Investorinteresse
Börse Mexiko zeigt Stärke

Die mexikanische Börse hat die politischen Turbulenzen wegen der umstrittenen Präsidentenwahl ohne Schaden überstanden. Die guten Wirtschaftsdaten des Landes und die Aussicht auf weitere Strukturreformen ziehen Anleger an.

MEXIKO-STADT. Seit Monaten protestiert die linke Opposition gegen den knappen Wahlsieg des wirtschaftsliberalen Felipe Calderón. Währenddessen ist der Leitindex der Börse auf dem Weg zu neuen Rekorden. Der IPC-Aktienindex der Bolsa de Valores (BMV) hat allein seit Mitte August wieder sechs Prozent zugelegt ist nur noch wenige Punkte von seinem Allzeithoch entfernt. Seit Jahresbeginn liegt der Gewinn damit bei rund 15 Prozent.

„Die Finanzmärkte haben sich längst von der Politik unabhängig gemacht“, sagt Rodolfo Navarrete, Chefanalyst vom Investmenthaus Vector. Vor allem die hervorragenden makroökonomischen Fundamentaldaten mit geringer Inflation, niedrigem Haushaltsdefizit und hohen Devisenreserven schützten die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas, ergänzt Alejandro Garza von NSC Asesores. Dies war in der Vergangenheit anders. Wiederholt ging mit einer Präsidentschaftswahl und der damit in Mexiko verbundenen typischen politischen Unsicherheit eine Finanz- und Wirtschaftskrise einher.

Ein weiterer Faktor sichert die mexikanische Börse vor Reaktionen auf politische Schwierigkeiten. Der Löwenanteil des Börsenkapitals in Mexiko stammt mittlerweile aus dem Ausland. „Diese Investoren sehen nicht so sehr auf die kurzfristigen Entwicklungen“, betont Garza. Sie schauen vielmehr darauf, ob mittel- oder langfristig die Investitionsbedingungen besser oder schlechter werden. Und da mit dem neuen Parlament und dem künftigen Staatschef Felipe Calderón, der sein Amt am 1. Dezember antritt, die Chancen für die Verabschiedung der Strukturreformen gestiegen sind, sehen die Anleger keinen Grund, Mexiko zu verlassen. Sie hoffen darauf, dass im kommenden Jahr die Öffnung des Energie- und Strommarktes für mehr private Investitionen sowie die Reform des Arbeits- und Steuerrechts beschlossen werden. „Für die Börse kommen gute Jahre“, betont NSC-Analyst Garza. Dabei war der IPC-Index in den vergangenen Jahren schon förmlich explodiert. In den Jahren 2003, 2004 und 2005 lagen die jährlichen Zuwachsraten bei über 40 Prozent.

Aber auch kurz- und mittelfristig stehen die Zeichen auf Wachstum an der Börse. Die Invex-Finanzgruppe rechnet schon in Kürze mit einer weiteren Rekordmarke des IPC. „Die Konjunkturabkühlung in den USA wird sehr langsam geschehen und daher auch nur eine geringe und verzögerte Auswirkung auf Mexiko haben“, schreiben die Invex-Experten. Etwas vorsichtiger ist Vector-Analyst Navarrete. Er sieht in dem Nachlassen der US-Ökonomie einen größeren Minusfaktor für Mexiko und hält daher eine Seitwärtsbewegung für wahrscheinlich. „Wir sehen den IPC-Index zum Jahresende daher nur bei rund 22 600 Punkten.“ Mexiko ist im Rahmen der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA aufs Engste wirtschaftlich mit den USA verbunden. 20 Prozent des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts hängen an den Ausfuhren in den Partnerstaat. Die enge Verzahnung der Volkswirtschaften führt dazu, dass jeder Prozentpunkt, den die US-Ökonomie wächst oder schrumpft, einen Anstieg oder einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes in Mexiko um 1,1 Prozentpunkte zur Folge hat.

Zum Kauf empfehlen die Experten die Blue Chips der Telekommunikations-, Bau- und Einzelhandelsbranche. Der Marktführer für mobiles Telefonieren in Lateinamerika, América Móvil (Amx), wachse nach wie vor spektakulär auf dem Heimatmarkt und in Lateinamerika. Zudem habe sich Amx erfolgreich gegen die spanische Konkurrenz Telefonica behauptet, betont Rodolfo Navarrete. Weiter auf den Kaufzettel gehörten Cemex, der weltweit drittgrößte Zementhersteller, und Walmex, die mexikanischen Filiale des weltgrößten Einzelhändlers Walmart. Aus der Medienbranche empfiehlt Alejandro Garza Televisa. Der größte Anbieter von Fernsehunterhaltung in Lateinamerika habe zu wenig an den Aufschwüngen der Vergangenheit teilgenommen und habe daher noch viel Luft nach oben.

Aber nicht nur der Börse, auch dem Peso stehen nach Expertenmeinung gute Zeiten bevor. Verantwortlich dafür seien vor allem die anhaltend hohen Devisenzuflüsse in das nordamerikanische Land. 2006 werden dreistellige Milliardenbeträge nach Mexiko fließen. Allein der Verkauf von Rohöl wird knapp 30 Mrd. Dollar in die Staatskasse spülen. „Daher wird der Peso strukturell stark bleiben“, betont Vector-Analyst Navarrete. Die Währung werde sogar etwas gegenüber dem Dollar aufwerten und zum Jahresende bei 10,60 bis 10,90 Pesos je Dollar stehen.

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