Kapitalmarktausblick
Aktien: Strategen rechnen mit steigenden Kursen

Anlagestrategen hoffen auf das nächste Jahr. Nach einem schwachen Start könnten die Märkte Ende 2009 wieder deutlich zulegen. Das geht aus den Ausblicken hervor, die die großen Banken in diesen Tagen veröffentlichen. Anleger müssen sich aber auf starke Schwankungen gefasst machen.

FRANKFURT. Defensive Aktien, Unternehmensanleihen, die Märkte der aufstrebenden Länder (Emerging Markets) und Rohstoffe, die allesamt zuletzt stark unter Druck standen, zählen nach Ansicht der Experten am Ende zu den Gewinnern.

"Die Rezession ist bereits weitgehend in den Kursen eingepreist", sagt Martin Luley, Aktienstratege der Privatbank Metzler. Dabei gilt es durchaus als probates Mittel, historische Vergleiche zu ziehen. So ist beispielsweise der US-Aktienindex S&P 500, der wegen seiner Breite stets als Gradmesser für das Ausmaß extremer Börsenphasen gilt, allein im Oktober dieses Jahres um mehr als 27 Prozent gefallen. Seit Jahresanfang waren es gar 49 Prozent. "Im Vergleich zu ähnlich schwierigen Phasen in den vergangenen vier Jahrzehnten fällt dieser Kurssturz eindeutig aus dem Rahmen", sagt William de Vijlder, der bei der belgischen Großbank Fortis für die globale Anlagestrategie verantwortlich ist.

Die Experten rechnen zwar damit, dass die Durststrecke zunächst noch etwas anhalten wird. Dennoch geht die Mehrzahl davon aus, dass es nach dem Ausverkauf langfristig wieder nach oben geht. "Wir glauben, dass die zuletzt so sehr leidenden Aktienmärkte irgendwann im kommenden Jahr zurückkommen werden. Auch wenn es ein schwieriger Ritt mit vielen Aufs und Abs werden wird", sagt Robert Buckland von der Citigroup in London.

Für den Deutschen Aktienindex (Dax) prophezeit Metzler-Experte Luley, dass er in den kommenden ein bis zwei Jahren gar um etwa die Hälfte zum aktuellen Niveau zulegen wird. Der Index würde demnach wieder über die Marke von 6 000 Punkten klettern. Wenn man unterstellt, dass diese Prognose Wirklichkeit wird, dann wären Aktien zurzeit spottbillig.

Vorausgesetzt, die Unternehmen fahren Gewinne ein. Davon geht man bei Metzler fest aus. Die Gewinnerwartungen der Unternehmen seien zwar immer noch etwas zu hoch, schätzt Luley. Im ersten Halbjahr könne dies den Aktienmarkt noch belasten. Doch bereits gegen Ende 2009 werde es mit der Weltwirtschaft wieder bergauf gehen. An den Börsen dürfte die Erholung sogar schon früher beginnen. "In den vergangenen Marktzyklen war zu beobachten, dass die Aktienkurse zwei bis drei Quartale vor dem Ende der Rezession den Tiefpunkt erreichen", sagt Luley.

Die große Unbekannte dabei ist, wann das Ende der Rezession kommt. Von offizieller Seite hat man kürzlich in den USA den Dezember 2007 als den Beginn der aktuellen Rezession benannt. Demnach befände man sich aktuell im Monat 13 der Rezession. "Vor dem Hintergrund, dass in den USA seit der Großen Depression ab 1929 keine Rezession länger als 16 Monate gedauert hat, ist eine Ende in wenigen Monaten möglich", sagt William de Vijlder.

Vor allem eines macht die Experten optimistisch: Sie rechnen damit, dass die Konjunkturpakete, die zurzeit rund um den Globus geschnürt werden, enorme Wirkung entfalten. Gleichzeitig sei es richtig, dass die Notenbanken die Leitzinsen senken und die Geldmenge weltweit ausdehnen.

Deswegen könnten viele Anlageklassen, die im laufenden Jahr schlecht abschnitten, ab der Jahresmitte 2009 auf neues Interesse bei Anlegern stoßen. Dazu zählen die Börsianer beispielsweise auch Unternehmensanleihen. Deren Zinsabstand (Spread) zu Staatsanleihen beträgt sowohl in den USA als auch in Europa im Moment zwischen sechs und sieben Prozent und bewegt sich damit in Größenordnungen wie in der Großen Depression. Die Höchststände der Spreads markierten meist den Tiefpunkt des Abschwungs.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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