Konjunktur
Folgt der Börsen-Hausse der Aufschwung?

Geht es nach den Aktienmärkten, scheint eine schnelle und kräftige Erholung der Konjunktur ausgemachte Sache zu sein. Nach seinem tiefen Absturz signalisiert der gewöhnlich zuverlässige Frühindikator Börse nun ebenso rasche Belebung. Doch stehen die boomenden Aktienkurse tatsächlich für den nachhaltigen Aufschwung?

DÜSSELDORF. Die amerikanische Börse erlebt inmitten der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte derzeit sogar ihre steilste Hausse seit einem Dreivierteljahrhundert.

Doch prophezeien die boomenden Aktienkurse wirklich einen kraftvollen Aufschwung? An ihrer zuverlässigen Vorhersage-Funktion gibt es wenig Zweifel. Zuletzt gelang den Börsen dieses Kunststück vor dem Konjunkturabschwung 2001/02 mit einbrechenden Kursen ab Frühjahr 2000. Anschließend starteten die Aktienmärkte ab Frühjahr 2003 – schon vor Beginn des Golfkriegs – durch und kündigten so den nächsten Boom ab 2004 an. Geht man davon aus, dass die Börsen im Schnitt neun bis zwölf Monate vor dem Aufschwung der Realwirtschaft ihren Tiefpunkt erreicht haben, dann sollte es mit der Wirtschaft spätestens im nächsten Frühjahr nach oben gehen.

Allerdings sind Zweifel an der Schlussfolgerung angebracht, wonach die steigenden Kurse tatsächlich eine kräftige Erholung der Konjunktur nahelegen. Zugegeben, Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer Dax suggeriert derzeit angesichts eines Zugewinns von 50 Prozent ohne zwischenzeitliche Korrektur eine V-förmige Erholung, also eine schnelle Aufwärtsbewegung nach steilem Abschwung. Doch was bei ungewöhnlich geringen Umsätzen rasch hinzugewonnen wurde, ist in traditionell turbulenten Monaten wie September und Oktober sehr vergänglich.

Zwei oder drei schwache Börsenwochen, in denen die Kurse um 20 oder gar 30 Prozent fallen, was angesichts der vorangegangenen Rally durchaus normal wäre, reichen aus, um das V mit einem Häkchen nach unten zu ergänzen – also die Erwartung, dass sich die Konjunktur angesichts weltweit stimulierender staatlicher Programme zwar rasch erholt, aber eben nicht nachhaltig. Etwa weil die vielen Anreize verpuffen oder im schlimmsten Fall gar eine Nachfrageschwäche erzeugen. Die beinahe in allen Industrieländern gezahlte Abwrackprämie schürt solch einen Verdacht, weil die Autoindustrie angesichts vorgezogener Käufe im kommenden Jahr nur noch schwer Kleinwagen absetzen dürfte.

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