Klimazertifikate
Das Klima erreicht die Börse

Warten auf den Wechsel im Weißen Haus: Viele Akteure sehen auf dem US-Markt ein riesiges Potential für Klimazertifikate. Sie hoffen darauf, dass ein neuer Präsident einen regelrechten Öko-Boom an den Börsen in Übersee auslöst.

FRANKFURT. Richard Sandor ist überzeugt, dass er mit Klimazertifikaten künftig den Durchbruch erzielt. Der Gründer der weltweit ersten beiden Klimabörsen – Chicago Climate Exchange (CCX) und European Climate Exchange (ECX) – glaubt außerdem, dass mit dem anstehenden Wechsel im Weißen Haus der Emissionshandel in den USA eine neue Qualität erreichen wird. Viele Börsen haben mit dem Klimahandel positive Erfahrungen in Europa gesammelt und versuchen nun, ihre Positionen auch am US-Markt abzustecken.

Damit beschleunigt sich ein Trend, der zuletzt von beeindruckenden Umsatzrekorden im Handel mit Klimazertifikaten geprägt war. „Wir haben in Chicago während der ersten vier Monate dieses Jahres mehr Klima-Kontrakte umgesetzt als im gesamten Jahre 2007“, sagt Sandor. Und auch an den anderen Klimabörsen rund um den Globus läuft das Geschäft auf Hochtouren.

Der Finanzprofessor und Unternehmer sieht sich in seinen vielfältigen Initiativen im „Öko-Jahrzehnt“ bestätigt, denn „dadurch, dass wir der Umwelt ein Preisschild umhängen, ändert sich das Verhalten der Wirtschaft und der Verbraucher“. Dies, so Sandor, entlaste die angeschlagenen Ökosysteme des Planeten Erde. Der Erfinder des Handels von Financial Futures an Chicagos Terminbörsen revolutionierte bereits vor 30 Jahren die Weltfinanzmärkte. Er ist davon überzeugt, dass sich mit einer neuen US-Klimapolitik und einem zunehmenden Ökologie-Bewusstsein in der breiten Öffentlichkeit die Preisschere zwischen Europa und den USA schließen wird.

Ein Grund für die heute noch enorme transatlantische Preisdifferenz liegt darin, dass das auf dem UN-Kyoto-Protokoll basierende EU-Handelssystem völkerrechtlich bindend ist. An der CCX haben sich Großunternehmen und Organisationen der USA im Handel mit Kohlendioxid (CO2), Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxid (NOX) auf freiwilliger Basis dem Klimaschutz verpflichtet. Derzeit kosten CO2-Emissionsrechte in den USA rund 7 Dollar je Tonne und in Europa 27 Euro je Tonne.

Für die meisten Energie- und Finanzanalysten steht fest, dass der Preis für CO2-Emissionsrechte steigen wird. So hat Mark Lewis von der Deutschen Bank seine Preisprognose für dieses Jahr von 35 Euro auf 40 Euro je Tonne erhöht. Er begründet dies zum einen mit höher als erwartet ausgefallenen CO2-Emissionen der Wirtschaft im Jahr 2007, mit hohen Ölpreisen und mit der Einbeziehung der Flugbranche in das EU-Handelssystem. So rechnet Lewis mit einer steigenden Nachfrage nach Emissionsrechten vor allem in der zweiten Phase der Handelsperiode 2008 bis 2012. Hinzu kommt, dass nach Plänen der EU-Kommission solche CO2-Zertifikate ab 2013 nicht mehr kostenlos vergeben, sondern versteigert werden sollen.

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