Krise zum Teil psychologisch begründet
Russlands Sparer bangen um ihr Geld

Hunderte Moskauer stehen sich in diesen Tagen vor ihren Banken die Beine in den Bauch, um ihr Erspartes wieder als Bargeld in die Hand zu bekommen. Das nach der russischen Finanzkrise 1998 mühsam wieder gewachsene Vertrauen in die Geldinstitute ist erneut erschüttert worden.

HB MOSKAU. Die Moskauer Bankkunden sind mit bitterem Humor schnell bei der Hand. „Offizielle Erklärung der Zentralbank: Es gibt keine Bankenkrise, es findet nur die nächste planmäßige Enteignung von Volksvermögen statt“, so wird gewitzelt. Hunderte Moskauer stehen sich in diesen Tagen vor ihren Banken die Beine in den Bauch, um ihr Erspartes wieder als Bargeld in die Hand zu bekommen. Das nach der russischen Finanzkrise 1998 mühsam wieder gewachsene Vertrauen in die Geldinstitute ist erneut erschüttert worden.

Gerüchte über die Zwangsschließung kapitalschwacher Kleinbanken lösten eine Kettenreaktion verunsicherter Kunden aus. Dabei ist die Krise nach Meinung der Experten eher psychologisch als wirtschaftlich bedingt. Kritisiert wird das ungeschickte Handeln der Zentralbank. „Die Taten der Zentralbank in den vergangenen Monaten mussten zwangsläufig in die Krise führen“, sagt Andrej Illarionow, der Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin.

Das Parlament traf am Samstag eine Entscheidung zugunsten der Kleinanleger. Bankkunden erhalten demnach Einlagen in Höhe von maximal 2 780 Euro erstattet, sollte die Bank zahlungsunfähig sein. Experten sehen darin einen Rückschritt auf dem Weg der Bankenreform, da extrem kapitalschwache Banken weiter auf dem Markt bleiben. „Die Wurzel des Problems ist die hohe Fragmentierung des Bankensystems“, schrieb die Moskauer Investmentfirma Aton. In Fachkreisen gilt es als notwendig, eine Flurbereinigung bei den Banken durchzuführen.

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