Kapitalzuflüsse erreichen Rekordniveau: Banken besorgt über Run in Schwellenländer

Kapitalzuflüsse erreichen Rekordniveau
Banken besorgt über Run in Schwellenländer

Die Kapitalzuflüsse in Schwellenländer wie China oder Indien haben den alten Rekordwert vor der Asienkrise gebrochen und unter den führenden Großbanken Besorgnis ausgelöst. Die großen Institute bemängeln vor allen Dingen zu geringe Risikoprämien.

egl BERLIN. Die im Verband Institute of International Finance (IIF) zusammengeschlossenen Institute teilten in ihrem jüngsten Halbjahresbericht mit, die Netto-Zuflüsse seien 2005 um 40 Mrd. auf 358 Mrd. Dollar gestiegen. Der bisherige Höchstwert datiert aus dem Jahr 1996 und betrug 324 Mrd. Dollar. Für das laufende Jahr sagen die Verbandsökonomen eine Abschwächung der Netto-Kapitalzuflüsse auf 322 Mrd. Dollar voraus. Dämpfend werde sich eine geringere Kreditvergabe der Banken auswirken. Der Bankenverband monierte zu geringe Risikoaufschläge.

Nach Ansicht von Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann, der zurzeit den IIF-Vorsitz innehat, „geht eine größere Zahl von Investoren dazu über, einen Teil ihrer Portfolios in Finanztitel der Emerging Markets anzulegen“. Hinter diesem Trend stehe auch das zunehmende weltwirtschaftliche Gewicht der aufstrebenden Volkswirtschaften sowie die hohe Liquidität.

Bei der Vorstellung des Berichts in Washington warnte allerdings William Rhodes, IIF-Vize und Spitzenmanager der Citigroup, vor Schwachstellen und Risiken bei Anlagen in Schwellenländern. „Die Risikoaufschläge bei Anleihen der aufstrebenden Volkswirtschaften haben neue Tiefstände erreicht, und die großen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte dauern an. Anleger müssen vorsichtig sein und im heutigen Umfeld hoher Liquidität plötzliche Marktänderungen wegen möglicher Zinssteigerungen im Auge halten.“

Charles Dallara, Direktor des von 340 führenden Banken getragenen Instituts, geht davon aus, dass auch in diesem Jahr die langfristig ausgerichteten private Direktinvestitionen mit 155 Mrd. Dollar fast die Hälfte der Netto-Kapitalzuflüsse in die wichtigen Emerging Markets ausmachen, wovon alleine 50 Mrd. Dollar in das rasant wachsende China fließen dürften. Nach Dallaras Worten haben die aufstrebenden Volkswirtschaften die niedrigen Zinsen für neue Kapitalaufnahmen genutzt; damit haben sie 2005 höher verzinsliche Verbindlichkeiten in einer Größenordnung von 65 Mrd. Dollar vor allem gegenüber multilateralen Finanzinstitutionen zurückgezahlt. „Wir sehen einen Trend zu einer geringeren Abhängigkeit der aufstrebenden Volkswirtschaften von Finanzierungen durch öffentliche Kreditgeber“, sagte Dallara.

Ähnliche Botschaften enthält auch der neue Bericht der Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC). Nach Ansicht des neuen IFC-Chefs Lars Thunell zeichnet sich 2006 als Rekordjahr an den Börsen der Emerging Markets ab. Deren Marktkapitalisierung werde zum ersten Mal die Rekordmarke von fünf Billionen Dollar überschreiten. Thunell war zuletzt Vorstandssprecher der schwedischen Bankengruppe SEB.

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