Jahrebericht
BIZ warnt vor Preisblasen

Die weltweit nach wie vor niedrigen Zinsen verstärken den Aufbau nationaler und globaler Ungleichgewichte und stellen eine Gefahr für die Stabilität des internationalen Finanzsystems dar. Das ist die Botschaft des Jahresberichts der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Ein Alarmzeichen sei der weltweite Boom bei Wohnimmobilien.

mak BASEL. Angesichts der zunehmenden Anfälligkeit des weltweiten Finanzsystems für Turbulenzen aller Art reiche es nicht mehr aus, wenn sich Zentralbanken darauf konzentrierten, den Anstieg der Verbraucherpreise zu begrenzen. Die Zinspolitik müsse „Übersteigerungen im Finanzsektor generell“ rechtzeitig entgegenwirken, fordert die BIZ. „Es ist an der Zeit, die geldpolitischen Anreize maßvoll zurückzuführen“, sagte Malcolm Knight, Generaldirektor der BIZ, gestern in Basel.

Die BIZ steht damit in Gegensatz zu US-Notenbankchef Alan Greenspan, der dafür ist, den Finanzmärkten freien Lauf zu lassen und nur die Folgen von Krisen abzumildern. Außerdem stärkt sie den Anhängern einer harten Geldpolitik den Rücken. In letzter Zeit hat sich der politische Druck auf die EZB erhöht, die Zinsen zu senken, um die Konjunktur anzukurbeln. Auch unter Volkswirten ist umstritten, welchen Einfluss die Notenbanken auf die Entstehung von Preisblasen an den Kapitalmärkten haben.

Die Baseler Währungshüter bestreiten nicht, dass es in der Vergangenheit von Vorteil war, die Zinsen kräftig zurückzunehmen, wenn Wachstum und Beschäftigung zu sinken drohten. Die Zinssätze seien bei Verbesserung der Lage aber nicht wieder entsprechend angehoben worden. Das Ergebnis: In den Industrieländern seien die Kredit- und Geldmengenaggregate seit Anfang der neunziger Jahre rascher gestiegen als die Nominaleinkommen. Die realen Leitzinssätze lägen heute trotz des weltweiten Rekordwachstums im vergangenen Jahr und sich abzeichnender Kapazitätsengpässe um null. In Japan habe die Geldpolitik der quantitativen Lockerung die Bilanzsumme der Notenbank auf den nie da gewesenen Höchstwert von 28 Prozent des Bruttoinlandsproduktes klettern lassen.

Das Argument, die niedrigen Zinsen seien als „Versicherung“ gegen eine befürchtete Deflation notwendig gewesen, lässt die BIZ nur bedingt gelten. In ihren Augen berücksichtigt es nicht ausreichend, dass die Liberalisierung und Globalisierung der Realwirtschaft das Angebotspotenzial enorm vergrößert, die relativen Preise verändert und die Inflation tendenziell verringert haben. Wenn die Inflation niedrig sei, weil die Importpreise gesunken seien oder sich die Produktivität erhöht habe, bestehe kein Grund, die Zinsen niedrig zu halten. Die Zentralbanken hätten gelernt, negative Angebotsschocks wie Ölpreissteigerungen zinspolitisch zu ignorieren. Mit positiven Angebotsschocks sollten sie ebenso verfahren.

Laut BIZ begünstigen die niedrigen Zinsen die immer wiederkehrenden Phasen des „Booms und Zusammenbruchs“ bei Krediten, Preisen von Vermögenswerten und Investitionen. Derzeit baue sich ein solcher Boom weltweit bei Wohnimmobilien auf. „In den meisten Industrieländern – ebenso wie in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften, einschließlich Chinas und Koreas – ist der Markt für Wohneigentum überhitzt“, warnen die Baseler Experten. In der Vergangenheit sei das plötzliche Ende eines solchen Booms in praktisch allen Fällen von konjunkturhemmenden Umständen begleitet worden.

In den USA tragen die niedrigen Zinsen laut BIZ dazu bei, dass das Leistungsbilanzdefizit nicht abgebaut wird. Der Schlüssel dazu sei die Umkehr des seit zehn Jahren andauernden Rückgangs der Ersparnisse der privaten Haushalte. Diese lasse sich nur über höhere Zinsen herbeiführen. Für die BIZ ist „die US-Zahlungsbilanz auf einem unhaltbaren Weg“. Sie befürchtet, „dass es irgendwann zu Problemen kommen wird, die nicht auf den Dollar beschränkt bleiben“.

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