Investoren wollen, dass Unternehmen andere Einsparmöglichkeiten suchen
Anleger lehnen Entlassungen ab

Stellenstreichungen bei der Deutscher Bank und der Telekom als Mittel der Gewinnmaximierung beflügeln die Kurse nicht – schaden ihnen aber auch kaum. Und das, obwohl eine große Mehrheit der deutschen Anleger von sich behauptet, Aktien von Firmen, die massenhaft Mitarbeiter entlassen, nicht kaufen zu wollen.

DÜSSELDORF. Kurse lügen nicht. Gemessen an der alten Börsenweisheit lassen große Ankündigungen der Unternehmen die Börsen kalt. Nur ein knappes Viertel der 1 000 repräsentativ befragten Anleger würde Wertpapiere solcher Unternehmen kaufen. Hingegen ist eine große Mehrheit von 77 Prozent der Ansicht, dass Unternehmen andere Formen der Einsparung suchen sollten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das ist das Ergebnis der monatlichen Anlegerumfrage des Handelsblatts und der Bank Trinkaus & Burkhardt. Sie wird erhoben vom Meinungsforschungsinstitut AMR.

Deutsche Bank und Deutsche Telekom sorgten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für Aufsehen, als sie vor acht Wochen ankündigten, Stellen zu streichen, um so Gewinne und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. So will die Telekom bei ihrer 100-prozentigen Tochter T-Mobile in den nächsten zwei Jahren bis zu 2 200 Stellen abbauen. Der ehemalige Staatsmonopolist vermeldete für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Reingewinn von 4,6 Mrd. Euro. Bei der Deutschen Bank, die zuletzt 2,5 Mrd. Euro erlöste, sollen 4 000 bis 6 000 Jobs im Investment-Banking wegfallen. Auch bei Volkswagen rechnen Arbeitnehmervertreter damit, dass in den nächsten Jahren allein in der Zentrale Wolfsburg 3 000 bis 4 000 Stellen gestrichen werden.

Die Kursreaktion fiel unterschiedlich aus. Während sich die T-Aktie seit der Ankündigung um gut fünf Prozentpunkte schlechter als der Deutsche Aktienindex (Dax) entwickelt, notieren Deutsche-Bank-Titel gegenüber dem Börsenindex fast unverändert (siehe „Kein Kursvorteil“). Allein die Ankündigung eines massiven Stellenabbaus, um so künftige Gewinne zu maximieren, beflügelt die Spekulation auf steigende Erlöse und damit die Kurse also nicht.

Allerdings entwickeln sich die Anteilsscheine auch keineswegs so, wie es die Voten der Anleger vermuten lassen. Daran gemessen müssten sich die Kurse deutlich schlechter entwickeln. „Der Effekt ist bekannt. Die Befragten bewegen sich im Kanon sozialer Erwünschtheit“, sagt Ansgar Metz vom Marktforschungsinstitut Psychonomics. Gemeint ist, dass Menschen zwar häufig zwei verschiedene Welten sehen, dabei aber die eine nicht mit der anderen in Kontakt bringen.

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