Kreditkrise
Die Realwirtschaft steckt sich an

Experten sehen erste Anzeichen dafür, dass der Konsum nachlässt und dass Unternehmen unter Finanzierungsengpässen leiden. Damit würde die Kreditkrise nicht mehr nur den Finanzsektor treffen.

"Zwei Dinge könnten die Situation verschlimmern", fürchtet Henning Gebhardt, Aktienchef Deutschland beim Fondsanbieter DWS. "Erstens, dass die Unternehmen keine Kredite mehr bekommen, um ihr Wachstum zu finanzieren. Zweitens, wenn noch mehr US-Verbraucher ihre Immobilienkredite nicht zurückzahlen können. Das würde den Konsum nach unten ziehen". Damit wäre die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergesprungen. Erste Anzeichen dafür, dass dies passiert, gibt es bereits.

Wenn Panik droht und eine Finanzkrise tobt, dann kennen Abgeordnete keine Sommerpause. Als die IKB Ende Juli in Schieflage geriet, wurde eifrig telefoniert. "Ein guter Finanzpolitiker hat doch alle Telefonnummern seiner Ausschuss-Kollegen im Handy gespeichert", sagt der SPD-Abgeordnete Reinhard Schultz. Die Finanzpolitiker der Fraktionen entschieden, dass sie sich "dringend" zusammensetzen müssten. Und das verstehen Politiker im Sommer unter dringend: Am 11. September, auf einer Sondersitzung, sollen Finanzminister Peer Steinbrück und die Spitzen von Bundesbank, BaFin und KfW die Finanzer im Parlament über die Krise unterrichten.

Die Bundesregierung hat das Thema dagegen nicht auf die Tagesordnung für die Kabinettsklausur auf Schloß Meseberg gesetzt. Steinbrück erklärt permanent, es gebe "keinen Grund zur Nervosität über die Realwirtschaft". Konkretes plant Berlin im Risikobegrenzungsgesetz, das 2008 in Kraft treten soll. Darin will die Regierung die Transparenz beim Weiterverkauf von Immobilienkrediten und anderen Darlehen erhöhen. BaFin und Bundesbank sollen Risiken intensiver "beobachten" und "analysieren". Explizit sollen besonders Banken beobachtet werden, bei denen Hedgefonds ihre Konten führen.

Politiker aller Parteien fordern lauthals Transparenz auf den Finanzmärkten. Wie genau die aber funktionieren soll – das weiß niemand so recht. "Wir müssen bei den Hedge-Fonds künftig wissen, wo das Kapital herkommt und wie hoch die Kreditrisiken sind", sagt Kanzlerin Angela Merkel.

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