IPO-Boom
Mailänder Börsenneulinge erfreuen die Anleger

2006 wird für die Borsa Italiana voraussichtlich als das Jahr mit den meisten Börsengängen seit dem Boom im Jahr 2000 in die Geschichte eingehen Seit Januar haben bereits 17 Unternehmen den Schritt an die Börse gewagt. Weitere drei werden noch vor Jahresende hinzukommen und für 2007 stehen bereits die ersten Kandidaten fest. Der Boom bricht auch die Zurückhaltung der Investoren.

MAILAND. „Der durchschnittliche Kursgewinn bei den Börsengängen liegt über dem des Indexes“, stellt Paola Toschi, Marktstrategin der Banca Imi, fest. Sie hat ausgerechnet, dass der Zuwachs im Durchschnitt bei 13 Prozent gelegen hätte, wenn ein Anleger in jeden IPO investiert hätte. Das ist fast doppelt soviel, als wenn er zum jeweiligen Datum in den Index investiert hätte. „Insgesamt war es ein sehr gutes Jahr für Börsengänge – wenn auch mit Höhen und Tiefen“, meint auch Marco Opipari, Marktstratege der Rasbank in Mailand.

Der negative Ausreißer war das Ölunternehmen Saras, das im Mai zu einem Preis von sechs Euro an den Markt kam und gleich nach der Platzierung deutlich an Wert verlor. Heute ist die Aktie gerade einmal 4,30 Euro wert. Der Preis sei zu hoch gewesen und der IPO mitten in eine Phase geraten, in der der Ölpreis und die Ölaktien von ihrem Hoch abrutschten, erklärt Opipari. „Das hat auch den IPOs allgemein einen Dämpfer verliehen“, sagt er.

Doch wenige Wochen später hat sich die Lage wieder gefestigt. Die Leasinggesellschaft Banca Italease, die Mitte Juni ihre Aktien platzierte, ist heute mehr als dreimal so viel wert. Auch Piaggio, der Hersteller des Zweirad-Klassikers Vespa, hat seit seinem Börsengang im Juli 37 Prozent zugelegt, und die Luxus-Sofa-Gruppe Poltrona Frau hat seit ihrem Debüt Mitte November fast 50 Prozent gewonnen. Bis auf wenige Ausnahmen wie Saras und den Keramikhersteller Marazzi Group haben die Neulinge den Anlegern gutes Geld einbracht. Analystin Toschi weist darauf hin, dass bei Banca Generali und Poltrona Frau acht bis zehn Mal so viele Aktien nachgefragt wurden, wie im Angebot waren.

Auch institutionelle Investoren haben in Italien nach langen Jahren der Zurückhaltung bei den Börsengängen wieder zugegriffen. Für dieses Jahr stehen mit dem Erdgasunternehmen Gas Plus, dem Alarmanlagenhersteller Cobra Automotive Technologies und dem Gashändler Ascopiave noch drei weitere Platzierungen an. Gas Plus hat heute seinen ersten Handelstag, Ascopiave und Cobra stehen am 12. Dezember auf dem Mailänder Programm. Beobachter wie die Analysten von Cheuvreux bleiben für die Energiewerte optimistisch und geben Gas Plus gute Chancen.

Als Grund für die positive IPO-Bilanz sehen die Beobachter das gute Marktumfeld. So wird der italienische Leitindex Mibtel das Jahr voraussichtlich mit einem Plus von rund 20 Prozent abschließen. Aber „die Performance war auch wegen der Art der Unternehmen, die sich gelistet haben, so positiv: Viele Unternehmen mit einer mittelgroßen Kapitalisierung und viele im Star-Segment, also mit besonders hohen Anforderungen“, sagt Strategin Toschi. Das Star-Segment der Borsa Italiana ist auf Wachstumswerte spezialisiert. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen, die in einzelnen Nischen Marktführer sind, sind laut Toschi die Stärke Italiens.

Für das kommende Jahr könnten gleich drei größere Namen anstehen: das Telekomunternehmen Wind, der Asset-Manager Eurizon und der Satelliten-Sender Sky Italia. Auch der Modedesigner Salvatore Ferragamo will an den Markt. „Die Börsengänge werden stark vom allgemeinen Marktumfeld abhängen“, sagt Opipari und weist darauf hin, dass gerade der Mobilfunkanbieter Wind, der der Orascom-Gruppe des ägyptischen Investoren Naguib Sawiris gehört, schon mehrfach seinen IPO abgesagt hat. „Ich rechne eher mit vielen kleinen und mittleren Börsengängen“, sagt Opipari. Dabei könnten auch Privat-Equity-Investoren als Verkäufer eine wichtige Rolle spielen. Sie haben in den vergangenen Jahren viel in Italiens kleinere Unternehmen investiert.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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