Kommentar zur China-Krise
Deutsche Bank findet Schuldigen für Börsen-Crash

In einem Interview stellt der Chefvolkswirt der größten deutschen Bank eine gewagte These auf: Schuld am Börsencrash von Montag sei die schärfere Regulierung der Banken. Da bleibt mir die Spucke weg. Ein Kommentar.
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Paul Volcker ist ein gestandener Mann von imposanter Körpergröße. 2,01 Meter misst er, auch wenn die Haltung des mittlerweile 87-Jährigen inzwischen etwas gebückt ist. Über einen Mangel an Rückgrat sagt das aber nichts aus. Ganz im Gegenteil: Der ehemalige Chef der US-Notenbank hat nicht nur mit eisenharter Geldpolitik in den 1970er-Jahren eine Phase aus hoher Inflation und Arbeitslosigkeit bekämpft.

Dieser gestandene Mann gilt der Deutschen Bank jetzt als Sündenbock. In einem Interview mit Spiegel Online hat der Chefvolkswirt der größten Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, Volcker jetzt die Schuld am Marktcrash vom Montag gegeben. An dem Tag brach der Dax kurzzeitig um fast acht Prozent ein.

Nicht die Sorge über ein schwaches chinesisches Wirtschaftswachstum, eine mögliche globale Rezession, nicht der automatisierte Hochgeschwindigkeitshandel der Börsenroboter soll maßgeblich dazu beigetragen haben – nein, Volcker soll der Schuldige sein.

Mir ist beim Lesen von Folkerts-Landaus Antwort die Spucke weggeblieben.

Wie kommt er zu seiner These? Volcker hat sein Engagement in der Finanzregulierung nicht mit dem Abschied aus der Notenbank in den frühen 1980er-Jahren beendet. Ganz im Gegenteil: Jahrzehnte später setzte er sich für eine schärfere Regulierung der Wall Street ein, nachdem die Finanzbranche durch den Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes dem Ruin nahestand.

Die sogenannte „Volcker Rule“ ist mittlerweile in Kraft – sie verbietet Banken den Handel mit vielen Wertpapieren auf eigene Rechnung und fand Einzug in das große Finanzregulierungspaket, bekannt als Dodd-Frank Act.

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  • Eigentlich sollte ein Börsencrash keine Auswirkung auf die Realwirtschaft haben. Gut ok, man sagt dass die Börse die realwirtschaftliche Entwicklung ahnt und vorwegnimmt. Diffus scheint mir das Argument zu sein, die Verlierer an der Börse würden sich dann mit ihren Ausgaben in die Realwirtschaft zurückhalten, weil sie eben einen herben Verlust einstecken mussten.

    Nicht zu akzeptieren ist der Hinweis auf die Finanzkrise 2008. Der Punkt war, dass Banken mit irgendwelchen Geldern spekuliert haben und so selbst in Bedrängnis kamen (Lehman Pleite).

    Dem ist durch ein Trennbankensystem entgegen zu wirken. Die Investmentbanken können dann pleite gehen wie sie wollen, das Realgeschäft wird damit nicht tangiert. Ich weiss jetzt nicht genau was Folkerts-Landau will, aber wenn die Deutsche Bank wieder auf Teufel komm raus zocken will, dann soll sie doch bitte schön sich vom Realkundengeschäft trennen (die Abspaltung der Postbank ist hier ein Schritt in diese Richtung). Die Lockerung der Auflagen für Universalbanken ist nicht zielführend.

  • Herr Zimmer@Ackermann damals die 25 % Rendite erreichen wollte?
    Es war die Rendite auf das Eigenkapital gemeint und das Eigenkapital ist bei Banken gering.

  • Keine Aktiengeschäfte auf Kredit
    Kein Sekundenhandel mehr
    Keine KO scheine mehr
    Steuerfreiheit nach einem Jahr
    Keine Leer verkäufe mehr.

    Und auf einmal hört das Crashen auf.
    Das Problem die Banken können ihre Kunden nicht mehr abzocken

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