Käufer von Discountzertifikaten können bei stagnierenden Kursen bessere Renditen erzielen als mit Direktanlagen
Investieren im Windschatten der Aktie

Es war im August 1995, als die Derivateexperten von HSBC Trinkaus & Burkhardt auf die Idee kamen, Anlegern den Deutschen Aktienindex (Dax) mit Rabatt anzubieten. Sie erfanden die Discountzertifikate. Fast zehn Jahre später steckt jeder zehnte Euro, den deutsche Anleger in Zertifikate investieren, in den Rabattpapieren.

HB BERLIN.Kein Wunder, dass die Initiatoren stolz auf ihre Erfindung sind: „Discountzertifikate bieten gleiche oder bessere Renditen als ein Direktinvestment, aber weniger Risiko“, sagt Matthias Hüppe, Derivateexperte bei HSBC. In 62 Prozent der Fälle schneiden die Discounter besser ab als ihr Basiswert, so lautet das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von HSBC, der Dresdner Bank und des Marktforschers Tetralog.

Allerdings hängt die Rendite des Discountzertifikats wegen seiner Konstruktion von der Marktentwicklung ab. Bei stark steigenden Kursen und einer geringen Schwankungsbreite wie derzeit fährt man mit diesen Produkten nicht so gut (s. „Discounter oder Direktanlage?“).

Und so funktioniert dieses Zertifikat: Im Vergleich zum direkten Kauf einer Aktie oder eines Indexes erhält der Anleger beim Kauf von Discountzertifikaten einen Rabatt (Discount) auf den aktuellen Kurs. Bis zu einer bestimmten Obergrenze (Cap) entwickelt sich das Papier genauso wie der Basiswert. Im Plus liegt der Anleger damit bei steigenden, stagnierenden und – bis zur Höhe des Discounts – auch bei fallenden Kursen. Gehen die Kurse stärker zurück, macht der Inhaber des Zertifikates Verluste, diese fallen durch den Puffer allerdings geringer aus als beim Direktinvestment. Allein bei stark steigenden Kursen schneidet der Anleger schlechter ab als mit dem Kauf des Basiswerts, da der Anbieter die Rendite begrenzt hat.

Ein Beispiel: Bei einem Dax-Stand von 4 500 Punkten ist ein Discounter mit einem Bezugsverhältnis von 1:100 und einem Rabatt von zehn Prozent auf den aktuellen Indexstand für 40,50 Euro zu haben. Der Cap liegt bei 4 800 Punkten, die Laufzeit endet im Dezember 2006. Steht der Dax am Laufzeitende tatsächlich bei 4 800 Punkten, erhält der Anleger ein entsprechendes Indexzertifikat in sein Depot gebucht. Während der Dax bei diesem Stand lediglich 6,7 Prozent zugelegt hat, springt für den Anleger auf Grund des Rabatts ein Gewinn von 18,5 Prozent heraus. Dies ist gleichzeitig die Maximalrendite. Erst bei einem Indexrückgang von mehr als zehn Prozent, also bei einem Stand des Dax unterhalb von 4 050 Punkten, ist der Rabatt aufgebraucht, der Investor macht Verluste. Steigt der Dax über 4 800 Punkte, schneidet ein Direktinvestment besser ab.

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