Krise an den Finanzmärkten
Vermögensverwalter senken Risiko

Die Krise an den Finanzmärkten stürzt immer mehr Akteure in Probleme. Hedge-Fonds schließen oder frieren die Konten ihrer Kunden ein, und die Zahl der insolventen US–Hypothekenbanken wächst fast täglich. Die Folge ist eine wachsende Risikoscheu der Fondsmanager weltweit. Wegen immer neuer Hiobsbotschaften halten Fonds ihr Pulver trocken.

ben/tho FRANKFURT. Laut einer Umfrage der US-Investmentbank Merrill Lynch unter professionellen Investoren stockten diese ihren Bargeldbestand im Durchschnitt um einen Prozentpunkt auf 4,4 Prozent ihres Anlagevermögens auf. Offensichtlich gehen immer mehr Großanleger aus den Märkten heraus und parken ihre Gelder, um Liquiditätsreserven zu haben.

Das höhere Risikobewusstsein spiegelt sich auch in der Einschätzung der Konjunkturentwicklung wider. Die Hälfte der Fondsmanager rechnet damit, dass die globale Konjunktur sich in den nächsten zwölf Monaten abkühlen wird – im Juni waren es noch 36 Prozent. Allerdings erwartet nur eine kleine Minderheit eine Rezession. Die monatliche Befragung unter 181 Anlegern, die fast 600 Mrd. Dollar verwalten, gilt als wichtigster Stimmungsmesser der Branche.

Hintergrund der Vorsicht der Fonds ist die US-Hypothekenkrise, die sich längst zu einem Problem der globalen Finanzmärkte ausgeweitet hat. Weil viele, der ohnehin wenig zahlungskräftigen US-Häuslebauer ihren Verpflichtungen aufgrund steigender Zinsen nicht mehr nachkommen können, werden die an Großanleger weiterverkauften Darlehen zunehmend wertlos. Die Käufer der Kredite, darunter viele Hedge-Fonds, müssen schließen und ihre restlichen Vermögenswerte – Aktien, Anleihen und Derivate – auf den Markt werfen. Die Folge sind weltweit sinkende Kurse.

Jüngstes Opfer ist der australische Hedge-Fonds Basis Capital, der gestern weitaus größere Verlust als bislang bekannt einräumen. Statt eines Minus von 50 Prozent spricht Basis Capital nun von mehr als 80 Prozent. Gleichzeitig fror die amerikanische Geldmanagement-Firma Sentinel Management Group die Vermögenswerte ihrer Kunden ein. Sentinel verwaltet 1,5 Mrd. Dollar für Warenterminhändler und Hedge-Fonds.

Sentinel habe die Warenterminbehörde CFTC benachrichtigt, dass die Gesellschaft zur Zeit keine zusätzlichen Investment-Mittel mehr annehmen und keine Rückzahlungen vornehmen werde, so die Terminbörse CME. Nach einem Bericht der Onlineausgabe des „Wall Street Journal“ hat Sentinel wegen „Panik“- Konditionen Kunden daran gehindert, Gelder aus ihren Barmittel-Konten abzuziehen. Betroffen ist auch das Bankensystem selbst. Mit Aegis Mortgage beantragte gestern erneut eine US-Hypothkenbank Gläubigerschutz.

Angesichts dieser Entwicklung setzen die von Merrill Lynch befragten Investoren auf andere Märkte. Besonders die Aktienmärkte der Schwellenländer werden positiv bewertet, aus den USA ziehen sich die Fondsmanager dagegen zurück. „Die Investoren scheinen die momentane Aufruhr als guten Zeitpunkt zum Einstieg zu sehen“, sagte David Bowers, unabhängiger Berater von Merrill Lynch. Demgegenüber hält eine klare Mehrheit Anleihen für überbewertet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%