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Kap der guten Börsenhoffnung

Bei Südafrika denken Investoren vor allem ab Rohstoffaktien. Doch auch abseits dieses Sektors locken viele chancenreiche Titel zum Einstieg.

KAPSTADT. Wirtschaftliche Highlights aus Afrika sind selten. Auf die Finanzseiten der internationalen Blätter schafft es der Kontinent kaum. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bleibt er das Mauerblümchen der Weltwirtschaft – mit Ausnahme von Südafrika. Die Kaprepublik nimmt eine Sonderstellung ein, die ihren Ausdruck in der Johannesburger Börse (JSE) findet, dem unumstrittenen Champion des Kontinents. Sie bündelt mehr als 75 Prozent der afrikanischen Marktkapitalisierung und liegt weltweit auf Platz 15. In nur einer Woche werden hier mehr Aktien umgeschlagen als im übrigen Afrika im ganzen Jahr.

International gehört die JSE zu den modernsten Börsen der Welt – seit zehn Jahren wird hier nur noch per Computer gehandelt. Gegründet wurde die Börse bereits 1887; gehandelt wurde mit Anteilsscheinen von Goldminen und Brauereien. Die Goldsucher lebten dort, wo bis vor wenigen Jahren auch die Börse stand: über den Goldadern im Herzen der Johannesburger City. Inzwischen hat sich die JSE wie so viele Konzerne jedoch aus der Diagonal Street davongestohlen und ist in den reichen Norden nach Sandton gezogen, dorthin, wo die Welt noch weiß und sicher ist.

Johannesburg war einst eine wilde Goldgräberstadt. Der schlechte Ruf ist geblieben, die Goldgräberstimmung auch – zumindest an der Börse: Angefeuert von einem beispiellosen Rohstoffboom klettert die JSE seit drei Jahren ohne Atempause. Seit Anfang 2004 hat sie mehr als 80 Prozent zugelegt und mit Unterstützung des gerade erst auf über 700 Dollar geschnellten Goldpreises die Schwelle von 22 000 Punkten durchbrochen. Die zehn in New York notierten Unternehmen vom Kap, darunter der Petrochemiekonzern Sasol, der Stahlproduzent Highveld Steel, die Goldförderer Anglogold, Gold Fields und Harmony und Afrikas größte Mediengruppe Naspers, haben in nur zwölf Monaten mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen – und südafrikanische Unternehmen zu einer begehrten Anlage gemacht. Neben der robusten Verbrauchernachfrage am Kap treibt vor allem die Rohstoffnachfrage Chinas die Preise vieler Metalle und ihrer Förderer auf immer neue Höchststände. Südafrika ist weltweit der größte Produzent von Platin und Gold. Aber es fördert auch Rohstoffe wie Chrom, Eisenerz, Mangan, Titanerz und Kohle. Besonders gut entwickelten sich dabei mit einem Anstieg von über 80 Prozent die Platinwerte. Die beiden weltweit größten Platinförderer Angloplat und Impala, die gemeinsam mehr als zwei Drittel der Weltproduktion aus dem Boden Südafrikas graben, profitieren von der ungebremsten Nachfrage nach dem weißen Metall, das mit über 1 200 Dollar so teuer ist wie nie zuvor.

Mehr Vorsicht ist bei den Goldwerten geboten, die deutlich höher bewertet sind als andere Rohstoff-Titel. Die US-Bank Citigroup rät bei den Aktien der Goldförderer Anglogold Ashanti und Harmony inzwischen zum Verkauf. Anleger sollten deren Gewinnentwicklung unbedingt wachsam verfolgen. Vor allem die Kurse der großen Goldförderer nehmen einen weit höheren Metallpreis vorweg. Analyst Steve Shepherd von JP Morgan hat indes aufgezeigt, dass Südafrikas tiefe Minen (bis zu 5 000 Meter) weniger stark unter dem hohen Ölpreis leiden, weil das Gold sehr arbeitsintensiv gewonnen wird. Im Gegensatz dazu sind die im Tagebau betriebenen Gruben in Australien oder Kanada oft hochgradig mechanisiert. Überhaupt ist Südafrika in puncto Ölversorgung zum Teil autark, weil der Petrochemiespezialist Sasol Kohle und Gas zu Öl verflüssigt und damit über 40 Prozent des südafrikanischen Bedarfs deckt.

Gesellschaften wie Sasol und der Rohstoffboom erklären auch das gestiegene Interesse ausländischer Anleger an der JSE. Hatten diese noch im Jahr 2004 Aktien im Wert von 33 Mrd. Rand erworben, lagen die Nettokäufe internationaler Investoren 2005 bereits bei 52 Mrd. Rand. Angesichts dieses Zuflusses hat sich Rand seit seinem schweren Einbruch Ende 2001 um mehr als 80 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet. Zwar mindert dies die Gewinne der Minenfirmen, die ihre Erlöse in Dollar erhalten, aber ihre Lohn- und Explorationskosten in Rand abrechnen. Gleichzeitig hat der starke Rand aber die Inflation gezügelt und das Zinsniveau am Kap auf dem tiefsten Stand in 25 Jahren stabilisiert.

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