Krise an den Finanzmärkten
Börsen stehen vor der Wende

Die Krise an den Finanzmärkten spitzt sich zu. Die Börsen stehen nach mehr als vier Jahren Hausse vor der Wende.
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Messiah ist jetzt reich. Für eine Katze zumindest. Rund 2 400 Euro darf Messiah bei der Bank of Queensland seit Neuestem an Kredit beanspruchen. Dafür hat die australische Bank der Katze eigens eine Kreditkarte zugesandt. Die Besitzerin des Tiers, Katherine Campbell, wollte ausprobieren, wie es ihre Bank mit der Sicherheit hält und beantragte den Kredit. Kein Problem, das Kätzchen bestand die unfassbar laxe Prüfung locker.

Im Jargon der US-Banker heißen Menschen mit der Kreditwürdigkeit einer Katze bloß Ninja: no income, no job, no assets – kein Einkommen, keine Arbeit, kein Vermögen. Kredit bekamen die Ninja bis vor Kurzem trotzdem – nicht nur 2 400 Euro, sondern genug, um sich ein Haus zu kaufen. Auch Unternehmen und Hedge-Fonds bekamen reichlich Geld geliehen für Übernahmen und Spekulationen. Jetzt rächt sich, dass die Finanzmärkte über Gebühr aufgeblasen sind: Die Probleme am US-Hypothekenmarkt weiten sich zur weltweiten Finanzkrise aus, Aktien geraten in einen Abwärtssog.

Die Nerven an den Märkten liegen blank – auch wenn in offiziellen Verlautbarungen der Bankstrategen nach wie vor von einer "gesunden Korrektur" an den Börsen gesprochen wird. Aktien seien günstig bewertet und der Spuk bald vorbei, hieß es noch vergangene Woche. "Wir haben den Eindruck, dass die erhöhten Risiken in den betroffenen Geschäftsfeldern abgeschirmt und Ertragseinbußen für die Kreditinstitute insgesamt begrenzt sind." Sagte nicht irgendwer, sondern Axel Weber, Chef der Bundesbank.

Doch was derzeit Tag für Tag ans Licht kommt und womit Anleger in den nächsten Wochen immer wieder rechnen müssen, erinnert an vergangene Krisen. Deshalb dürften Durchhalteparolen allein nichts nützen. Vermeintlich günstig waren viele Aktien auch im Jahr 2000 (siehe Tabelle: KGV 2000), Papiere wie beispielsweise Bayer stürzten trotzdem um 70 Prozent ab. Privatanleger sollten sich deshalb genau wie in allen großen Krisen der vergangenen zehn Jahre nicht auf die gängigen Bewertungsparameter für Aktien verlassen, etwa das von Analysten geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wenn die großen Anleger verkaufen müssen, geht es bergab. Und zwar steil.

Wie war das 1998? Damals brach der von Nobelpreisträgern geführte Hedge-Fonds LTCM zusammen. Das Finanzsystem stand vor dem Abgrund. Nur milliardenschwere Finanzhilfen großer Geschäftsbanken und der Notenbanken retteten die Märkte damals vor dem Zusammenbruch. Der Dax verlor dennoch zunächst rund 40 Prozent (siehe Grafik: Dax immer wieder in Turbulenzen).

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