Islamic Banking
Lukrative Nische

Bankgeschäfte nach den Regeln des Islam verzeichnen zwar hohe Wachstumsraten, allerdings warnt die Managementberatung Arthur D. Little in einer neuen Studie vor zu hohen Erwartungen westlicher Finanzdienstleister: Islamic Banking sei ein attraktiver Nischenmarkt; strukturelle Besonderheiten des Islam setzten den Wachstumspotentialen aber Grenzen.

FRANKFURT. „Wir sehen Islamic Banking nicht als den riesigen Zukunftsmarkt, sondern als Nische, die bisher noch wenig ausgeschöpft ist“, sagt Christian Mangold, Senior Manager der Financial Services Group des Beratungskonzerns. Zwar sprechen die demografische Entwicklung, der Zufluss von Ölmilliarden und die wachsende Bedeutung des islamischen Rechts, der Scharia, für eine hohe Wachstumsdynamik. Professor Mahmood Faruqui vom Institute of Islamic Banking & Insurance in London verweist beispielsweise darauf, dass der Anteil des in den islamischen Ländern gehaltenen weltweiten Finanzvermögens in den vergangenen Jahren von neun auf 13 Prozent gestiegen ist.

Allerdings zeigt sich bei einer tieferen Analyse, dass die Wachstumspotenziale von strukturellen Besonderheiten begrenzt werden. Zwar gibt es weltweit 1,4 Milliarden Muslime, Experten sehen davon aber nur rund 460 Millionen als Zielgruppe mit stetigen Einkommen, die für Bankgeschäfte in Frage kommen. Außerdem weisen einzelne Marktsegmente zwar hohe Wachstumsraten auf, jedoch hinken sie noch weit hinter den etablierten Finanzmärkten hinterher. So entsprach das Emissionsvolumen schariakonformer Anleihen, die das Zinsverbot des Korans berücksichtigen (siehe Kasten unten), im vergangenen Jahr gerade einmal 0,11 Prozent des US-Bondmarktes.

Trotz dieser Einschränkungen entwickelt sich Islamic Banking besonders in der Golfregion zu einem auch für westliche Banken attraktiven Nischenmarkt. „Wenn man die Chancen realistisch einschätzt, bieten sich solide Geschäftsmöglichkeiten. Viele Banken haben aber noch keine überzeugende Strategie gefunden; sie scheitern an kulturellen Hürden“, sagt ein Bankmanager.

„Wenn westliche Banken den Markt erschließen wollen, geht das nur über einen lokalen Partner. Denken Sie nur an die regulatorischen Hürden, die sind mit einem 'Partnering' leichter zu überwinden“, sagt Fachmann Mangold, der die islamische Bank Kuwait Finance House beraten hat. Viele westliche Banken fragten bereits an und wollten sich bei Instituten, die auf Islamic Banking spezialisiert seien, einkaufen. Dabei würden Sie in der Regel an den Erwerb von Kontrollmehrheiten denken. Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass auch unter den islamischen Banken die Konsolidierung an Fahrt aufnehmen wird, weil der Wettbewerbsdruck steigt. Die lokalen „Islamic Banks“ brauchen große Partner, weil sie von den inländischen „Commercial Banks“ unter Margendruck gesetzt werden. So expandiert beispielsweise die National Commercial Bank von ihrem Heimatmarkt Saudi-Arabien aus verstärkt in schariakonforme Finanzgeschäfte. Außerdem fehlt vielen Instituten im Islamic Banking das notwendige Kapital und die Managementkapazität, um Technologiesprünge etwa im Internet-Banking zu bewältigen, was den Fusionsdruck erhöht.

Deshalb sehen Experten derzeit gute Einstiegschancen, wobei als Interessenten die UBS, Credit Suisse, Deutsche Bank und die Commerzbank gehandelt werden. Dabei könnte eine Partnerschaft auch Rückkoppelungen auf den hiesigen Markt haben. „Die Banken feilen derzeit auch an neuen Konzepten für den deutschen Markt. Islamic Banking könnte mehr sein, als nur Vertragsformulare in türkischer Sprache anzubieten“, meint Mangold. Aber auch hier sei es am besten, wenn der Markt in Kooperation mit Islamic-Banking-Instituten angegangen werde. Denn laut Mangold gibt es viele Besonderheiten, etwa einen Scharia-Board mit Rechtsgelehrten, die das Management beraten und die in der muslimischen Bevölkerung anerkannt sein müssen.

Beispiel Versicherungsmarkt

Grundsätze

„Islamic Banking“ wird von drei Grundsätzen geleitet: dem Zinsverbot („riba“), dem Verbot, Risiken auszunutzen („gharar“) und dem Verbot von Investments in Verbindung mit Alkohol, Waffen und Glücksspiel („haram“).

Potenzial

Der Versicherungsmarkt in den islamischen Ländern gilt nach westlichen Maßstäben als unterentwickelt. Nach Branchenangaben liegt die Marktdurchdringung beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten nur bei 1,3 Prozent, in Saudi-Arabien sind es 0,5 Prozent.

Münchener Rück

Nicht nur Erstversicherer versuchen in den Märkten Fuß zu fassen, auch die Rückversicherer wittern Geschäfte.So versichert die Münchener Rück jetzt auch nach islamischem Recht. Dieser Markt wachse rasant, erklärte der Versicherungskonzern in dieser Woche. In Kuala Lumpur eröffnete er eine Niederlassung, die ausschließlich Rückversicherungen anbietet. Dabei werden die Beiträge als eine Art Spende eingezahlt und nach islamischen Geboten zinslos angelegt.

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