John Maynard Keynes und die Börse
Schönheitswettbewerb auf dem Parkett

Die Börse ein Beauty Contest? Ja, wenn es nach Ökonom Keynes geht. Es gilt, auf die Gefragtesten zu setzen, nicht auf die Besten. Denn nichts ist so verheerend wie rationales Verhalten in einer irrationalen Welt. Oder?
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DüsseldorfWelche Aktien laufen in den kommenden Wochen und Monate am besten? Welche Märkte entwickeln sich am erfolgreichsten? Welche Investments machen reich? Fragen, die sich Heerscharen von Anleger wohl täglich stellen. Der bekannte britische Ökonom John Maynard Keynes sagte einst: „Das Geheimnis des erfolgreichen Börsengeschäfts liegt darin, zu erkennen, was der Durchschnittsbürger glaubt, dass der Durchschnittsbürger tut.“ Experten können dem Spruch auch heute noch einiges abgewinnen, denn ihm zugrunde liegt eine Idee,  die als „Keynes Beauty Contest“ berühmt geworden ist.

Den „Beauty Contest“ hatte Keynes erstmals im Jahr 1936 in seinem Buch „The General Theory of Employment, Interest and Money“ beschrieben. Heute ist er Standard, um der Theorien des sogenannten interaktiven Denkens zu erklären, und zwar nicht nur an den Finanzmärkten. Experten sprechen von „Steplever-Thinking“.

Gewinnspiele in englischen Zeitungen hatten Keynes in den 1920er-Jahren auf das Phänomen aufmerksam gemacht: Damals waren Gewinnspiele in Mode, bei denen die Teilnehmer aus einer Reihe von Bildern die schönste Frau auswählen mussten. Einen Preis bekam aber nur, wer die Mehrheitskandidatin gewählt hatte. Wer das Spiel gewinnen wollte, musste also antizipieren, welche Frau die anderen Mitspieler als Schönste wählen würden.

Auch heute gibt es noch solche Spiele. „Es geht beispielsweise bei der Wahl des Tors des Monats nicht darum, das für einen selbst beste Tor zu prämieren“, sagt Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim. „Sondern man muss zur Maximierung seiner Gewinnchance das Tor angeben, das die Mehrheit der Teilnehmer als bestes Tor wählen wird.“

Keynes war überzeugt, dass seine Theorie auch an der Börse gilt und ergänzte seine Aussage vom Durchschnittsbürger noch: „Es gibt nichts, was so verheerend ist wie ein rationales Anlageverhalten in einer irrationalen Welt.“ Übersetzt heißt das so viel wie: Es bringt nichts, sich komplett gegen den Markt zu stellen. Im Gegenteil, wer sich immer gegen die allgemeine Marktmeinung positioniert, kann nicht gewinnen.

Kommentare zu " John Maynard Keynes und die Börse: Schönheitswettbewerb auf dem Parkett"

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  • Herrjeh!
    Keynes ist so etwas von out, vorbei und vielfach widerlegt, daß schon eine dramatische Flaute im Nachrichten- und Meinungsgewerbe herrschen muß, um diesen Trottel aus der Grube zu heben - und sei es nur symbolisch.

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