Kapitalflucht aus Schwellenländern: Das Ende des Booms

Kapitalflucht aus Schwellenländern
Das Ende des Booms

Die Schwellenländer erfreuten sich jahrelang großer Beliebtheit. Jetzt schlägt die Stimmung um. Anleger ziehen Kapital in großem Stil ab. Experten rufen schon die Rückkehr der alten Industriestaaten aus.
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DüsseldorfChina holt auf, keine Frage. Auch Brasilien, Indien oder Russland können noch wachsen. Aber erstens ist der Rückstand zu den entwickelten Industriestaaten nach wie vor groß. Und zweitens bedeuten selbst hohe Wachstumsraten noch lange nicht, dass die sogenannten Schwellenländer ein guter Ort sind, um sein Geld anzulegen. Das bekommen Anleger nun deutlich zu spüren.

Die Kapitalmärkte in Brasilien, Russland, Indien und China sind in den vergangenen Wochen unter Druck geraten. Aktien, Anleihen, Währungen - nichts blieb verschont. Der Aktienindex MSCI BRIC, der die vier großen Schwellenländer abbildet, ist in diesem Jahr um 14 Prozent gefallen. Damit liegt er weit hinter den etablierten Aktienmärkten zurück. Der Dow Jones weist ein Plus von 17 Prozent auf. Und noch eine Zahl verdeutlicht, wie sehr das Vertrauen gelitten hat: Anleger haben in diesem Jahr rund 14 Milliarden Dollar aus Publikumsfonds abgezogen, die in die Aktienmärkte der vier Länder investieren. Das entspricht fast 30 Prozent der Zuflüsse seit 2005.

Das Ausmaß der Kapitalflucht fällt so groß aus, dass Experten dahinter eine grundlegende Trendwende vermuten. Nachdem sich die Schwellenländer jahrelang großer Beliebtheit erfreuten, könnte es nun in die andere Richtung gehen. „In jedem Jahrzehnt gibt es ein Thema, das die Investoren fesselt - in den 1970er Jahren etwa Gold, in den 1980ern Japan und in den 1990ern Technologiewerte“, sagt Ruchir Sharma, Leiter Emerging Markets bei Morgan Stanley. „In der abgelaufenen Dekade waren es die BRICs.“

Der Boom der Schwellenländer begann im Jahr 2001, zumindest tauchte in diesem Jahr erstmals das Kürzel „BRIC“ auf. Es umfasste die Anfangsbuchstaben der vier Schwellenländer: Brasilien, Russland, Indien und China. Die Idee dazu hatte ein gewisser Jim O’Neill, damals Chefvolkswirt bei Goldman Sachs. Schon früh machte O’Neill auf die wachsende Bedeutung der aufstrebenden Volkswirtschaften hin. Er stellte die These auf, dass China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt überholen wird – damals, kurz nach dem 11. September, war das noch aufsehenerregend.

Das Bruttoinlandsprodukt der BRIC-Staaten stieg in zehn Jahren von 2,8 Billionen Dollar auf 14,5 Billionen Dollar. Gemeinsam erreichen sie damit schon fast die US-Volkswirtschaft, die auf ein BIP von 15,7 Billionen Dollar kommt. Im vergangenen Jahr trugen die BRIC-Staaten etwa 62 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei, wie aus Zahlen des IWF hervorgeht. Zehn Jahre zuvor waren es noch elf Prozent gewesen.

Dass der Aufstieg keineswegs geradlinig verlaufen würde, war abzusehen. Trotzdem scheinen die internationalen Investoren nun überrascht zu sein, dass es nicht nur aufwärts geht. „Die Anleger sind besorgt wegen China und Brasilien, nichts scheint hier mehr zu funktionieren“, schreibt Maarten-Jan Bakkum, Schwellenländerstratege bei ING Investment Management, in einem Kommentar. „Die Kombination aus besseren Wirtschaftsdaten in den USA und Wachstumsschwäche in China belastet die Emerging Markets eindeutig.“

Kommentare zu " Kapitalflucht aus Schwellenländern: Das Ende des Booms"

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  • Der Beitrag ist oberflächlich und nichts-sagend. BRIC ist in sich extrem heterogen - vom bitteramen Entwicklungsland Indien bis zum rohstoff-neureichen Russland. Und BRIC ist nicht identisch mit "den Schwellenländern", die allesamt von BRIC völlig unabhängige Entwicklungen durchlaufen. Und neben den "alten" Industrieländern" gibt es ja heute auch noch die etwas neueren (Hongkong, Singapore, Taiwan, Südkorea), die wirtschaftlich/ infrastrukturell an ihren früheren Vorbildern weitgehend vorbeigezogen sind und dank ihrer Lage von den immer noch boomenden Zentren China und ASEAN prächtig profitieren.

  • @sieg-fried

    Waren Sie jemals in Japan oder China? Oder kennen Sie die tiefverwurzelten, geschichtlichen Hintergründe zur Beziehung Chinas zu Japan und umgekehrt? So wie Sie schreiben bezweifele ich das sehr stark.

    Asien einem Mangel an Innovationskraft vorzuwerfen, ist blanker Hohn und zeugt von sehr großer Ahnungslosigkeit.

    Dies ist nicht das Forum, um auf akademischen Niveau zu diskutieren, aber manch uninformierter Beitrag auf Stammtischniveau - so wie ich Ihren auf Grund des gewählten Inhalts empfinde - muss auch nicht sein.

    Wenn Sie wirklich zu dem Thema mitreden wollen, dann empfehle ich Ihnen, sich nicht auf Zweit- oder Drittquellen zu verlassen, sondern sich ein eigenes Bild zu verschaffen.

    Ich wünsche Ihnen für die Zukunft einen breiteren Horizont.

  • Bei solchen Artikel drängt sich bei mir immer die Frage auf, welche Interessen hier vertreten werden. Wozu soll der Leser verleitet werden?

    Das ist eine typische Sichtweise der Finanzwelt (BRIC = Marketingstory) und zeugt von Arroganz der hier so genannten Industriewelt.

    Wo liegt das Wachstum der nächsten Jahre? In Italien, Spanien, Griechenland (=mittlerweile auch als Schwellenland eingestuft), Großbritannien oder Frankreich? Dann setzen Sie doch darauf. Diese Länder strotzen ja nur so vor lauter Innovationskraft und hungriger, ehrgeiziger Bevölkerung im Vergleich zu Asien (Vorsicht Ironie).

    Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland und die Unterteilung in gute, alte Industriewelt und unsichere, neue Schwellenländer ist komplett veraltet.

    Das wäre ja fast so als ob man die Presselandschaft in gute, alte Papierzeitung und die neue Online-Welt unterteilen müsste, oder?

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