Kreditkrise
Was Anleger jetzt tun sollten

Vor allem Bankaktien leiden unter der Krise. Doch letztlich sind alle Anlageklassen betroffen - auch Zertifikate, Rohstoffe, Anleihen. Tipps für Anleger.

Sollen Anleger jetzt an der Börse einsteigen? Die meisten Aktienexperten sind optimistischer als Vermögensverwalter Joachim Paul Schäfer, der in Erholungsphasen immer verkaufen würde. "Kurzfristig wird es weitere Korrekturen geben, auf längere Sicht sollte man kaufen", sagt Gerard Piasko, Chef-Investmentstratege von Bank Julius Bär in Zürich. "Jetzt, wo die Fed eingegriffen hat, wird sich die Nervosität schnell wieder legen. Bis zum Jahresende wird der Dax wieder kräftig anziehen", hofft Acatis-Fondsmanager Leber.

Angeschlagen sind vor allem Bankaktien. "Wir kaufen unseren Banken-Bären zurück", verkündete die Investmentbank Lehman Brothers gerade. Stuart Graham, Star-Analyst bei Merill Lynch, empfiehlt Unicredit und Danske Bank, mit "Aufwärtspotenzial von 20 Prozent". Selbst die angeschlagene IKB wird in Finanzkreisen schon wieder als Kauftipp gehandelt: Die werde doch mit Staatsknete saniert und zum Verkauf geschmückt.

Doch Vorsicht: Ein Ende der Kursschwäche ist nicht absehbar. Die Ratingagentur Moody´s rechnet damit, dass die Notenbanken den Geschäftsbanken auf absehbare Zeit mit Liquidität aushelfen müssen. Abschreibungen auf faule Kredite und fallende Wertpapiere, Verluste im Eigenhandel und eine restriktive Kreditvergabe werden das Geschäft und die Kurse auf Monate hinaus bremsen. Zwar zählen wieder klassische Werte wie eine hohe Bilanzsumme - hier bieten Aktien wie Citigroup oder UBS ein gutes Polster. Doch auch bei den Top-Adressen sind die Risiken noch nicht ausgeräumt. So schließt die Schweizer UBS für das zweite Halbjahr einen Gewinnrückgang nicht aus.

Also lieber stabile Werte kaufen? Im Dax sind es derzeit zwei Papiere, denen die Turbulenzen nichts anhaben: VW und Bayer. Die Gründe sind ähnlich. Der VW-Aktie helfen zwar auch die operativen Erfolge. Doch damit allein lässt sich der Kursanstieg nicht begründen. Eher schon damit, dass Großaktionär Porsche weiter aufstockt. Als Anleger da noch aufzuspringen, ist angesichts der hohen Bewertung riskant.

Dann lieber Bayer. Es gibt Gerüchte, dass Novartis bis zu 70 Euro je Bayer-Aktie zahlen würde. Allerdings hat der Schweizer Pharma-Riese in den vergangenen zwei Jahren sieben Konkurrenten übernommen. Damit ist ein so großer Brocken wie Bayer unwahrscheinlich. Immerhin, überzogen ist die Bewertung von Bayer nicht.

Gibt es verborgene Perlen unter den Nebenwerten? Hier wiederum ist die Gefahr groß, dass es nach den Kurssteigerungen seit 2003 (Salzgitter plus 2 250 Prozent, Deutz plus 800 Prozent, K+S plus 630 Prozent) trotz guter Geschäftsaussichten und akzeptabler Bewertungen zu Verkäufen kommt; auch wenn sich Investoren oder Hedgefonds auf diese Weise nur einfach Liquidität verschaffen wollen. Und sollte sich das Konjunkturklima eintrüben, träfe das die im MDax reichlich vertretenen zyklischen Aktien aus den Branchen Bau, Anlagen oder Maschinen besonders.

Am besten sehen noch Nahrungsaktien aus. Sie sind die Gewinner des steigenden Bedarfs der großen Aufsteiger China, Indien und Russland. Coca-Cola etwa verkauft immer mehr in den Schwellenländern. Bei der Rendite liegt Coke unangefochten an der Spitze der Branche. Wie der Schweizer Nahrungshersteller Nestlé, der dank Marktmacht bei seinen Kunden sogar Preiserhöhungen durchdrücken kann und der damit teure Einkaufspreisen für Zucker oder Weizen mehr als ausgleicht.

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