Konrad Hummler im Interview: „Notenbanken haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt“

Konrad Hummler im Interview
„Notenbanken haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt“

Konrad Hummler, Chef der ältesten Schweizer Privatbank, fürchtet den Zusammenbruch des Geldsystems. Im Interview erklärt er, warum wir nicht an einem Schuldenschnitt vorbeikommen und wie sich Anleger positionieren sollten.
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Herr Hummler, die Börsen sind abgestürzt. Angst vor Rezession kommt auf. Das alles fühlt sich an wie die Finanzkrise 2008. Woran liegt das?

Konrad Hummler: Wir erleben die Demaskierung eines Geldsystems, das den Pfad der Tugend längst verlassen hat. Geld sollte Spiegelbild des realen Lebens sein, es soll den Austausch von Waren oder die Wertaufbewahrung erleichtern. Ich fürchte, wir sind in eine Situation hineingeraten, in der Geld nur noch eine verselbständigte Entität ist, losgelöst von den realen Gegebenheiten.

Wo liegt das Problem?

Von den bedeutenden Notenbanken ist keine mehr politisch unabhängig, sie sind selbst zum Teil des politischen Systems geworden. Damit haben sie ihr wichtigstes Gut verspielt: Glaubwürdigkeit. Unser Geld basiert allein darauf. Wenn nicht mehr geglaubt werden kann, dass für einen Geldschein oder für ein Kontoguthaben oder für den Gegenwert einer Staatsobligation morgen, übermorgen oder in einem Jahr ein Kilo Brot, eine Arztrechnung oder ein Haus bezahlt werden können, dann ist das Geld wertlos.

Kann die Politik das Vertrauen wiederherstellen?

Ausgerechnet von denjenigen, die das Geldsystem unterhöhlen, den Politikern und Notenbankern, erwartet man die Stärkung oder Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit. Das ist aberwitzig. Die Politik schiebt die Probleme auf, verschleiert sie und überwälzt sie auf ein Publikum, das sich kaum wehren kann.

Wann ist der Pfad der Tugend verlassen worden?

1987 – mit dem Eintritt von Alan Greenspan in die Federal Reserve. Mit ihm begann die ultimative Ausweitung der Geldmenge. Seit Greenspan hat die US-Notenbank versucht, jeden realen Schock für die Realwirtschaft zu beheben, indem sie die Zinsen gesenkt oder mehr Geld gedruckt hat. Das war ein süßes Gift – mit beträchtlichen Nebenwirkungen.

Kommentare zu "„Notenbanken haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt“"

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  • "Wann ist der Pfad der Tugend verlassen worden?

    1987 – mit dem Eintritt von Alan Greenspan in die Federal Reserve. Mit ihm begann die ultimative Ausweitung der Geldmenge. Seit Greenspan hat die US-Notenbank versucht, jeden realen Schock für die Realwirtschaft zu beheben, indem sie die Zinsen gesenkt oder mehr Geld gedruckt hat."

    Wahrscheinlich wäre die Weltgeschichte einen gänzlich anderen Weg gegangen, hätte Greenspan nicht so exzessiv mit der Falschgeldproduktion begonnen. Die soziale Frage nach der Perspektive für die "Verlierer des Systems" hätte auch im Westen für viel stärkeren Änderungsdruck gesorgt. Die daraus potentiell entspringenden Reformen schiebt der Westen aber seit 3 Jahrzehnten, betäubt mit herbei gedopten Konsumismus und Scheinüberlegenheit, vor sich her, wobei pseudo-keynesianische Ökonomenquacksalber den ideologischen Überbau zur Rechtfertigung der Falschgelddruckerei liefern.

    Wie würde die Welt wohl heute aussehen, wenn damals nicht nur Gorbatschow den Osten komplett reformiert, sondern auch der Westen seine eigenen Widersprüche als Motor der gesellschaftlichen Innovation genutzt und sich substanziell bewegt hätte, statt stehen zu bleiben und sich beie allen Verdiensten um die Freiheit auch narzisstisch-arrogant als Sieger der Geschichte zu feiern?

  • Ihre Geschichte hat mit der Realität des Euro-Rettungsschirms nichts gemein. In Ihrem Modell haben alle Beteiligten Schulden, denen ein gleichgroßes Guthaben gegenübersteht. Dann kann das Abtragen der Schulden leicht vollzogen werden. In Europa ist dies aber ganz und gar nicht der Fall!

  • Und was ist mit dem CHF? Die Frage war nicht da! Schade.

  • @ der-oekonomiker

    Demokratie würde auch mit einem ausgeglichenen Haushalt funktionieren^^ Allerdings steht das im Widerspruch zum Kapitalismus und deshalb wird einem "Eingeredet", dass das nicht funktioniert.

    Ergo haben sie Recht mit Satz - Die Demokratie so wie wir sie kennen (weil uns das schon in der Schule so suggeriert wird). Dabei hat Demokratie mit Kapital erst einmal gar nichts zu tun. Demokratie ist eine Form der Entscheidungsfindung in der Gesellschaft.

  • @ Diamant:
    Doch, zur Demokratie auch, was uns Ludwig Erhard gut erklärt hat. Demokratie, so wie wir sie kennen, funktioniert nur, wenn der Staat eine Reihe von Leistungen bereitstellt. Nur um dem Aufschrei schon vorzubeugen: Damit meine ich nicht die Staatsherrschaft des Kommunismus.

  • Herr Hummler sagt: "Der Markt korrigiert lediglich diese Verzerrungen." Aber warum tut er es so ruckartig? Die Verhältnisse haben sich nicht von einem Tag auf den anderen so stark geändert, wie die Börsen abgestürzt sind. Hat "der Markt" geschlafen und ist dann plötzlich aufgewacht? Oder sind eben doch auch Spekulanten am Werk und die angebliche "Korrektur" ist ein Ausschlagen ins andere Extrem? Die Politik steckt zwar irgendwie mit drin. Man sollte der Finanzbranche aber nicht durchgehen lassen, dass sie aktuell alles auf die Politik abschieben will.

  • Ein gute Erklärung für uns Finanzlaien (Autor leider nicht bekannt, wohl ein Insider ;-)

    Das EU - Rettungspaket

    Es ist ein trüber Tag auf Rhodos.
    Es regnet und alle Straßen sind wie leergefegt.
    Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump.

    An diesem Tag fährt ein reicher Deutscher durch Rhodos und hält bei einem kleinen Hotel. Er sagt dem Eigentümer, dass er gerne die Zimmer anschauen möchte , um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten , und legt als Kaution einen 100,- € Schein auf den Tresen.

    1. Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel.

    2. Als der Besucher die Treppe hinaufgegangen ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger, und bezahlt seine Schulden .

    3. Der Metzger nimmt die 100,- ¬ läuft die Strasse hinunter und bezahlt den Bauern.

    4. Der Bauer nimmt die 100- € und bezahlt seine Rechnung bei der Genossenschaft.

    5. Der Mann dort nimmt den 100,- € Schein, rennt zu seiner Kneipe und bezahlt dort seine offenen Rechnungen.

    6. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.

    7. Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehenden Zimmerrechnungen mit den 100,- €.

    8. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen.

    In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter , nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt - und verlässt Rhodos.

    Niemand produzierte etwas.

    Niemand verdiente etwas.

    Alle Beteiligten sind ihre Schulden los und schauen mit großem Optimismus in die Zukunft.



    So, nun wisst Ihr Bescheid - so einfach funktioniert das EU - Rettungspaket !

  • @ der-oekonomiker

    Zitat: "Trotzdem: Schuldenmachen gehört zum Kapitalismus, zum Wachstum und zur Demokratie, deshalb auch die Zinsen."

    Zum Kapitalismus - ja, zur Demokratie Nein und theoretisch könnte man auf Zinsen auch verzichten.

    Frage: Bei wem macht der Staat Schulden, wo er doch eigentlich das Geld selbst herstellt? Richtig - bei Banken. Nur wo bekommen diese das Geld her wenn es doch vom Staat vergeben wird? Richtig - sie leihen sich das Geld vom Staat um es an den Staat mit hohen Zinsen zurückzuleihen. Also warum "leiht" sich der Staat dann eigentlich Geld? Es gibt nur eine Erklärung - der Staat ist nicht mehr der eigentliche Herr des Geldes. Liegt das vielleicht daran, das Deutsche Banken z.B. für ca. 8000 Euro geliehenes Kapital vom Staat einen Kredit in der Höhe von 100.000 Euro geben können laut Bankengesetz? Die fehlenden 92.000 Euro sind reines "Phantasiegeld"^^.
    Das würde dann im Umkehrschluss ja heißen, wir zahlen nicht nur Geld zurück, das es nicht gibt sondern auch noch Zinsen für etwas, das es gar nicht gibt^^ - komisch, oder?

  • Es sei denn, wir besinnen uns auf das real mögliche und bemühen uns wieder um einen eigenen Staat und einen Bund mit denen, die sich genau so wenig von diesen "bestimmten" Finanziers abhängig machen wollen. Leider ist in der Mehrzahl der deutschen Köpfe entweder Luft oder Müll, daß es dafür eben nicht reicht und man und frau auch lieber ideolgische Parolen in sich hineindröhnen lassen, in der dümmlichen Hoffnung "mich wird's schon nicht so hart treffen"... Es gibt Wege, aber es fehlt die "kritische Masse".

  • @ azaziel

    Nehmen wir mal an, alle würden Ihre Schulden zurückzahlen - was bliebe dann? Nichts, denn dann würde es überhaupt kein Geld mehr geben.

    Die Schulden des Einen ist das "Kapital" des Anderen - denken Sie mal über diesen Satz nach. Un dann überlegen Sie mal - wohin sind die "Staatsschulden" geflossen? In die Taschen der Bürger? Schauen Sie sich den Bundeshaushalt an was da von den Steuereinnahmen an die Bürger zurückfließt und wohin der Rest geht.

    Es gibt nicht soviel physisches Geld auf der Welt, das die Schulden zurückgezahlt werden könnten - das geht einfach schon rein rechnerisch nicht. Die Milliarden und Abermilliarden Summen, mit denen hier rumgeschmissen wird sind alles nur Zahlen ohne jeden Realitätsbezug (Buchwerte). Selbst Ihr Gehalt ist nur ein Buchwert. Wenn alle Bürger Deutschlands im September zur Bank gehen würden und Ihr Gehalt/Rente ect. in Bar abholen wollen würden, dann würde das Bankensystem zusammenbrechen. Schon diese Summe ist physisch nicht vorhanden. Und nun nehmen wir noch die Sparguthaben dazu und jede Bank der Welt wäre Pleite (und damit auch wir). Was meinen Sie denn, warum die Banken angeblich gerettet werden müssen? Weil man einen Bankenrun fürchtet wie die Pest!^^

    Und der exsessive Geldfluss von Unten nach Oben sowie Zins und Zinseszins tun ihr übriges dazu.

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