Künftige Entwicklung hängt jedoch von konjunktureller Trendwende ab
Tech-Werte sind wieder in Mode

Das Ende der Baisse an den Aktienmärkten macht es möglich: Tech-Werte, die vor Jahresfrist noch als Synonym für Übertreibungen und das Ende der New Economy standen, sind plötzlich gefragter denn je. Sowohl hier zu Lande als auch an der Wall Street in New York steigen Investoren wieder in großen Stile in Papiere ein, die sie noch im vergangenen Jahr auf den Markt warfen.

FRANKFURT/M. Die Konsequenz: Tech-Werte haben in der Summe seit dem Frühjahr Aktien aus klassischen Branchen klar abgehängt. Und trotz dieses deutlichen Vorsprungs geben Strategen ihnen auch in den kommenden Wochen den Vorzug.

Ihre künftige Entwicklung hängt jedoch in erster Line von einer konjunkturellen Trendwende ab. Die ist nach Ansicht von Dirk Rüttgers von der Berliner Weberbank noch nicht in Sicht. „Ab Mitte September rechne ich mit einer Konsolidierung.“ Die einzigen Märkte, die sich davon abheben könnten, seien der japanische Nikkei, die US-Technologiebörse Nasdaq und in deren Gefolge auch der TecDax. „In Phasen, in denen ein Erholungsszenario an den Märkten gespielt wird, ist es normal, dass Tech-Werte zu den Outperformern gehören“ sagt Adrian Hopkinson von der WestLB.

Die Gründe hierfür sind einleuchtend: Erstens hat es die Tech-Werte im Vergleich zum klassischen Bereich in den vergangenen drei Jahren Baisse wesentlich stärker erwischt. Der Nemax 50 beispielsweise, seinerzeit Auswahlindex des inzwischen eingestellten Neuen Marktes hatte dabei knapp 95 % an Wert verloren. „In dieser Konsolidierungsphase wurden auch sehr gute Titel teils blind verkauft“, sagt Dirk Rüttgers. Zweitens haben drei Jahre Baisse gerade im Tech-Bereich zu einem gewissen Ausleseprozess geführt. „Wer das überlebt hat, geht gestärkt in den neuen Zyklus“, sagt Adrian Hopkinson.

Drittens haben große Konzerne Investitionen gerade im Technologiesektor in den letzten Jahren erst einmal aufgeschoben. Deshalb spüren beispielsweise Unternehmen aus dem Bereich Software und Informationstechnologie (IT) nun eine erstarkte Nachfrage. „Der einzige Teil der Wirtschaft, der im Moment wächst, ist der PC-Markt“, sagt Hopkinson. Rund 20 % betrage hier das Plus gegenüber dem Vorjahr. Eine Korrelation vom Auftragseingang am PC-Markt zum gesamten Tech- Bereich sei bereits in der Vergangenheit festzustellen gewesen.

Der Saarbrücker IT-Spezialist IDS Scheer meldete so kürzlich relativ überraschend für den Aktienmarkt einen Auftrag der US-Army über 20 Mill. Euro. Die Aktie, die sich seit März bereits verdoppelt hat, setzte damit ihren Höhenflug weiter fort. Der Army-Auftrag sei ein gutes Zeichen für die Entwicklung des Geschäftes in den USA, hieß es von Seiten der Hypo-Vereinsbank. Weitere größere Aufträge könnten folgen, zumal IDS Scheer inzwischen über die kritische Masse auf dem amerikanischen Markt verfügt.

Doch nicht nur im Bereich Software und IT finden sich inzwischen etliche Ertragsperlen. Auch in den Branchen Biotech, Internet und Halbleiter legten etliche Unternehmen zuletzt viel versprechende Zukunftsprognosen vor. Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech will beispielsweise die Differenz zwischen dem inneren Wert ihrer Aktie – also dem Wert aller Beteiligungen – und dem der eigenen Aktien bis zum Jahresende auf unter 10 % drücken. Am Freitag lag er noch bei über 17 %. Das verspreche weiteres Potenzial, heißt es von den Experten der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW).

Unter den Internet-Aktien ragten zuletzt United Internet weit heraus, deren Kurs seit März um rund 250 % auf 19 Euro stieg. Der Start der US-Aktivitäten birgt hier für die Zukunft weiteres Potenzial. Auch die Gewinnprognosen für das laufende Jahr wurden nach oben angehoben. Trotz des immensen Zuwachses zuletzt sehen die Analysten der WestLB deshalb noch die Möglichkeit weiterer Kurssteigerungen und haben ihr Kursziel kürzlich erst auf 21,50 Euro angehoben.

Im Halbleiterbereich fallen derzeit Süss Microtec und Elmos Semiconductor auf. Während bei Süss die Analysten wegen des immensen Anstiegs von rund 450 % zuletzt zur Vorsicht mahnen, könnte bei Elmos noch Potenzial herrschen. Die angehobenen Entwicklungsbudgets sollen hier langfristig zu höheren Erträgen führen.

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