Kampf um Anleger
Die Telekom setzt alles auf eine Karte

Sieben Prozent Dividendenrendite bietet die Deutsche Telekom ihren Anlegern. Leisten kann sie sich die hohe Dividende eigentlich nicht. Experten sehen die Ausschüttungsstrategie kritisch und raten Konzernen generell, auch im Aufschwung Maß zu halten.
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DÜSSELDORF. Diesmal können sich fast alle Firmen ihre Ausschüttungen leisten. Ganz im Gegensatz zu vorigem Jahr. Denn während die Nettogewinne der 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr um rund 80 Prozent auf 63 Mrd. Euro steigen dürften, legen die Dividenden nur um 25 Prozent auf 25 Mrd. Euro zu. Dadurch sinkt die durchschnittliche Ausschüttungsquote von vorübergehend über 60 auf das internationale Normalmaß von 40 Prozent.

In der Wirtschaftskrise hatten etliche Industriefirmen trotz herber Ertragseinbrüche kaum Abstriche an ihrer Dividende gemacht, um so ihre Aktionäre bei der Stange zu halten. Jetzt im Aufschwung ist es umgekehrt: Die Dividenden steigen langsamer als die Gewinne. Auf diese Weise halten die Firmen Kontinuität.

BASF beispielsweise dürfte seine Dividende "nur" um knapp 20 Prozent auf zwei Euro anheben, trotz eines um rund 200 Prozent steigenden Nettogewinns. Der Grund: Im Vorjahr hatte BASF die Dividende nur minimal um zwölf Prozent gekürzt, obwohl sich der Gewinn mehr als halbierte. Langfristig schüttet BASF stets um die 40 Prozent seines Nettogewinns aus.

"Gereifte Unternehmen sollten 30 bis 50 Prozent ihres Gewinns ausschütten", sagt der Direktor des Deutschen Aktieninstituts, Franz-Josef Leven. Noch wichtiger als eine hohe, sei eine stetig steigende Dividende. Höhere Ausschüttungen signalisierten, dass es dem Unternehmen gut gehe und künftig keine Abstriche an der Dividende machen müsse.

Das wiederum locke Käufer an und treibe demzufolge den Kurs. "Sinkende Dividenden signalisieren schwächere Geschäfte und erregen viel mehr Aufmerksamkeit als steigende Dividenden", sagt Leven. Er warnt Unternehmen deshalb vor allzu großer Spendierlaune im Konjunkturboom. Wer Maß halte, brauche in schlechten Zeiten nicht sofort wieder zu senken.

Nur wenige Konzerne reichen im nächsten Frühjahr mehr als die Hälfte ihres Gewinns weiter, was Experten als kritisch bezeichnen. Die Deutsche Telekom dürfte als einziger Dax-Konzern ihre Dividende zwar kürzen - von 78 auf 70 Cents je Aktie. Doch auch damit würde die Telekom noch drei Mrd. Euro und damit vermutlich ihren gesamten Nettogewinn an ihre Anleger überweisen. In den vergangenen Jahren hatten die Bonner sogar mehr ausgeschüttet, als sie unter dem Strich verdienten.

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