf ein Volumen von 1,1 Billionen Euro.

Reagiert haben die Anleger vor allem auf die eskalierende Schuldenkrise in der Euro-Zone. Rund 60 Prozent der Befragten veränderten ihre Bestände an Bonds aus den EU-Krisenländern Griechenland, Portugal, Spanien und Irland. Über die Hälfte dieser Investoren stockte im Gegenzug ihren Anteil an deutschen Staatsanleihen auf, mehr als ein Drittel ging nach Frankreich, mehr als ein Viertel kaufte in den skandinavischen Ländern zu. Hier erscheinen den Investoren die fundamentalen Finanzdaten erträglicher.

Viele Anleger denken aber auch schon weiter. Zwangsläufig taucht die Frage nach Ersatzmöglichkeiten auf. Die Investoren wollen von den Emittenten, in deren Papiere sie investieren, mehr als ein AAA-Rating, sie suchen nach einer akzeptablen Verschuldung und hoher Bonität, sprich Rückzahlungsfähigkeit für das Anleihekapital. Dann richtet sich der Blick beispielsweise auch auf Unternehmensanleihen. „Wenn Investoren ihre Staatsanleihequoten gesenkt haben, ist das Kapital teilweise dorthin geflossen“, sagt Härtel. Diese Anleger erkennen in Unternehmen höhere Bonitäten und Rückzahlungs-Wahrscheinlichkeiten als bei manchen Staaten. „Unser Bestand liegt bei etwa einem Viertel der Gelder“, sagt Holger Benke, Geschäftsführer der Gemeinnützige Hertie-Stiftung.

Jeder Dritte sieht auch die Staatstitel der Emerging Markets, der Schwellenländer, als Ersatz für Euro-Staatspapiere. Beim reinen Blick auf die Verschuldung scheint das durchaus gerechtfertigt. Laut Feri erreichen in den Euro-Zonen-Ländern die Staatsschulden an der Wirtschaftsleistung einen Anteil von 88 Prozent, bei den aufstrebenden asiatischen Ländern sind es nur 32 Prozent. „Wir haben bisher keine Bestände, denken aber darüber nach“, sagt Benke.

Seite 1:

Großanleger scheuen das Risiko

Seite 2:

Die Jagd nach Rendite wird immer schwieriger

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%