Konsum-Aktien im Aufwind
Ende der Untergangsstimmung

Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Löhne steigen, "Geiz-ist-geil" war gestern. Mit welchen Konsumaktien Anleger vom deutschen Aufschwung profitieren.
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Walter Sommer hat seinen ganz eigenen Börsenindikator. Er liest ihn jeden Tag beim Blick aus dem Fenster ab. Sommer ist Direktor der Vermögensverwaltung Grossbötzl, Schmitz und Partner. Deren Büros liegen an der Königsallee, der bekanntesten Shoppingmeile Düsseldorfs. Was er dort zurzeit sehe, stimme ihn hoffnungsfroh für Konjunktur und Börse, sagt Sommer: "Die Leute gehen mit leeren Händen in die Läden und kommen vollgepackt mit Einkaufstüten wieder raus."

Sommers Indikator ist nicht repräsentativ, aber treffend. Landauf, landab steigt die Kauflust der Deutschen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Als die Marktforscher der GfK kürzlich ihre an der Börse viel beachtete Prognose zum privaten Konsum vorlegten, überraschte die Zuversicht selbst notorische Optimisten: Nie zuvor in der 27-jährigen Geschichte des GfK-Konsumindex waren die Verbraucher so guter Stimmung wie in diesem Frühsommer. Dabei sollte die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresanfang laut einhelliger Meinung der Experten 2007 zu einem herben Konsumeinbruch führen. Das Gegenteil ist der Fall.

"Die meisten Markenartikler und Händler haben nicht nur die höhere Mehrwertsteuer ohne Absatzrückgang an ihre Kunden weiterreichen können, sie erhöhen darüber hinaus sogar die Preise", beobachtet Markus Wotruba von der BBE Handelsberatung in München. Davon profitieren auch Unternehmen, deren Geschäft lange zäh bis grausam lief - und deren Aktien trotz vier Jahren Börsenbooms die letzten Mauerblümchen waren, für die sich kein Anleger interessierte.

Die erwachte Kauflust rückt die Aktien der Konsumbranche in ein neues Licht - auch bei Finanzinvestoren. Deutschlands zweitgrößter Handelskonzern Rewe hat vergangene Woche Angebote von Finanzinvestoren in Milliardenhöhe ausgeschlagen. Nicht unwahrscheinlich, dass sich die Investoren nun nach anderen Kandidaten umsehen. Die Preise der deutschen Einzelhandelsunternehmen gelten im internationalen Vergleich noch als günstig.

Womöglich nicht mehr lange. Denn die deutsche Konjunktur gewinnt an Fahrt; und das schlägt sich zunehmend im Geldbeutel der Konsumenten nieder. Deutschland entwickelt sich vom kranken Mann Europas ("Economist" 2004) zur Konjunkturlokomotive in Europa und der Welt ("Economist" 2006). Die OECD sieht Deutschland mit einem Wachstum von 2,7 Prozent für 2007 und 2,8 Prozent für 2008 an der Spitze der G7-Staaten, vor England und den USA.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hält es für möglich, dass die deutsche Wirtschaft 2007 mit 3,2 Prozent so schnell wachsen wird wie zuletzt im Boomjahr 2000. Vergangene Woche dämpften zwar zwei Stimmungsindikatoren die Euphorie: Der ifo-Index fiel unter den prognostizierten Wert, ebenso wie schon der ZEW-Indikator. Aber das sind "nur Aussagen zur Erwartung; zugleich ist die Bewertung der reellen Lage sensationell gut", meint Jens Krämer, Volkswirt bei der NordLB in Hannover.

Hoffnungsfroh stimmt die Ökonomen vor allem, dass die Konjunktur nicht mehr allein von den starken Exporten getragen wird. "Der Funke ist vom Exportboom auf die Binnenkonjunktur übergesprungen, weil die im Export entstehenden Arbeitsplätze die Kaufkraft im Inland stärken", analysiert Andreas Rees, Volkswirt bei der Hypo-Vereinsbank in München. Im Juni legte die Bereitschaft der Deutschen auch zu größeren Anschaffungen laut dem jüngsten GfK-Bericht überraschend deutlich zu. Ausgerechnet das Sorgenkind der Wirtschaftsforscher und-politiker, der private Konsum, dürfte sich 2007 und 2008 zu einer der Stützen des Aufschwungs entwickeln.

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