Kauflisten der Banken
Auf der Jagd nach den Top-Aktien

Sie sind eigentlich nur für Profis gedacht. Die "Conviction Buy List" von Goldman Sachs, die "Key Calls" der UBS oder die "Focus List", wie sie bei JP Morgan genannt wird. Kleinanleger bekommen die Papiere für gewöhnlich nicht zu Gesicht. Ein Grund, einige der geheimnisvollen Listen vorzustellen. Was steckt dahinter und welche Aktien stehen ganz oben auf dem Zettel?

FRANKFURT. Setzt Goldman Sachs oder JP Morgan eine Aktie auf die Empfehlungsliste, geht es schnell mal ein paar Prozent hoch mit dem Kurs. Eine Garantie für Gewinne gibt es nicht. Doch viele gut betuchte Investoren richten sich nach solchen Ranglisten. Auch in den Banken selbst schaut man genau hin - um zu beobachten, was die Konkurrenz so empfiehlt. "Unter den Banken gibt es einen Wettbewerb. Es geht darum, wer den besseren Riecher hat", sagt ein Banker aus Frankfurt.

Schaut man sich die Listen an, dann zeichnet sich derzeit ein klarer Trend ab: Die Analysten setzen voll auf den Aufschwung. Auf ihren Kauflisten für europäische Aktien stehen derzeit auffällig viele Unternehmen, die in der Krise zwar stark gelitten haben, von einer wirtschaftlichen Erholung aber besonders profitieren dürften. Mehr als einmal finden sich beispielsweise Stahlhersteller wie Thyssen-Krupp oder Arcelor-Mittal und der Autobauer Daimler auf den Listen. Auch einige Aktien aus der arg gebeutelten Finanzbranche - wie etwa die britische Großbank HSBC - oder der Versicherer Legal & General schaffen es wieder in die Auswahl.

Stattdessen sind die sogenannten defensiven Aktien, die noch im Frühjahr ganz oben in der Gunst standen, von den Zetteln weitgehend verschwunden. Eine Ausnahme stellt der Tabakkonzern British American Tobacco dar. Egal ob Krise oder Hochkonjunktur - das Geschäft mit den Rauchern kennt kaum Schwankungen. Mit dabei ist auch der deutsche Versorger Eon, ein klassisch defensiver Wert. Zwar hat die Aktie des Düsseldorfer Konzerns zuletzt etwas zugelegt; im Vergleich zu anderen Aktien hat Eon aber noch deutlich Nachholpotenzial, sagen die Experten.

Bemerkenswert erscheint auch die regionale Präferenz der Analysten. Während überdurchschnittlich viele Firmen aus Großbritannien und Frankreich genannt werden, ist das südliche Europa kaum vertreten. Auch Deutschland ist - außer bei den Analysten der Schweizer UBS - nur selten auf den Listen zu finden.

Die meisten Banken überarbeiten ihre Listen wöchentlich. Das Auswahlverfahren ist kompliziert und folgt strengen Kriterien, es beruht wie andere Aktienempfehlungen von Banken auch auf den Einschätzungen von Analysten. So beobachten zum Beispiel die Analysten von Goldmann Sachs zurzeit genau 895 europäische Aktien. Davon zeichnen sie 257 mit dem Prädikat "Kaufen" aus. Nicht alle schaffen es auf die "Conviction Buy List". Dort seien nur die Werte mit dem "höchsten Potenzial" zu finden, heißt es bei Goldman; aktuell sind das 84 Aktien aus Europa.

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