Krise in Schwellenländern
Boom und Blase

Jetzt einsteigen? Nach dem Ausverkauf in den Schwellenländern schwärmen Strategen von einer einmaligen Chance. Doch die Gefahren sind nach wie vor groß. Goldman Sachs kommt zu einer überraschenden Erkenntnis.
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DüsseldorfAuf einmal wollen alle nur noch raus. Investoren ziehen hastig ihr Geld aus Schwellenländern wie der Türkei, Indonesien oder Südafrika ab. Die Kapitalflucht setzt die Währungen unter Druck und lässt die Aktienmärkte abstürzen. Experten warnen vor einer Ansteckung weiterer Staaten bis hin zu einer weltweiten Krise. Wenige Wochen ist das erst her.

Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Ist der Spuk damit vorbei? Lohnt sich für Anleger sogar schon wieder der Einstieg?

Die ersten Schnäppchenjäger melden sich zu Wort: Nach dem Ausverkauf böte sich eine hervorragende Chance, glaubt Jim O’Neill, der ehemalige Chairman von Goldman Sachs Asset Management. Zwar räumt er ein, dass einige Gegenden im aufstrebenden Teil der Welt „wirkliche Probleme“ hätten. „Aber das als Krise der Emerging Markets zu bezeichnen, ist offen gesagt lächerlich“, so O'Neill. Der Brite hat sich einst das Akronym „BRIC“ als Sammelbegriff für die Märkte in Brasilien, Russland, Indien und China ausgedacht.

Auch Mark Mobius von der Fondsgesellschaft Franklin Templeton meint, die Flucht aus den Schwellenländern nähere sich ihrem Ende. Im Moment kauft er nicht, will aber die Augen offen halten. Bald sei der Punkt erreicht, an dem die Leute sagen: „Hey, die Bewertungen sehen jetzt aber ziemlich gut aus“. Der prominente US-Fondsmanager wirbt seit 40 Jahren für Investments in Asien.

Die Liste der Großinvestoren, die für eine Rückkehr in die Schwellenländer trommeln, ließe sich fortsetzen. Sie führen ins Feld, die Aktienmärkte der Schwellenländer seien günstig bewertet - im historischen Vergleich und erst recht im Vergleich zu den Industrieländern. Auf den ersten Blick stimmt das auch. Der Schwellenländer-Aktienindex MSCI Emerging Markets weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund neun auf, die Unternehmen sind also mit dem neunfachen eines Jahresgewinns bewertet. Das KGV für den Dax liegt mit 13 deutlich höher.

Doch jenseits aller Werbebotschaften stellt sich die Welt nicht so einfach dar. Was bringen die Zahlenspiele, wenn mehreren Staaten eine ernsthafte Währungskrise droht oder ein Land wie die Ukraine vor der Pleite steht? Erstens sollten Anleger nach den Gründen fragen, warum es zu dem Ausverkauf kam. Und zweitens ist es wichtig, nach einzelnen Ländern zu unterscheiden; eine homogene Gruppe sind „die Schwellenländer“ nämlich keineswegs, auch wenn sie sich unter diesem Schlagwort besser in einen Fonds verpacken lassen.

Kommentare zu " Krise in Schwellenländern: Boom und Blase"

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  • Mich wundert es schon, wo und wie Anleger in die Fänge und Abhängigkeit mit ihren Investments getrieben werden! Warum werden nicht die einfachsten Kapitalanlagen proklamiert wo man richtig Rendite erzielen kann! Dies ist halt nicht gewollt und daher nicht Medien-trächtig, leider.

  • "Vergleichsweise gesund stehen auch Südkorea, Taiwan, Polen oder Chile da" sagt Goldman Sachs. Nur dumm, dass Südkorea und Taiwan schon lange keine Schwellenländer mehr sind und in vielen Dingen am Westen plus Japan vorbeigezogen sind. Insofern bleiben nur wenige wirklich sichere Schwellenländer übrig.

  • Sie haben vor allem von EU- Krediten gelebt, die sie nie hätten bekommen dürfen. Und Religion interpretieren sie so, dass sie nicht arbeiten müssen.

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