Kommentar zur China-Krise Deutsche Bank findet Schuldigen für Börsen-Crash

In einem Interview stellt der Chefvolkswirt der größten deutschen Bank eine gewagte These auf: Schuld am Börsencrash von Montag sei die schärfere Regulierung der Banken. Da bleibt mir die Spucke weg. Ein Kommentar.
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Der ehemalige US-Notenbankpräsident hat nach der Immobilienkrise ab 2008 jahrelang für eine schärfere Regulierung von Banken gekämpft. Quelle: Reuters
Paul A. Volcker

Der ehemalige US-Notenbankpräsident hat nach der Immobilienkrise ab 2008 jahrelang für eine schärfere Regulierung von Banken gekämpft.

(Foto: Reuters)

Paul Volcker ist ein gestandener Mann von imposanter Körpergröße. 2,01 Meter misst er, auch wenn die Haltung des mittlerweile 87-Jährigen inzwischen etwas gebückt ist. Über einen Mangel an Rückgrat sagt das aber nichts aus. Ganz im Gegenteil: Der ehemalige Chef der US-Notenbank hat nicht nur mit eisenharter Geldpolitik in den 1970er-Jahren eine Phase aus hoher Inflation und Arbeitslosigkeit bekämpft.

Dieser gestandene Mann gilt der Deutschen Bank jetzt als Sündenbock. In einem Interview mit Spiegel Online hat der Chefvolkswirt der größten Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, Volcker jetzt die Schuld am Marktcrash vom Montag gegeben. An dem Tag brach der Dax kurzzeitig um fast acht Prozent ein.

Der Chefvolkswirt wurde in Ostfriesland geboren, promovierte in Princeton und arbeitete für den Internationalen Währungsfonds. Seit 1997 steht er im Dienst der Deutschen Bank. Quelle: Reuters
David Folkerts-Landau

Der Chefvolkswirt wurde in Ostfriesland geboren, promovierte in Princeton und arbeitete für den Internationalen Währungsfonds. Seit 1997 steht er im Dienst der Deutschen Bank.

(Foto: Reuters)

Nicht die Sorge über ein schwaches chinesisches Wirtschaftswachstum, eine mögliche globale Rezession, nicht der automatisierte Hochgeschwindigkeitshandel der Börsenroboter soll maßgeblich dazu beigetragen haben – nein, Volcker soll der Schuldige sein.

Mir ist beim Lesen von Folkerts-Landaus Antwort die Spucke weggeblieben.

Wie kommt er zu seiner These? Volcker hat sein Engagement in der Finanzregulierung nicht mit dem Abschied aus der Notenbank in den frühen 1980er-Jahren beendet. Ganz im Gegenteil: Jahrzehnte später setzte er sich für eine schärfere Regulierung der Wall Street ein, nachdem die Finanzbranche durch den Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes dem Ruin nahestand.

Die sogenannte „Volcker Rule“ ist mittlerweile in Kraft – sie verbietet Banken den Handel mit vielen Wertpapieren auf eigene Rechnung und fand Einzug in das große Finanzregulierungspaket, bekannt als Dodd-Frank Act.

Keine Samariter
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17 Kommentare zu "Kommentar zur China-Krise: Deutsche Bank findet Schuldigen für Börsen-Crash"

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  • Eigentlich sollte ein Börsencrash keine Auswirkung auf die Realwirtschaft haben. Gut ok, man sagt dass die Börse die realwirtschaftliche Entwicklung ahnt und vorwegnimmt. Diffus scheint mir das Argument zu sein, die Verlierer an der Börse würden sich dann mit ihren Ausgaben in die Realwirtschaft zurückhalten, weil sie eben einen herben Verlust einstecken mussten.

    Nicht zu akzeptieren ist der Hinweis auf die Finanzkrise 2008. Der Punkt war, dass Banken mit irgendwelchen Geldern spekuliert haben und so selbst in Bedrängnis kamen (Lehman Pleite).

    Dem ist durch ein Trennbankensystem entgegen zu wirken. Die Investmentbanken können dann pleite gehen wie sie wollen, das Realgeschäft wird damit nicht tangiert. Ich weiss jetzt nicht genau was Folkerts-Landau will, aber wenn die Deutsche Bank wieder auf Teufel komm raus zocken will, dann soll sie doch bitte schön sich vom Realkundengeschäft trennen (die Abspaltung der Postbank ist hier ein Schritt in diese Richtung). Die Lockerung der Auflagen für Universalbanken ist nicht zielführend.

  • Herr Zimmer@Ackermann damals die 25 % Rendite erreichen wollte?
    Es war die Rendite auf das Eigenkapital gemeint und das Eigenkapital ist bei Banken gering.

  • Keine Aktiengeschäfte auf Kredit
    Kein Sekundenhandel mehr
    Keine KO scheine mehr
    Steuerfreiheit nach einem Jahr
    Keine Leer verkäufe mehr.

    Und auf einmal hört das Crashen auf.
    Das Problem die Banken können ihre Kunden nicht mehr abzocken

  • @ Herrn Guenther Meier

    Ich kenne zwar das HB vor 20-30 Jahren nicht, bin aber ebenfalls entsetzt über die Fehl-, Falsch- und Mangelinformationen hier online. Von hetzerischen Redaktionskommentaren ganz zu schweigen. Ich nenn mal keine Namen. So kann das nicht weitergehen, liebe Redaktion.

    Das jetzt hier an diesem Artikel festzumachen, hätte ich aber nicht getan. Ich schreib gleich mal noch etwas zur Sache.

  • Die Spekulation ist in Deutschland negativ bewertet aber sie gleicht Ungereimtheiten im Markt auf und gleicht sie aus.

  • Das Handelsblatt hat ausser vom Namen, halt nichts mehr mit dem Handelsblatt von vor 20-30 Jahren gemein. Es ist zu einem Boulevardblatt geworden. Somit greift man gerne Themen auf welche die breite Masse interessieren. Und um diese Leserschaft zu halten muss man deren Meinung teilen. Mehr nicht.
    Aber auch traurig und symptomatisch.

  • Da bleibt nun aber MIR die Spucke weg!
    Mit welch arroganter Ahnungslosigkeit - Zusammenhänge von Regulierung und Marktgeschehen betreffend - "weit verbreitete wirtschaftliche Dummheit" geradezu BEFLÜGELND in einem "Handelsblatt" diese Meinung kommntiert wird.

  • Wenn die Deutsche Bank der Ansicht ist einen Schuldigen für diesen "Crash" zu ernennen, dann können wir alle davon ausgehen, dass die Deutsche Bank zumindest am Crash beteiligt war - wenn nicht sogar massiv befeuert hat.

  • Das sehen Sie scheinbar von "innen". Von außen betrachtet, stellt sich schon die Frage mit welchen Mitteln Joe Ackermann damals die 25 % Rendite erreichen wollte?

    Wenn es um Joberhalt gingen, dann durften sich keine Aufseher wirklich wundern, dass von Mitarbeitern alles versucht wurde, das Familieneinkommen zu erhalten.

    Jeder, der etwas von Banken und deren Innenleben versteht, der weiß um die Boniregelungen. Der weiß auch, dass die, die gar nichts mit dem "Geldverdienen" zu tun haben, auch kräftige Bonusregelungen haben und teilweise Händler in den Schatten stellen.

    Deshalb ist es unfair - und da stimme ich Ihnen ausdrücklich zu -, ausschließlich die Dummen zu bestrafen und die Super-Schlauen weiter kassieren zu lassen.

    Meine Kritik geht schon gegen die Deutsche Bank, aber sie geht vor allem gegen die, die auch von der 25 %-Vorgabe wussten, etwas hätten unternehmen können, wenn sie denn ihren Job "mit der nötigen Sorgfalt" verrichtet hätten.

    Bei dieser Betrachtung - und da haben Sie vollkommen recht - verlassen wir auch den Rahmen, den uns die Deutsche Bank gibt.

    Es ist korrekt, wenn Sie das HANDELSBLATT konkret angreifen, aber dieser Angriff ist nur dann verständlich, wenn Sie dafür eintreten, Ethik und Moral als generellen Maßstab erklären.

    Damit haben wir auch die Überleitung zum dritten Hilfspaket für Griechenland geschafft. Hat uns die Propaganda der Bundesrepublik nicht das Bild des armen Rentners gezeigt und unser Herz erweicht?

    86 Mrd. € an Hilfe haben unseren Abgeordneten in unserem Namen beschlossen. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Rentern in Griechenland davon nichts zu sehen bekommen? Griechische Banken wollen unsere Politiker mit dem Steuergeld der Deutschen rekapitalisieren! Kein Cent für die Deutsche Bank! Das soll eine Gleichbehandlung sein? Wie sehr würde auch Sie sich über ein Hilfspaket freuen, um die Bonis zu finanzieren.

    Die Bonis drücken den neuen Vorstand. Weshalb bürdet man diese nicht den kleinen Steuerzahlern auf? Ist doch gleich!

  • Seit Jahren sucht Ihr Blatt jede erdenkliche Möglichkeit die Deutsche Bank zu attackieren oder an den Pranger zu stellen, hier zu beschämen. Wie besessen.
    Was möchten sie damit?
    Ist das noch immer Rache aus der Kirchpleite?
    Da haben sie Maß und Ethik verloren ... genauso.

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