Junk-Bonds
Keine Abzüge in der BB-Note

Mit Junk-Bonds lassen sich in Zeiten sinkender Kurse mit nur mäßigem Wirtschaftswachstum kräftige Renditen einfahren. Der Vorteil: die Unabhängigkeit der Ramschanleihen von den Gewinnaussichten des Unternehmens.

FrankfurtDer Name ist Programm: Junk-Bonds oder Ramschanleihen werden jene Anleihen von Firmen genannt, denen die Ratingagenturen eine mangelnde Kreditwürdigkeit attestieren. In den Skalen der Bonitätsprüfer Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch beginnt die Junk-Klasse bei Noten ab Doppel-B. Angesichts grassierender Ängste der Investoren vor einer Rezession in den USA und den einbrechenden Aktienmärkten ist es kein Wunder, dass auch Junk-Bonds deutlich an Wert verloren.

Um fünf Prozent sind die Kurse auf Euro lautender Junk-Bonds seit Ende Juli im Schnitt gefallen. Im Gegenzug schnellte die Rendite der Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren auf 9,6 Prozent nach oben - die Rendite ist damit so hoch wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Das macht sie für risikofreudige Investoren, die nicht an einen erneuten Einbruch der Wirtschaft glauben, wieder attraktiv: „In einem vom mäßigen Wachstum geprägten Umfeld mit extrem niedrigen Leitzinsen treffen Hochzinsanleihen genau ins Schwarze“, meint jedenfalls Wes Sparks von der Fondsgesellschaft Schroders.

Nachvollziehbar ist seine Einschätzung: Schließlich kommt es für Besitzer von Anleihen - egal welcher Bonitätsstufe - letztlich nur darauf an, dass die Schuldner zahlungsfähig bleiben. Dafür braucht es, anders als bei Aktien, kein großes Wirtschaftswachstum und keine Aussichten auf steigende Firmengewinne. Deshalb schlagen sich Junk-Bonds in Phasen mit leichtem Wirtschaftswachstum meist besser als Aktien.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Verschuldung in den vergangenen Jahren abgebaut haben. „Es gibt keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Kreditqualität - ganz im Gegenteil gab es zuletzt mehr Herauf- als Herabstufungen der Bonität“, betont Matthew Iannucci von UBS Global Asset Management.

Dabei sind die Spannen und die Unterschiede in der Kreditqualität im Junk-Universum immens. So zählen in Deutschland auch Dax-Konzerne wie Thyssen-Krupp, die Lufthansa und Heidelberg Cement zu den Junk-Schuldnern. Der Großteil der Junk-Firmen, deren Bonds höhere Renditen als die der Dax-Konzerne abwerfen, sind jedoch kleinere, wenig bekannte Unternehmen. Insofern sind risikofreudige Privatanleger mit Fonds für Junk-Bonds besser beraten als mit Einzelinvestments, weil die Fonds die einzelnen Unternehmen besser analysieren und zudem die Risiken breiter streuen können.

Staatliche Junk-Schuldner wenig gefragt

Nicht enthalten in den Junk-Bond-Fonds sind Anleihen aus Griechenland, Portugal und Irland. Dabei wird Griechenland von allen drei großen Ratingagenturen als fast zahlungsunfähig bewertet. Irland und Portugal verbannte Moody's in den oberen Junk-Bereich mit Doppel-B-Ratings. Investoren sehen das Ausfallrisiko für Irland und Portugal mit Renditen von 8,5 und über elf Prozent jedoch höher an, als es die Ratings vermuten lassen. Bei Griechenland liegt die Rendite sogar über 17,5 Prozent. Zwar hat das vor drei Wochen geschnürte neue Hilfspaket der Euro-Länder für Griechenland die Kurse steigen und die Renditen sinken lassen. Die Umsätze sind aber nur gering - selbst Zockern sind die Anleihen aus Griechenland, Portugal und Irland noch zu gefährlich.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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