Konjunkturdaten
Börsenrally steht vor dem Realitätstest

Jetzt wird sich zeigen, ob die Realwirtschaft den positiven Trend an den Börsen bestätigen kann. Bisher deuten die Konjunkturdaten in unterschiedliche Richtungen. Rücken die Risiken wieder in den Vordergrund? Oder setzt sich die Euphorie fort? Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick.

FRANKFURT. Weltbank, Ifo-Institut, OECD, IWF: Die Konjunkturdaten der vergangenen Tage geben einen Vorgeschmack darauf, was bis in den August hinein die Börsen beherrschen wird. Kernfrage dabei ist stets: Können die volkswirtschaftlichen Daten den positiven Trend bestätigen, den die Börsen in den Monaten von März bis Juni mit ihrem immensen Kursanstieg bereits vorweggenommen haben? Werden die bereits gestiegenen Erwartungen nicht erfüllt, droht ein Rückfall in Dimensionen, die viele Börsianer längst hinter sich geglaubt hatten. Die Experten der WestLB haben für den Dax beispielsweise schon die 4 300 Punkte ausgerufen.

"Am Aktienmarkt hat die Phase des Realitätstests begonnen", sagt Tammo Greetfeld von Unicredit in München. Um die jüngste Börsenentwicklung abzusichern, muss demnach die allgemeine Konjunkturerholung schnell, breit und nachhaltig ausfallen. Die Daten dieser Woche zeigten in unterschiedliche Richtung: Die Ökonomen der Industrieländer-Organisation OECD rechnen bei ihren 30 Mitgliedsstaaten nun nicht mehr mit dem deutlichen Abschwung wie noch zuletzt und loben speziell Deutschland. Das Münchener Ifo-Institut bleibt hingegen gerade für den heimischen Markt in diesem Jahr extrem skeptisch. Aus dem Wust dieser Schätzungen die richtigen Konsequenzen für die Börse zu ziehen, fällt schwer. "In der Phase des Realitätstests dürften die Risiken stärker in den Vordergrund rücken", sagt Greetfeld. Das hieße Rückschlagpotenzial. Per saldo werden seiner Ansicht nach jedoch die positiven Überraschungen überwiegen.

Aufschluss darüber werden ab etwa Mitte Juli die ersten Unternehmenszahlen für das zweite Quartal geben, die zuerst aus den USA und dann mit Verzögerung aus Europa eintreffen werden. Bis dahin werden Konjunkturdaten das Geschehen am Markt dominieren. Die machen in ihrer Summe nach Meinung der Experten eher Hoffnung denn Sorge. "Die Erwartungen für das weltweite Wachstum verbessern sich allmählich", sagt Michael Saunders von der Citigroup.

Deswegen werden in den kommenden Wochen zwei Fragen von entscheidender Bedeutung sein. Zum einen suchen Börsianer Antworten darauf, ob und wie sich die Konjunkturprogramme, aber auch die expansive Geld- und Fiskalpolitik auf die Wirtschaft auswirken. Zum anderen wird man intensiv verfolgen, ob China und die anderen aufstrebenden Staaten tatsächlich so schnell aus der aktuellen Krise kommen werden, wie es im Moment den Eindruck hat.

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