Kapitalmarktprognose
Bundesanleihen bringen bald bis zu 2,5 Prozent

Die US-Notenbank und die Unruhen in Chinas Finanzsektor erschütterten die Märkte. Nun setzt weltweit eine Erholung ein. Warum der Aufschwung bei Aktien kein Strohfeuer ist und die Renditen von Bonds hochschießen.
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DüsseldorfFür einige Tage waren die Börsen in Aufruhr. Der US-Notenbankchef Ben Bernanke erschütterte die Märkte mit seiner Ankündigung, bei guter Konjunkturlage die Geldschwemme abzubremsen. Obendrein kochte unter Chinas Banken erhebliches Misstrauen hoch.

Die Geldhäuser zweifelten an ihrer Zahlungsfähigkeit und liehen sich daher untereinander nur noch zu sehr hohen Zinsen Geld. Die Sorge vor einer Finanzkrise in China und dem Ausfall der globalen Konjunkturlokomotive verunsicherte die Anleger. Weltweit rutschten die Kurse in den Keller.

Chinas Notenbank dämpfte die Panik mit der Ankündigung, den Interbanken-Markt zu beruhigen, und gute Konjunkturdaten ließen die Andeutungen von Bernanke vergessen. Eine breite Erholung setzte ein. Doch ist der Kursaufschwung nur ein Strohfeuer, während die Bankenkrise in China weiter schwelt und die Fed die Märkte austrocknet? Und ist die Wirtschaftsentwicklung wirklich stabil? Experten geben tatsächlich Entwarnung und sehen neue Hochstände an den Aktienmärkten – vorerst.

„Es gibt keine klaren Anzeichen für Übertreibungen, die die Finanzmärkte kurzfristig destabilisieren können“, sagt Robert Spector von der Fondsgesellschaft MFS. Die Äußerungen der US-Notenbank und der Konjunkturausblick sprächen dafür, dass Aktien weiterhin durch viel Liquidität gestützt würden.

„Selbst wenn die Fed das Anleihekaufprogramm zurückfährt, dürfte sie immer noch 500 bis 600 Milliarden Dollar im Jahr in den Markt spülen. Von einem Austrocknen der Liquidität kann also keine Rede sein“, sagt Harald Preißler, Chefvolkswirt der Investmentgesellschaft Bantleon.

Zumal Fed-Chef Bernanke klargestellt hat, dass für ein Ende des Anleihenkaufs die Arbeitslosenquote auf ein akzeptables Niveau gesunken sein muss. Die Fed hält eine Quote von 6,5 Prozent für annehmbar. Derzeit liegt sie bei 7,6 Prozent.

Doch allein an dieser Messlatte will Bernanke eine Wende in der Geldpolitik nicht festmachen. Ein Ausstieg aus der üppigen Liquidität dürfte also noch einige Zeit dauern und ein längerer Prozess sein. „Wenn es angebracht ist, werden wir nicht bremsen, sondern den Fuß vom Gas nehmen“, sagte Bernanke.

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Zentralbank lässt Banken zappeln

Kommentare zu " Kapitalmarktprognose: Bundesanleihen bringen bald bis zu 2,5 Prozent"

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  • Huch, wenn Bundesanleihen bald wieder höher rentieren, könnte das ja was mit der Risikoprämie und den Inflationserwartungen zu tun haben. (Stichwort: Schuldentragfähigkeit und Nachhaltigkeitslücke). Daher muss der Staat dringend handeln und den Nachhaltigkeitsfaktor endlich auch in Beamtenpensionen einbauen. Bei der Rentenversicherung war der ja angeblich alternativlos (im Gesetz stand nebulös etwas von Generationengerechtigkeit als Richtschnur). Bei Beamtenpensionen sah der Bundesrat offensichtlich die Generationengerechtigkeit nicht mehr als Richtschnur und verweigerte die Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors für Pensionen. Und für die neunmalklugen: Die Senkung des Pensionssatzes von 75% auf 71,75% spiegelt wie bei Rentnern den Riesterfaktor. Die Versorgungsrücklage ist eine minimale Streckung der Pensionserhöhungen.

    Ich frage mich nur, warum nicht längst dagegen geklagt wird: Bei der Besteuerung von Pensionen und Renten war es doch angeblich auch ganz wichtig, dass Pensionäre und Rentner gleich behandelt werden.

  • @pom-muc

    Nein, das sollte jeden interessieren, denn der Anleihe-Markt ist DAS Entscheidende für unsere unmittelbare Zukunft. Schmiert dieser ab (hohe Renditeanstiege), sind alle Staaten und Großbanken eher früher als später pleite - die Auswirkungen auf die Realwirtschaft und somit auf jeden einzelnen sollten offensichtlich sein (hierbei sehe ich noch von "interest rate swaps" ab, da wir nicht wissen können, wo der Rendite-Schwellwert für eine (Banken-)"Explosion" ist bzw. der Level, wo die FED dann eventuell einen Aktienmarkt-Crash vorzieht, um das Geld in den Anleihemarkt zu treiben).

    Es nützt uns also gar nichts hier langfristig zu denken (bzw. sich zu grämen), wenn wir kurzfristig alle tot sind (um mal den bekannten Keynes-Auspruch umzudrehen).

  • Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.

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