Kreditkrise
Deutsche Banken stark betroffen

Viele deutsche Banken sind betroffen von der Finanzkrise betroffen. Selbst Institute, die als sicher galten, mussten vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet werden.

Wo es brennt: In Deutschland ist die Finanzkrise vor allem bei den Banken eingeschlagen, die ohnehin seit Jahren an Ertragsschwäche leiden. Keine deutsche Bank bringt es gemessen an den Börsenwerten unter die 20 größten der Welt. Die Eigenkapitalrenditen liegen weit unter dem europäischen Schnitt – einer der Gründe, warum hierzulande so viele vor allem kleinere Institute auf der Suche nach Renditequellen im Geschäft mit ABS-Papieren mitmischen. Ausgerechnet die öffentlich-rechtlichen Banken sind besonders stark betroffen. Sie haben reihenweise Verbriefungsgesellschaften gegründet, so genannte Conduits, die langfristige ABS-Papiere ankaufen und über die Ausgabe kurzfristiger Schuldverschreibungen refinanzieren. Gewinn machen sie, da die angekauften langfristigen Kredite höher verzinst sind als die kurzfristigen Papiere.

Die einst ertragsstarken Tochtergesellschaften sind bereits zwei Banken, der IKB und der SachsenLB, zum Verhängnis geworden, da es immer schwieriger wird, Käufer für die nötigen Schuldverschreibungen zu finden. Gleichzeitig bleiben die Banken auf ausgefallenen Krediten sitzen – wie einst am Neuen Markt, als üppig mit Anlegergeldern ausgestattete Filmunternehmen von alteingesessenen Hollywood-Studios über den Tisch gezogen wurden. "Stupid German Money" hieß das damals. Heute kommt das "dumme Geld" von IKB und SachsenLB.

Doch sie sind bei weitem nicht die einzigen. Noch verweisen die Banken auf die Top-Bewertungen ihrer Produkte durch die Rating-Agenturen. Aber gibt es keine Nachfrage, weil der Markt den Produkten misstraut, nützt auch das beste Rating nichts. Sollte die Lage sich nicht in den nächsten Wochen beruhigen, werden die Banken ihre Kreditderivate auf Marktwert abschreiben müssen. Dann gesellt sich zur Liquiditätskrise die Ertragskatastrophe.

Und das trifft selbst die Sparkassen, die doch eigentlich, so wird Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis nicht müde zu versichern, "ein Hort der Stabilität" seien. Die Sparkasse Köln-Bonn hat schon eingeräumt, Geld in den USA versenkt zu haben. Weitere folgen nun. "Gefahren lauern über indirekte Engagements zum Beispiel durch Fonds", sagt ein Unternehmensberater, der viele Kunden unter den Sparkassen hat.

Beispiel Sparkasse Herne: Sie hält ABS über Geldmarktpapiere, das maximale Verlust-Risiko liege bei fünf Millionen Euro, sagt ein Sprecher. Ein Problem sieht er nicht, aber fünf Millionen sind nicht wenig. Weitere öffentlich-rechtliche Institute aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland kündigen an, dass ihnen empfindliche Einbußen drohen, weil sie in betroffene Fonds investiert hätten. "Wir hoffen noch, dass es nicht zum Horrorszenario kommt, denn dann sind wir mit einem Millionenbetrag dabei, der nur noch knapp im einstelligen Bereich liegt", sagt der Vorstand einer kleinen Sparkasse. Der rheinische Sparkassenverband nimmt zu möglichen Verlusten von Mitgliedern, von denen offensichtlich einige betroffen sind, keine Stellung.

Ebenfalls Ungemach droht den Sparkassen auch von Seiten ihres Fondsanbieters Deka. Ein Insider berichtet, dass in Fonds der Bank, die von Sparkassen und auch Privatkunden gezeichnet worden wären, ABS-Bestände steckten, "die von Ausfällen betroffen sind", sagt er. Offiziell bestreitet das die Deka Bank. Auftrag der öffentlich-rechtlichen Institute ist, Bürger und Mittelstand mit Krediten zu versorgen. "Die Landesbanken müssen wieder daran erinnert werden", sagt Uwe Schneider, Professor für Wirtschaftsrecht an der TU Darmstadt. "Ich hoffe dringend, dass die Vorstände der SachsenLB in persönliche Haftung genommen werden." Immerhin: Der für das Kapitalmarktgeschäft der SachsenLB zuständige Vorstand Stefan Leusder räumte gerade freiwillig seinen Posten.

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