Jürgen Meyer im Interview
„Mein ganzes Geld steckt in Aktien“

Wer nur den Trends hinterherläuft, wird Geld verlieren, sagt Jürgen Meyer von SEB Asset Management. Deshalb kauft er Aktien - und warnt vor Immobilien und Gold. Im Interview erklärt er, warum und welche Aktien er kauft.
  • 48

Herr Meyer, in den vergangenen zehn Jahren haben Anleger zweimal mitansehen müssen, wie sich der Wert ihrer Aktien in Luft auslöste. Warum sollten die Leute jetzt wieder Aktien kaufen?

In Luft aufgelöst hat sich sicherlich nichts. Es gab zwei heftige Einbrüche. Und danach hatten sich die Kurse ähnlich schnell erholt, wie sie zuvor gefallen waren. Aber wenn ich höre, dass man mit Aktien in dieser Zeit kein Geld verdienen konnte, dann ärgert mich das. Es stimmt einfach nicht. Wenn Sie beispielsweise im Jahr 2003 eingestiegen sind, dann war sogar sehr viel drin. Wer die Volatilität von Aktien nicht ertragen kann, sollte keine besitzen.

Die meisten Kleinanleger sind um die Jahrtausendwende eingestiegen, als der Dotcom-Hype seinen Höhepunkt erreichte.

Im Jahr 2000 wurden in vielen Fällen selbst für erstklassige Unternehmen Nonsenspreise bezahlt – dazu kamen auch noch einige Nonsensunternehmen. Wenn eine Aktie mit dem 50-fachen eines Jahresgewinns bewertet war, dann war das damals nichts Ungewöhnliches. Da ist wohl mit vielen Käufern die Gier durchgegangen. Generell gilt: Wer nur Trends hinterherläuft, sollte am besten gar nicht investieren. Im Jahr 2000 wurden übrigens genauso viele Aktien verkauft wie gekauft. Die Verkäufer waren cleverer.

Und heute?

Heute passen Dinge wie Gold oder Wohnimmobilien vermutlich besser ins Raster von Trendfolgern. Auch hier vermute ich derzeit die clevereren Leute auf Seiten der Verkäufer. Bei Aktien erstklassiger Unternehmen liegen selbst die Dividendenrenditen höher als die Mietrenditen vieler Wohnimmobilien. Von den Gewinnen ganz zu schweigen.

Was spricht für steigende Aktienmärkte?

Die Mischung aus hohen Gewinnen, starken Bilanzen und niedrigen Kaufpreisen. Dazu gesellt sich noch Wachstum. Auch die Inflation wird zumindest nominal zu wachsenden Gewinnen und damit auch zu steigenden Kursen führen. Selbst der Chefvolkswirt des IWF erwartet, dass die Inflationsrate im Euroraum bei zwei Prozent gehalten werden kann, indem der Süden bei null und der Norden bei vier Prozent liegt. Mit risikolosen Anleihen können Sie diese nicht erwirtschaften. Eine sinnvolle Alternative sind Aktien von Unternehmen, die ihren Kunden die Preise erhöhen können, sobald diese mehr Geld in der Tasche haben.

Im Moment spricht einiges eher für Deflation als für Inflation. Die Löhne stagnieren oder sinken sogar. Die Zahl der Arbeitslosen steigt.

Es gibt beides. Entscheidend ist, von welchem Warenkorb Sie ausgehen. Die Rabatte für den Skoda können steigen und der Porsche trotzdem teurer werden – um mal nur bei den Produkten eines Konzerns zu bleiben. Im privaten Wohnungsbau sind die Preissteigerungen nach meiner Beobachtung zweistellig.

Kommentare zu " Jürgen Meyer im Interview: „Mein ganzes Geld steckt in Aktien“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schon sehr lustig hier die Kommentare. Mein ganzes Geld steckt auch überwiegend in Aktien und Gold und Silber. Wo sonst? „Früher oder später nimmt Papiergeld seinen inneren Wert an.“ Voltaire.
    Wenn ich Aktien sage, meine ich Aktien und keine Fonds, ETFs und andere „Derivate“ und schon gar nicht „ verwaltete Vermögen“. Streuung weltweit!!
    Ja, Aktienkurse können zeitweise sehr volatil verlaufen, insbesondere weil Großinvestoren, dank ihrer Monopolstellung, die Aktienkurse nach „Gutdünken“(in Verfolgung ihrer Mantras) in die eine oder andere Richtung treiben können. Der Herdentrieb erledigt dann den Rest.
    Dies lässt sich mit etwas Erfahrung einschätzen. Trotzdem gibt es Zeiten wo man günstig kaufen kann und andere wo man Gewinne mitnehmen sollte. Mündige Privatanleger sind da sehr erfolgreich.
    Keine Frage, all dies wird sehr erschwert durch zeitweise und regionale grandiose Misswirtschaft. Wir erleben das gerade mal wieder.
    P.S. Der momentane Aktienboom ist wesentlich durch den derzeitigen „Anlagenotstand“ bedingt. Das dicke Ende kommt noch. Es wird langsam Zeit schrittweise Gewinne mitzunehmen.

  • ... dieses Problem haben alleine sie - sonst niemand.

  • Golld ist also seiner Meinung nach zu nichts nütze!
    Warum will er denn die lEute davon abhalten, das macht mich erst recht skeptisch,
    Gold ist eine sichere Wertaufbewahrung, was man von Papiergeld ja nicht mehr behaupten kann.
    Aktien, kann o.k. sein, wenn man die richtigen erwischt. Keiner kann heute sagen, welcher Laden morgen noch läuft. Wieviele haben die letzten Jahre alles verloren? Schon Vergessen?
    Gold verliert niemals ganz an Wert, egal was kommt. Gold war immer Geld und wird es bleiben.
    Gerade kleinere Anleger sind gut beraten, ihr erspartes in Gold zu investieren, um vor einem Totalverlust geschützt zu sein.
    Es hat den Anschein, als bräuchten da einige wieder frisches Geld, , Nachschub ist angesagt.
    Dafür wir fleißig getrommelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%