Jürgens Weinlese
Wie man Renditen mit gereiften Weine erzielt

Wer in Wein investieren will, der kommt an der Region Bordeaux nicht vorbei. Gerade ist der Jahrgang 2014 quasi als Terminkontrakt auf dem Markt. Ob sich ein Kauf jetzt lohnt, zeigt eine exklusive Auswertung.
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DüsseldorfMindestens zehn Prozent und immer liquide. Von solch einem Investment träumen Anleger. Zumindest was den Alkoholgehalt und die Konsistenz angeht, lässt sich der Traum mit Wein verwirklichen. Doch auch die Rendite kann sich sehen lassen.

„Viele Wein-Indizes sind auf oder nahe ihren Höchstständen“, sagt Ron Freund, Vorstandschef des Unternehmens Wine-Stocks, das weltweit alle Auktionsdaten von Weinen sammelt. Seine Indizes zeigen seit 1996 eine jährliche zweistellige Rendite an – allerdings ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten.

Auch die Umsatzzahlen der weltweiten Wein-Auktionen bestätigen diesen Trend. Allein das Auktionshaus Sotheby’s in New York versteigerte im ersten Halbjahr 2015 Weine im Wert von mehr als zehn Millionen US-Dollar. Den höchsten Preis auf der letzten Auktion zahlte ein privater asiatischer Sammler. Er kaufte vier Flaschen Romanée-Conti, Jahrgang 1985, vom gleichnamigen berühmten Weingut im Burgund – für 58 188 Dollar.

Vor allem gereifte Jahrgänge aus dem Bordeaux prägten die Auktion. Bei einer Kiste Château Pétrus, Jahrgang 1975, fiel der Hammer bei mehr als 30 000 Dollar. Für eine Flasche Chateau Mouton Rothschild des Jahrgangs 1945 zahlte vor einigen Monaten ein privater Sammler in London 18.000 US-Dollar – was ungefähr 1500 Dollar pro Glas entspricht. Der Haken: Dieser Wein könnte nicht mehr trinkbar sein.

Während es bei der Bank nur noch Magerzinsen gibt, stellt sich angesichts solcher Preise die Frage: Lohnt sich ein Wein-Investment? Weinhändler sagen: Ja, denn die Chance auf Werterhalt ist hoch, und man hat nie einen
Totalverlust. Andere Experten glauben an Renditen zwischen fünf und zehn Prozent pro Jahr. Die Profis raten zu langfristigen Investments. Also lagerfähige Weine zu kaufen, die – richtig aufbewahrt – im Laufe der Zeit besser werden. Ron Freund empfiehlt fünf bis sieben Jahre.

Dabei stehen Bordeaux-Weine wegen der hohen Handelbarkeit an erster Stelle. Keine andere Region verfügt über eine derart große Vielfalt an hochqualitativen Weinen, die im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte besser und dadurch meistens teurer werden.

Derzeit ist der Bordeaux-Jahrgang 2014 auf dem Markt. „Endlich wieder ein Jahrgang, der neben vielen schönen Weinen auch wieder einige ganz große geboren hat“, jubelt Michael Grimm,
von der Bacchus-Vinothek, einem Geschäft für rare und feine Weine in Süddeutschland. „Das ist ein sehr interessanter Jahrgang“, meint auch Robin Khanna, Vorstandschef von Bordeaux Traders. Das Wiener Unternehmen
hat sich auf Wein-Investments spezialisiert.

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