Kampf gegen Pessimismus
Stimmung drückt Marktprognosen

„Die Lage ist besser als die Stimmung“ ist derzeit eine der meist gehörten Aussagen in den Prognosen der großen Banken und Vermögensverwalter. Weil das so ist, müssen viele Experten in ihren Aussagen weitaus mehr sogenannte „weiche Faktoren“ berücksichtigen als in den letzten Jahren. Der Kampf gegen den übermächtigen Pessimismus.

FRANKFURT. Größtes Problem dabei: „Der Pessimismus ist derzeit weltweit sehr ausgeprägt“, sagt Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba. Grund dafür ist die seit Monaten schwelende Unsicherheit, in welchem Stadium sich die US-Hypothekenkrise mit all ihren Konsequenzen auf die Realwirtschaft derzeit befindet. Beispielsweise glauben nur noch 30 Prozent der Deutschen in diesem Quartal an eine wirtschaftliche Verbesserung in den nächsten sechs Monaten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag von Union Investment. Ein halbes Jahr vorher lag diese Zahl noch fast doppelt so hoch. Noch trüber ist die Stimmung in den USA, wo 71 Prozent der von Bloomberg befragten Bürger gar mit einer Rezession rechnen.

Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieses extrem negative Stimmungsbild auf die Märkte und die Wirtschaft übergreifen, darüber können Analysten derzeit nur spekulieren. „Die Subprime-Krise in den USA entwickelt sich zur globalen Vertrauenskrise“, beschreibt Klaus Hagedorn, Chefstratege beim Bankhaus Metzler, das aktuelle Umfeld. Dass Ereignisse außerhalb der konjunkturellen Lage die Märkte derart belasten, gab es seiner Ansicht nach in der jüngeren Vergangenheit erst vier Mal. Beim Aktiencrash von 1987 war dies zum ersten Mal der Fall, anschließend bei der Krise der Emerging Markets im Jahr 1998 und nach den Anschlägen vom 11. September 2001. „Heute erlebe man eine ähnliche Situation, sagt Hagedorn. „Dies ist die schmerzhafte Konsequenz daraus, dass in der ersten Jahreshälfte 2007 an den Kreditmärkten für Risiken einer Anlage fast nichts mehr bezahlt wurde“, sagt er.

Die Konsequenz daraus könnte im besten Fall eine rasche Rückkehr zu den realwirtschaftlichen Fakten sein. Im schlimmsten Fall könnte daraus der Zusammenbruch des Interbankenmarktes und das Risiko einer Kreditklemme für die gesamte Volkswirtschaft erwachsen.

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