Kreditfinanzierte Übernahmen sind gefährlich – Risiken werden kaum entlohnt
Experten halten Erholung der Unternehmensbonds für trügerisch

Die Kurse von Unternehmensanleihen steigen seit Mitte Mai wieder. Inzwischen sind die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnden Renditen vieler Firmenbonds mit Ratings innerhalb des sicheren „Investment-Grade“ sogar niedriger als am Jahresanfang. Viele Experten halten die Erholung aber für gefährlich und fürchten neue Rückschläge.

cü FRANKFURT/M. Die Kurse von Unternehmensanleihen steigen seit Mitte Mai wieder. Inzwischen sind die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnden Renditen vieler Firmenbonds mit Ratings innerhalb des sicheren „Investment-Grade“ sogar niedriger als am Jahresanfang. Von den Rückschlägen im März und April haben sich viele Bonds erholt. Damals gerieten Unternehmensanleihen unter anderem wegen der Turbulenzen um die US-Autobauer General Motors (GM) und Ford auf breiter Front unter Druck.

Viele Experten halten die Erholung aber für gefährlich und fürchten neue Rückschläge. „Die Erholung der vergangenen Wochen war übertrieben“, sagt Michael Zaiser, Kreditstratege bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Die Entwicklung sei vor allem liquiditätsgetrieben, weil viele Investoren sehr viel Bargeld hätten, das sie anlegen müssten. Auch Siegfried Cordes, Fondsmanager bei Credit Suisse Asset Management, findet Unternehmensbonds nur noch vereinzelt attraktiv: „Anleger werden für das Risiko kaum noch entlohnt“, sagt er.

Problematisch findet Cordes außerdem, dass die meisten Investoren – Fonds, Versicherer, Pensionskassen, Handelsabteilungen der Banken und spekulative Hedge-Fonds – in etwa gleich positioniert seien. „Die meisten Investoren sind in Autobonds untergewichtet und haben dafür größere Positionen bei sichereren Versorger- und Telekomanleihen“, sagt Cordes. „Bei einem Stimmungsumschwung für die Versorger- und die Telekombranche könnte das für enormen Verkaufsdruck sorgen.“

In der für Profianleger wichtigen relativen Betrachtung – also im Vergleich zu Staatsanleihen – sehen Unternehmensbonds auch jetzt schon nicht mehr ganz so gut aus wie zum Jahresanfang. Obwohl die Renditen vieler Firmenbonds sanken, sind die Renditeabstände (Spreads) im Vergleich zu Staatsanleihen gestiegen. Das liegt daran, dass die Renditen der Staatsanleihen stärker gesunken sind als die von Unternehmensanleihen. Telekomanleihen rentieren nach Daten von Merrill Lynch derzeit gut 0,60 Prozentpunkte über Staatsanleihen, bei Versorgeranleihen liegen die Risikoaufschläge bei 0,40 Punkten. Zaiser von der HVB geht davon aus, dass die Risikoaufschläge am Gesamtmarkt um 0,10 Punkte steigen können. Das hört sich nicht so schlimm an, aber für Profi-Investoren, die enorme Summen verwalten, ist ein zehntel Prozentpunkt viel.

Zu Auslösern, die für neuen Druck auf Unternehmensbonds sorgen könnten, zählen die sich abschwächende Konjunktur, der hohe Ölpreis, die anhaltenden Sorgen um die Entwicklung von GM und Ford und vor allem das Risiko kreditfinanzierter Übernahmen. „So genannte Leveraged Buy Outs – LBOs – sind Gift für die Entwicklung von Unternehmensanleihen“, sagt Simon Ballard, Kreditstratege bei BNP Paribas. Der Grund: Hierbei steigt die Verschuldung der Unternehmens dramatisch. Das führt zu schlechteren Ratings. Jüngstes Beispiel dafür ist der skandinavische Reinigungsdienstleister ISS. Finanzinvestoren übernahmen ISS Ende März und fuhren dafür die Verschuldung des Unternehmens drastisch hoch. Standard & Poor’s stufte daraufhin das Rating der beiden ISS-Bonds deutlich von „BBB+“ auf „B“ herab. Die Kurse brachen um bis zu 25 Prozent ein. Gerüchte über mögliche Übernahmeziele von Finanzinvestoren gibt es viele. Oft genannt werden Akzo Nobel, Linde, Marks & Spencer, Sainsbury, Rentokil und Corus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%